Buchempfehlung: Trywwidt von Klara Bellis

Lange lange habe ich an dem Buch gelesen: “Trywwidt: Die Kaiserin der ewigen Nacht” von Klara Bellis. Aber nicht, weil es langweilig, langatmig oder sonst irgendwie uninteressant gewesen wäre, sondern weil sich meine Lesezeit seit der Pandemie leider verringert hat. Die Pendelei zur Arbeit besteht aus der Durchkreuzung von Flur und Küche zu meinem Schreibtisch. Da bleibt wenig Luft zum Lesen.

Um so mehr kann ich die Autorin und das Buch loben, denn trotz langsamen Vorankommen hatte ich die Lust daran nicht verloren. Die Charaktere fand ich allesamt gelungen, trotz – oder gerade wegen? – der zuweilen überspitzten Klischees. Und auch den Schreibstil mag ich, auch wenn ich mir an manchen Stellen zugegebenermaßen etwas mehr des Drumherums beschrieben gewünscht hätte. Das tut dem ganzen aber keinen Abbruch, denn amüsant ist es auch. Und wer kann schon ein Buch schlecht finden, in dem ein paar Nazis eine gerechtfertigte Abreibung bekommen, die der Elfe Trywwidt und ihren neuen, mehr oder minder menschlichen Freund*innen auf Geheiß eines Wissenschaftlers das Leben schwer machen? Dabei wollte sie doch eigentlich nur eine Vampirpandemie verhindern.

Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen und werde sicher auch noch die Folgebände lesen.

Buchinformationen

g

Titel: Trywwidt: Kaiserin der ewigen Nacht
Autor*in: Klara Bellis (https://klarabellis.de)
Verlag: Books on Demand (13. Oktober 2017)
ISBN: 978-3848258017

Rück- und Ausblick 2020/2021

Bildbeschreibung: Eine Reihe kleiner Briefchen

Das Jahr 2020 war stressig. Nicht nur wegen der Pandemie, auch mein Brotjob hat mich weit mehr vereinnahmt, als sonst. Alles in allem stelle ich im Nachhinein fest, dass mein Schreiben etwas auf der Strecke blieb. Nicht, weil ich nicht regelmäßig geschrieben hätte. Aber der Stress begann schon lange vor Pandemiezeiten und hat mich nicht mehr als Kurzgeschichten Zustandebringen lassen – auch wenn eine davon in der Badass Angels-Anthologie ihren Platz gefunden hat.
Zwei Kurzgeschichten für das Nornennetz habe ich auch noch geschafft; „Lila“ könnt ihr im Rahmen der Raunächte auf dem Netzwerk-Blog lesen, die zweite wartet noch auf ihren Auftritt.

Und was sind die Ziele für mein stressfreieres 2021?

Allem voran möchte ich den Ausbau einer Kurzgeschichte zum Kurzroman fertig bekommen. Die Rohfassung steht fast, das sollte also innerhalb einiger Wochen zu schaffen sein.
Danach folgt jedoch ein Projekt, mit dem ich mich schon länger nicht mehr beschäftigt habe. Jetzt ist das zweite Kind im Lesealter und weit lesefreudiger, als das erste. Ich werde also „Das Haus ohne Zeit“ wieder anfassen, aktualisieren und vielleicht auch auf einen guten Weg bringen. Eine eifrige Testleserin hätte ich immerhin schon.

Ob ich Zeit und Lust habe noch eine Kurzgeschichte dazwischen zu schieben, weil mich eine Ausschreibung anlacht, werden wir sehen. In jedem Fall wird leider keines der beiden Hauptprojekte dieses Jahr veröffentlichungsreif.

Bildbeschrebung: Eine Reihe kleiner Briefchen.

Die #Badass_Angel-Anthologie ist da!

Die Wartezeit ist endlich vorbei! Seit dem 1. November ist die Anthologie „Badass Angels“ endlich als eBook veröffentlicht – und damit auch meine zweite Kurgeschichte.

„Der Kreigsengel“ ist eine der Ideen, die entstand, weil mein Hirn mich nicht in Ruhe gelassen hat. Mit Engeln habe ich allgemein nicht viel am Hut und deswegen nie weiter darüber nachgedacht. Die Ausschreibung zur Anthologie brachte aber die Frage auf: gibt es so etwas in der Richtung denn in meinem Weltengefüge?
Aus der Überlegung (und zugegebener Maßen gewissen medialen Einflüssen) entstand meine Kurzgeschichte.

Diese und die Geschichten von weiteren tollen Autor*innen könnt ihr nun endlich lesen 😉 Bis Ende November 2020 bekommt ihr es sogar zum Aktionspreis als eBook bei Amazon und Tolino.
Und ja, für Leute wie mich, die doch immer noch gerne auch ein gedrucktes Buch haben: eine Printausgabe wird es auch geben.

BADASS ANGELS: Gefiederte Kreaturen

Mit Geschichten von:

#Buchempfehlung: „Mind Ripper“ von Nadine Erdmann

Es ist mal wieder eine Rezension fällig. Dieses Mal zum ersten Band der Cyberworld-Reihe “Mind Ripper” von Nadine Erdmann.

Im Buch geht es vornehmlich um die Zwillinge Jemma und Jamie, sowie dessen gemeinsamen Freund Zack. Mit ein paar weiteren Freunden spielen sie gerne online Virtual Reality-Games verschiedenster Art. Doch nachdem sie das aktuelle Fantasy-Rollenspiel beendet haben, mahnt Jemmas und Jamies Vater sie zur Vorsicht. In London fielen mehrere Jungen während des Spielens ins Koma. Zuletzt traf es sogar einen Jungen aus ihrer Schule. Als ihnen jedoch unerwartet die Möglichkeit eröffnet wird, bei der Aufklärung der Koma-Fälle zu helfen, lassen sich alle drei nicht lange bitten.

Im Großen und Ganzen ist “Mind Ripper” eine schöne, runde Story, deren Auflösung mir sogar richtig gut gefallen hat. Trotzdem habe ich überlegt, ob ich eine Rezension schreiben soll, denn das Buch hatte seine Längen. Diverse Beziehungsproblemchen sind einfach nicht mein Fall (ich bin aber auch nicht unbedingt Zielgruppe ;)), die wechselnde Erzählperspektive innerhalb von Kapiteln fand ich gewöhnungsbedürftig und es war für mich auch eine Annäherung an Science Fiction als Lesestoff – da habe ich bisher tatsächlich wenig zu verzeichnen.

Das Positive überwiegen allerdings. Die Charakterbesetzung ist weitestgehend divers aufgebaut (auch wenn ich inständig hoffe, dass die einzige Figur, die explizit als Schwarz bezeichnet wurde, in den Folgebüchern eine größere Rolle spielen wird …) und waren auch glaubhaft umgesetzt. Neben dem Science Fiction Ambiente mit Haushaltsrobottern und deutlich fortgeschrittener VR-Technologie war das Setting in der Cyberworld selbst Dark Fantasy. Im Großen und Ganzen eine gelungene Mischung.

Das Buch bekommt von mir also eine Leseempfehlung 🙂 Und was mich angeht, ich werde ich auch den zweiten Band noch lesen.

Autor*in: Nadine Erdmann
Verlag: Greenlight Press
ISBN: 987-3-95834-220-0

Märchensommer 2020

Dies ist eine Station der Märchensommer Märchenrallye von PoiSonPaiNter, den Anfang dieser Runde findet ihr hier: https://www.randompoison.com/2020/06/03/rallye-20/

Während Regina und ihre Tante versuchten die Anleitung, die sie im Internet gefunden und auf den großen Flachbildschirm übertragen hatten zu folgen, kommentierte ihre Großmutter jeden ihrer Handgriffe mit Ratschlägen.
„Mama!“, fuhr Susi sie nach der fünfzigsten Bemerkung, dass die Ranke doch von rechts nach links zu knüpfen doch viel hübscher aussehen würde, an. „Sei still oder geh Peggy helfen!“
„Nein!“, ertönte sogleich der Protest aus der Küche.
„Wer von uns hat hier mehr Erfahrung mit magischen Kräften?“, entgegnete ihre Großmutter störrisch und verschränkte die Arme.
„Oh, es hat eine magische Bewandtnis, ob wir die Ranken linksrum oder rechtsrum knüpfen?“ Die Frage triefte nur so von Sarkasmus.
„Möglich“, war die sture Antwort und ihre Großmutter drehte den Kopf zur Seite.
„Du weißt es nicht! Also lass uns arbeiten!“, behauptete Susi und schüttelte genervt den Kopf, dann schien ihr eine Idee zu kommen und sie drehte sich noch einmal zu ihrer Mutter um.
„Oder möchtest du gar nicht, dass wir den Jungen erlösen?“
Stille breitete sich im Raum aus. Wollte ihre Großmutter wirklich versuchen, die Rettungsaktion zu sabotieren, damit Wolf ein Schwan blieb? Das konnte Regina sich nicht vorstellen.
„Er hat Regina beleidigt und verletzt!“, brach es aus der alten Frau heraus. „Dafür hat er eine Strafe mehr als verdient!“
„Ja, aber doch nicht für immer!“, entfuhr es Regina und sie war selbst erschrocken, dass sie sich auf Wolfs Seite stellte.

Mein Märchen: Die kleine Meerjungfrau

Das Märchen ist ein Stück meiner Kindheit, in zweifacher Ausführung.
Arielle die Meerjungfrau kennt sicherlich jeder. Dazu brauche ich nicht viel sagen. Aber es gab noch einen zweiten Film, den ich unheimlich gerne mochte. Es war die tschechische Verfilmung, die wie auch das Märchen von Hans Christian Andersen kein gutes Ende nimmt.
Ich habe mir also schon immer gerne mehrere Versionen der selben Geschichte zu Gemühte geführt. Und ich bin nun auch auf die kommende neue Disney-Version gespannt, in der Erwartung, dass auch die wieder anders wird.

Rallyefrage

Was opfert die kleine Meerjungfrau dafür menschlich zu sein?


a)    Ihre Sehkraft – Stella Delaney
b)    Ihre Stimme – Bücherfansite
c)    Ihren Geschmacksinn – Christina Löw

#WelttagdesBuches: Blogroman „Heimsuchung“ als lesefreundlicheres PDF

Stilleben: Shelfie mit Blogroman "Heimsuchung"

Liebe Leser*innen,

fast drei Jahre ist es her, dass ich das erste Kapitel meines Blogromans “Heimsuchung” veröffentlicht habe, im Dezember 2017 habe ich ihn beendet. Er entstand als Herzensprojekt zu meiner Protagonistin Sananka – und ist es noch.

Für den Welttag des Buches 2020 habe ich mich entschieden, meinen Blogroman in eine besser lesbare Form zu bringen.
Als Dark Fantasy kommt er entsprechend düster daher, bitte beachtet daher die Triggerwarnungen im Buch.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Blogroman „Heimsuchung“ von Jule Reichert

#Buchempfehlung: „Biss zum letzten Akt“ von Nike Leonhard

Anfang des Jahres hatte ich eine gute Lesephase – unter anderem, weil ich etwas an meinem Leseverhalten geändert habe. Dadurch, dass ich meistens unterwegs lese, greife ich derzeit gerne auf E-Books zurück. Auf eines hatte ich bereits länger ein Auge geworfen: “Biss zum letzten Akt” von Nike Leonhard.

Silke, alias Jenny, schlägt sich auf eine ganz außergewöhnliche Art durchs Leben. Sie hat als Vampirin ihre eigene Methode entwickelt, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und die deutsche Bürokratie zu umgehen. Besonders sozial ist sie nicht, das war Silke aber auch nicht zu Lebzeiten. Und es ist das passende Verhalten für eine Welt, in der Vampire sich nicht zusammenrotten.

Die Geschichte ist amüsant und gut überlegt, was das Vampirdasein angeht. Die kommen nämlich etwas anders daher, als gewohnt – und das ist gut so! Für kreative Vampirkonzepte bin ich immer zu haben. Nikes ist meiner Meinung nach auch noch lange nicht ausgereizt.

Die Protagonistin finde ich zwar nicht besonders sympathisch, aber auf ihre Art sehr einnehmend. Immerhin lässt sie sich einiges einfallen und nutzt viele finanzielle Schlupflöcher.
Leider habe ich vergleichsweise spät begriffen, dass die eigentliche Geschichte Silkes bereits Jahrzehnte früher beginnt, als gedacht. Nicht in der düsteren viktorianischen Zeit, nein. Aber wohl mitte des 20ten Jahrhunderts. Was mich zum zweiten Kritikpunkt bringt: Das Buch ist mit gerade mal 100 Seiten leider sehr kurz. Ich hätte gerne mehr von Silke erfahren 😉 Ob ihr Konzept in zwanzig Jahren immer noch aufgeht?

In jedem Fall sind es 100 lesenswerte Seiten. Und die Kürze hat auch ihre Vorteile, denn so ist das Buch tatsächlich schnell gelesen und kann wunderbar als Abwechslung zwischen anderen Fantasyschinken dienen.

Biss zum letzten Akt

Autorin: Nike Leonhard
Verlag: Books on Demand
ISBN: 3746096243

Mein #Kriegsengel in der #Badass_Angels-Anthologie

Stilleben: Autoreninnenfrühstück mit Vertrag, Kaffee und Äpfeln.

Und schwupps! Schon ist es soweit und meine zweite Veröffentlichung steht an. Und ja, es ist eine Kurzgeschichte. „Der Kriegsengel“ wird in der Anthologie #Badass_Angels veröffentlich, ins Leben gerufen von June Is und Karin Novotny.

Als die Anfrage und die Ausschreibung kam, wusste ich zunächst nicht allzu viel damit anzufangen. Engel sind eigentlich so gar nicht meins. Und tatsächlich gab es das Konzept von Engeln bisher gar nicht in meiner netten kleinen Fantasywelt.
Aber es hat letztlich nur einen kleinen Anstoß gebraucht, um ein etwas verqueres Gedankenspiel in Gang zu bringen. Und was soll ich sagen? Mir gefällt die Geschichte.

Freut euch also auf eine Kurzgeschichte, irgendwo zwischen Fantasy und Science Fiction, Magie und Technik, mit einem Engel. Und davon werdet ihr in der Anthologie sicherlich noch viel mehr finden 😉 Einen kleinen Vorgeschmack auf alles bekommt ihr auf Pinterest.

Ebenfalls mit dabei sind übrigens:

2019 – Das Jahr der Kurzgeschichten

Zwar sind meine Vorhaben gescheitert, diesen Blog wieder regelmäßig zu befüllen, doch hier kann ich in aller Ruhe einen Blick zurück auf mein Jahr werfen.

Wie gewöhnlich musste sich mein Autorinnenleben der Familie und meinem bibliothekarischen Brotjob beugen. Beides war im Jahre 2019 sehr turbulent. Je mehr sich mein Familienleben zum Herbst hin beruhigte, je stressiger wurde es im Brotjob. Im Großen und Ganzen blieb für mein Autorinnendasein nur mäßig Energie übrig. Sämtliche Überlegungen zu Veröffentlichungen im Selfpublishing kamen zum Stillstand. Für den Wettbewerb des Ohneohren-Verlags zum Thema “Geschichten aus dem Keller” fehlte mir genügen Zeit und sie wurde zu lang. Einen Gedanken an weitere Wettbewerbe habe ich auch nicht verschwendet. Das Jahr war also alles andere als erfolgreich. Oder?

Es ist ein großes ODER. Denn als ich mir mein schriftstellerisches Jahr habe durch den Kopf gehenlassen, stellte ich doch eines fest: Ich hatte durchaus Erfolge. Keine sichtbaren, die nach außen viel hermachen würden, doch für mich sind es Erfolge.

  • Ich war kreativ. Drei Kurzgeschichten sind über das Jahr entstanden, zwei davon könnten sogar den Weg in die Veröffentlichung finden.
  • Ich habe geschrieben, kontinuierlich und trotz technischer Probleme.
  • Ich habe es auch dieses Jahr geschafft, mich mit ein paar meiner Nornenschwestern zu treffen und die Buchmesse in Frankfurt zu besuchen.

All das sind tatsächlich meine eigenen, kleinen Erfolge.

Konkrete Planungen für das Jahr 2020 habe ich keine. Die drei Kurzgeschichten werden mich ins neue Jahr begeiten. Zudem bin ich endlich an dem Punkt, an dem ich mich wieder mit einem meiner größeren Projekte beschäftigen kann. Meine Monsterjäger warten auf ihren Auftritt und vielleicht finde ich die Muße mir zu überlegen, wie es mit meiner Weltensaga weitergeht.

Die Sturheit steht dem Wandel im Weg

Ich lese Fantasy. Ich schreibe Fantasy. Das ist kein Geheimnis, doch ich rede nicht gerne darüber. Mündliche Diskussionen fallen mir ohnehin oft schwer und noch schwerer wird es, wenn ich anfangen muss, mich und mein Interesse zu verteidigen – denn das tue ich bereits seit meiner Jugend; seit ich ganz tief in diverse Fantasywelten eingetaucht bin. Denn Menschen, die sich mit phantastischen Elementen beschäftigen, gelten bei vielen leider noch immer als „weltfremd“.

Obgleich ich mein Genre liebe, hat die Nachfrage, was ich denn schreibe, immer einen bitteren Beigeschmack. Meine Erfahrung zeigt, dass viele Menschen, besonders die, die sich für intellektuell halten, alles, was mit Phantastik zu tun hat, nur von oben herab beäugen. Fantasy ist eben noch immer keine „richtige“ Literatur. Vor ein paar Wochen klang diese Herablassung sogar durch meine sehr phantastikliebende Internetbubble. Und diese kam daher wie ein Rundumschlag gegen fast alles, was mir wichtig ist: Gegen Phantastik, gegen Gleichberechtigung, gegen die Stärkung von Minderheiten.
Die „Normalos“ dieser Welt sind eben noch immer „alte weiße Männer“ (*) und die wollen immer noch entscheiden, was wichtig und richtig ist. Und am wichtigsten sind sie sich selbst.

Das beginnt mit der Uneinsichtigkeit, dass Sprache wandel- und veränderbar ist, über die Sturheit nur das eigene Wichtigkeitsempfinden gelten zu lassen bis hin zum Empören darüber, dass auch andere Menschen ihren Teil der Aufmerksamkeit und der Gleichberechtigung haben wollen, weil diese leider immer noch nicht alle Menschen gleich gemacht hat.

Alles ist im Wandel …

… und die Menschen, die bisher nahezu uneingeschränkt privilegiert waren, sollen diese Uneingeschränktheit plötzlich mit anderen Teilen. Es ist die Mentalität: Es war gut, wie es bisher war, und so soll es auch bleiben! Aber das ist das Gegenteil von Wandel. Der beginnt vielleicht mit Kleinigkeiten, die sich unbemerkt einschleichen, endet aber damit, dass sich am Ende grundlegend vieles ändert. Manchmal von hier auf jetzt, meistens aber schleichend. Der Wandel endet nie. Es gibt nur Menschen, die das nicht sehen wollen und sich lieber in ihrer Bequemlichkeit suhlen.
Weswegen ist es zum Beispiel so schwer, die Wandelbarkeit der Sprache zu akzeptieren? Liest man heute Briefe, die vor hundert Jahren geschrieben wurden, haben selbst diese eine ganz andere Sprache. Früher mussten Kinder ihre Eltern Siezen, früher wurde zwischen Frau und Fräulein unterschieden, je nachdem ob Frau verheiratet war oder nicht, früher hätte niemand von einer „Arschkarte“ gesprochen, denn diese Redewendung geht auf Fußball zurück.

Auch ich musste meine Meinung dahingehend ändern.
Ich bin es gewohnt, mich angesprochen zu fühlen, wenn die männliche Form verwendet wird. Meine kluge Tochter hingegen fühlt sich nicht angesprochen. Und sie hat recht. Durch diese Akzeptanz suggeriert die Sprache, was in unserer Gesellschaft schon lange überholt sein sollte: Frauen sind nur Teil des Mannes. Durch die Akzeptanz von uns Frauen, dass wir „mit gemeint“ sind, halten wir uns selbst unsichtbar, obgleich wir genauso Menschen sind, wie Männer.
Im technischen Bereich haben wir uns damit sogar selbst ein Bein gestellt. Suchalgorithmen richten sich nach der männlichen Form. Sogar im bibliothekarischen Bereich wird in den meist nicht gegendert, dabei sind Bibliothekare in vielen Dingen eher überkorrekt. Die Auswirkungen dessen wird in dem Artikel Der Google-Algorithmus ist frauenfeindlich und die deutsche Sprache hat daran Schuld sehr schön beschrieben.

Die Blockade der Sturheit

Ich erspare es mir an dieser Stelle, die Farce um #wikifueralle noch einmal breitzutreten. Die einschlägigen Artikel dazu verlinke ich am Ende des Beitrags. Denn das die deutsche Wikipedia von “alten weißen Männern“ dominiert wird und einige von diesen frauenfeindlich sind, wurde im Zuge dessen offensichtlich. Im Fokus des ganzen stand Theresa Hannig und deren Aktivitäten, Frauen sichtbarer zu machen. Involviert war die Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen, das Nornennetz und zuletzt sogar PAN e.V..
Mit den Befindlichkeiten einiger Wikipedianer hatte Theresa Hanning sicherlich nicht gerechnet. Ich zugegebener Maßen auch nicht. Als Bibliothekarin bin ich Verfechterin von frei zugänglichem Wissen. Das ist es, was Wikipedia leisten sollte, unabhängig des Themas. Denn auch die verschiedenen Schneckenarten im Schwarzwald sind für bestimmte Menschen sehr interessant, vielleicht sogar für ein paar Neugierige. Wer Kinder hat weiß, was die für Fragen stellen können und welches Elternteil ist nicht froh, kurz auf Wikipedia nachlesen zu können, um sie zu beantworten? Doch die Annahme, jedes Wissen sei wichtig, gilt in der deutschen Wikipedia schlichtweg nicht. Viel mehr scheint sie auf dem Grundsatz „Ich und mein Empfinden für Wichtigkeit“ aufzusetzen. Und die Menschen, die andere dafür rügen, sie sollen nicht so empfindlich sein, die „Normalos“ und „alten weißen Männer“, zeigen plötzlich ihre eigenen Befindlichkeiten – und fühlen sich angegriffen.
Und warum? Weil sie sich plötzlich übergangen fühlen? Weil gegen ihre Einstellung mobilisiert wurde und Menschen sich einmischten, denen die Themen sehr wohl wichtig sind? Weil wir Phantastikautor*innen Teil des Kulturlebens und Zeitgeistes sind und man uns nicht einfach als unwichtig deklarieren kann? Weil uns Frauen nicht ausreicht, was uns die Feministinnen dieser Welt bereits erkämpft haben? Weil wir echte Gleichberechtigung wollen? Weil wir auch gesehen werden wollen?

Und das Spiel lässt sich noch ausweiten, den auch zur Gleichberechtigung gehört nicht nur, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte haben. Das beinhaltet auch menschliche Vielfalt, in der trotzdem jeder auf der gleichen Ebene steht. Das Schlagwort dazu heißt Diversität. Ich möchte als Mutter, dass meine Kinder sein können, wie sie sind ohne den Zwang sich anpassen zu müssen. Ich möchte, dass meine Kinder sich selbst definieren können, ohne in eine Schublade gesteckt und gemobbt zu werden. Ich möchte, dass sie nicht die Einzigen sind, die mit Menschen mit Behinderung ganz normal umgehen und ich möchte, dass allen Kindern Haut- und Haarfarbe der Klassenkameraden einfach egal sind. Ich möchte als Autorin wahrgenommen werden und ich möchte, dass andere Autorinnen gesehen und gelesen werden, obwohl sie Frauen sind.
In einer diversen Gesellschaft hat Rassismus, Misogynie, Homophobie und all das, was Vorurteile und Hass schürt, keinen Platz. Menschen sind Menschen und Menschen sind verschieden. Es gibt immer Idioten. Doch Idioten definieren sich durch ihre Einstellung, nicht durch ihr Aussehen, ihr Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung.

(*) Anmerkung meinerseits: Ich verwende den Begriff „alte weiße Männer“ nicht gerne, denn er schert mir zu viele unterschiedliche Menschen – bzw. in dem Fall Männer – über einen Kamm. Aber er ist leider bereits eine aussagekräftige Redewendung geworden. In dem Sinne: Bitte entschuldigt, all ihr jung gebliebenen „alten weißen Männer“! Ihr seid damit nicht gemeint 😉

Links