Heimsuchung, Kapitel 2: Gerüchteküche

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„Hast du‘s gehört? Was da gestern im Irrenhaus passiert ist?“
Sananka warf einen Blick zu den beiden Frauen, die neben sie an den Marktstand traten. Den Auslagen schenkten sie keinerlei Beachtung, dafür übertönten sie die Geige, der Sananka eben noch gelauscht hatte. Die beiden Weiber könnten Mutter und Tochter sein; beide pechschwarze Haare und beide den gleichen, aufgeregten Ausdruck in den Augen. Sie trugen sogar das gleiche einfach geschnittene Kleid, dass bei Handwerkern gerade sehr beliebt war. Der kurze Rock fiel nur bis knapp über die Knie. In wieweit das praktischer sein sollte, als Sanankas Hosen, war ihr ein Rätsel.
„Ne, was denn?“, fragte die Jüngere.
„Ein Dämon soll da umgegangen sein!“
Die Jüngere japste und fuhr sich zum Schutz mit dem Daumen über die Stirn. „Die heilige Elehi hilf!“
„Es soll auch jemanden erwischt haben“, beteuerte die Ältere.
„Und wen?“
„Eine Frau. Sie soll schlimm zugerichtet gewesen sein. Kolsa hat erzählt, ihr Mann hat sie gesehen, als Priester der Todesbotin sie heute Morgen rausgebracht haben.“
Während Sananka lauschte, beobachtete sie, wie der Händler die letzte Borte abrollte und mit einem Holzstab Maß nahm.
„Blutüberströmt!“, sagte die Alte theatralisch. „Sie soll keine Arme und Beine mehr gehabt haben und ihr Schädel war nur noch ein klebriger Brei! Ich sage dir, so wird nur jemand zugerichtet, der mit Dämonen im Bunde ist.“
Sananka wurde übel. Sie hatte die Leiche nur aus der Entfernung gesehen, doch das Bild hatte sich in ihrem Gedächtnis festgesetzt, als habe die Angst es mit Stecknadeln in ihren Schädel geheftet, um es immer und immer wieder zu betrachten.
„Und wer war sie?“, wollte die Jüngere wissen.
„Kolsa sagt, ihr Mann kennt sie nicht. Aber sie kann noch nicht lange da gewesen sein. Ihr Mann bringt doch regelmäßig die Kräuterbestellungen.“
„Vielleicht hat sie den ja Dämon mitgebracht!“
„Bitte sehr, Fräulein Schneiderin“, riss der Händler Sananka aus den Gedanken. „Ich bin sicher, Meisterin Sentat wird zufrieden sein.“ Lächelnd reichte er ihr die Borten, alle mit dünnen Bändern verschnürt und mit seinem Händlerzeichen versehen. „Schneiderin war doch Euer Name?“
„Äh, ja, danke“, murmelte Sananka und bezahlte. Dann warf sie einen weiteren Blick zu den beiden Frauen. Doch diese hatten sich abgewandt und gingen davon.
„Ihr solltet nicht so viel auf das Geschwätz geben.“ Das Lächeln des Händlers war freundlich, aber Sananka konnte es nur schräg erwidern. „Naja, ein Dämon in der Stadt ist ja nicht gerade das, was man gerne hört, oder?“
„Seid Ihr denn so abergläubisch, Fräulein Schneiderin?“
Sananka grinste schief. „Ihr etwa nicht?“
„Nicht, wenn es um Dämonen geht.“ Der Händler hielt kurz inne und grüßte einen Mann, der ebenfalls an seinen Stand trat. „Wisst Ihr, Fräulein Schneiderin“, nahm er den Faden danach wieder auf, „ich vertraue der Magiergarde. Die Magier werden das schon richten.“
„Das hoffe ich“, bestätigte Sananka, verstaute die Borten in ihrer Tasche und verabschiedete sich. Die Magiergarde würde hinzugezogen, wenn es wirklich einen Dämon gab. Daran wollte Sananka nicht glauben, doch dieses Wispern, das sie vernommen hatte, behauptete etwas anderes. Sananka verzog den Mund und schob all das beiseite, als sie sich zwischen den Menschen auf dem Markt einen Weg suchte und auf deren Gespräche lauschte. Der angebliche Mord war in aller Munde, doch nur die Wenigsten sprachen dabei von Dämonen. Sananka hörte Spekulationen in jede Richtung; von Experimenten in der Anstalt über die Rache des ehemaligen Geliebten der Frau bis hin zu der Dämonentheorie. Nur ein unheimliches Flüstern erwähnte niemand. Hatte das keiner der Angestellten gehört? Keiner der Priester der Todesbotin? Oder hatte sie sich das nur eingebildet?
Sananka wich einem ihr entgegenkommenden Pferd aus und hielt inne. Hinter ihr glühten magische Lampen an einem abgedunkelten Stand und hüllten ihn in ihren gelben Schein. Was, wenn es doch ein einfacher Mord war? Sicher, Sananka selbst hatte niemanden gesehen. Aber ein richtiger Meuchler musste unentdeckt bleiben.
Seufzend ging sie weiter. Ihr Blick schweifte über den nächsten Marktstand mit Lampen in Grün, über Obst und Wurstwaren hin zum Rand des Marktes. Dort hatten zwei Männer der Stadtgarde Stellung bezogen, zusammen mit einem Gardeschüler. Sananka kannte ihn aus der Akademie. Jeydon war einer der vierzehn Prüflinge, die in einigen Monden die Garde bereichern würden. Kurzentschlossen ging sie zu ihnen. „He, ich habe mal eine Frage.“
„Was gibt’s, Kleine?“, fragte der Älteste der drei, ein breit gebauter Kerl mit angegrautem Bart und schütterem Haar. Er trug zwei Ringe an den Schultern der dunkelblauen Gardejacke; ein Unterhauptmann. Sein Partner hatte keinen Ring und war demnach einfacher Gardist. Noch dazu hatte er ein Gesicht, das man leicht verwechseln und in einer Menge schnell verlieren konnte. Dennoch erinnerte sich Sananka, ihn noch im letzten Jahr auf der Akademie gesehen zu haben.
Sananka schob ihre Hände in die Hosentaschen. „Hier reden alle von einem Mord in der Anstalt. Ist da was dran?“
Die beiden Männer wechselten Blicke, doch Jeydon lachte amüsiert.
„Soweit ich weiß, wurde die Magiergarde in den Fall eingebunden“, meinte der Oberhauptmann. „Aber was geht dich das an?“
„Nichts“, entgegnete Sananka mit einem Schulterzucken. „Ich war nur neugierig.“
Der Älteste brummte etwas von Unverschämtheit, da schaltete sich Jeydon ein: „Ich kenne sie, Unterhauptmann Seker. Sie ist das tapfere Schneiderlein von unserer Akademie.“
Sananka verdrehte die Augen. Diesen Spottnamen würde sie unter den Gardisten nicht mehr los. Das Handwerkergesellen an der Gardeakademie trainierten, war nicht üblich. Aber Najesa hatte Beziehungen. Sie hatte Sananka dort eingeschleust, damit sie Kontakte knüpfen und eine sinnvolle Tarnung aufbauen konnte. Sich bei den Kampfübungen gewollt schlecht anzustellen war eine leichte Übung. Trotzdem hasste sie diesen Spottnamen. „Ich bevorzuge Sananka“, maulte sie.
Jeydon lachte. „Ja, schon gut. Aber glaub mir, würden wir dir dazu Einzelheiten erzählen, könntest du heute Nacht nicht schlafen.“
„Ach ja?“ Eine bessere Vorlage hätte er ihr nicht liefern können, Angeber erzählten gerne viel. „Dann versuch’s doch.“
Leider legte sich die Hand des jüngeren Gardisten auf Jeydons Schulter und brachte ihn zum Schweigen. „Jeydon! Sie ist trotzdem Zivilistin, wir dürfen ihr nichts sagen. Hüte deine Zunge!“
Sananka verdrehte die Augen. „Schon klar. Der wollte eh nur aufschneiden.“ Sie winkte ab und wünschte den Wachleuten einen schönen Tag. Auch wenn der Unterhauptmann es nicht gewollt hatte, er hatte ihr mehr verraten, als er glaubte. Nicht nur die Stadtgarde war involviert, sondern tatsächlich zusätzlich die Magiergarde. Eine denkbar schlechte Ausgangsposition für ihre Aufgabe. Wie sollte sie ihre Feuerprobe in der Anstalt planen, wenn Stadt- und Magiegarde dort ermittelten? Dennoch war sich Sananka sicher, Najesa würde ihren Auftrag nicht ändern.
Erneut ließ Sananka die Hände in den Hosentaschen verschwinden und verließ den Marktplatz in Richtung der Schneiderei. Sie würde in die Anstalt zurückkehren und sich genauer umsehen müssen. Die Informationen, die sie hatte, waren nicht annähernd genug zur Planung eines Mordes.
Aber was, wenn sie jemanden auf die gleiche Weise tötete? Wie oft schlug sich ein Verrückter wohl selbst den Schädel ein? Doch kaum war diese Frage aufgetaucht, hielt ihr die Angst bereits das Bild der Toten vor Augen und trat Sananka gleichzeitig in den Magen.
Und dieses Wispern …

Die nächsten Stunden verbrachte Sananka damit, mit präzisen Stichen zusätzliche Taschen in einer Weste zu kaschieren und nicht darüber nachzudenken, wie es sein mochte, jemandem den Kopf an der Wand einzuschlagen. Dieser Kerl mit dem dreckigen Lachen hätte es bestimmt verdient. Das würde ihm jeden verdorben Gedanken austreiben.
Sie hielt inne und atmete tief durch, um das Zittern ihrer Finger unter Kontrolle zu bringen. Nähzeug und Hände legte sie in ihren Schoß und schloss einen Moment die Augen. Wie sie in die Anstalt hineinkam, wusste sie. Doch dieses dürre blonde Mädchen in ihrem Inneren wollte nicht wieder hinein. Es war das Wispern. Nicht nur dieser seltsame Hilferuf, den sie zu hören geglaubt hatte. Das Haus hatte geflüstert. Sananka war sich sicher, dass das dürre blonde Mädchen ihr etwas sagen wollte, sie auf etwas aufmerksam machen wollte. Doch sie saß wie versteinert in ihrem Gedächtnis, zusammengekauert und bedroht von der Angst. Sananka erinnerte sich nicht daran, weswegen sie all das so sehr aufwühlte.
Noch einmal atmete sie durch und brachte ihre Hände zur Ruhe. Dann konzentrierte sie sich und lenkte ihre Gedanken in die richtige Richtung: Sie durfte nicht mehr als einen Menschen töten. Um ihr Opfer zu vergiften, müsste sie sicher gehen, dass niemand sonst davon betroffen war. Das erschien ihr in einer Irrenanstalt fast unmöglich. Also musste sie eine gängige Todesursache fingieren. Und um einen Todeskandidaten zu finden, brauchte sie die Berichte über derzeitigen die Insassen. Vielleicht war es sogar einfacher, einen Unfall zu inszenieren.
„Sananka!“
Sananka zuckte zusammen und hätte sich mit der Nadel beinahe in den Finger gestochen. „Äh, was gibt’s?“ Einen Wimpernschlag sah sie ihre Mentorin an und fügte hastig ein „Meisterin Sentat“ hinzu.
Najesa lächelte, doch in ihren Augen blitzte es verärgert. „Selbst in deiner eigenen Werkstatt solltest du immer wachsam sein.“
„Tut mir Leid“, murmelte Sananka und spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Eine Entschuldigung würde ihr nicht mehr helfen, hätte sie wirklich jemand angegriffen. „Ich habe nur über meine Aufgabe nachgedacht.“
„Dann ist es nicht dein Verdienst, dass die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt auf die Anstalt gerichtet ist?“ Najesa verengte die Augen und hob das Kinn an.
„Nein!“, protestierte Sananka, legte ihr Nähzeug beiseite und erhob sich. „Ich war gestern dort, ja, aber ich habe nichts getan. Die Kleine hat sich wohl selbst den Schädel eingeschlagen.“ Dem strengen Blick ihrer Mentorin hielt sie stand.
Die Zeit bis Najesa nickte und dazu etwas sagte, zog sich ins Unendliche. „Gut. Ansonsten hätte ich dich maßregeln müssen.“
Sananka presste ihre Lippen zusammen und schluckte ihren Ärger hinunter. Am Anfang hatte sie viele dieser Maßregelungen erhalten. Strafen, die ihr die nötige Disziplin beigebracht hatten, bis sie gelernt hatte, was sie benötigte. Bis sie jeden Schmerz überspielen konnte, bis sie mit möglichst wenig schlaf auskam, bis sie ohne Rücksicht auf sich selbst umsetzen konnte, was immer man ihr auftrug. Doch all das war ihr besser erschienen als das Waisenhaus oder das Leben auf der Straße. Aber die Zeit der Strafen lag lange hinter ihr. „So plump werde ich das nicht lösen“, sagte sie. Ihre Stimme war jedoch weit unsicherer als erhofft.
Najesa musterte sie und Sananka schob ihre Hände in die Hosentaschen; sie zitterten noch immer.
„Du magst dich als Schneiderin hervorgetan haben“, meinte Najesa kühl. „Doch an deinen Fähigkeiten als Meuchlerin musst du arbeiten. Lernen endlich, deine Gefühle zu beherrschen.“
Sananka öffnete den Mund, aber Najesa schnitt ihr mit einer harschen Geste das Wort ab. „Ich habe dich aufgenommen, weil du für beides Talent gezeigt hast. Löse deine Aufgabe, du kennst die Konsequenzen.“ Damit wandte sich Najesa dem Tisch zu, auf dem Sananka die erstandenen Borten bereitgelegt hatte.
Eine Erwiderung erwartete sie nicht, das wusste Sananka und schluckte. Sicher, sie kannte die Konsequenzen. Eine Meuchlerschülerin, die nicht in der Lage war zu meucheln, war nicht mehr, als eine Gefahr. „Ich kann es“, entgegnete sie entschlossen.
„Dann wirst du dich noch mehr anstrengen müssen. Ein weiter Todesfall darf kein Aufsehen erregen.“
Eine Weile herrschte Schweigen. Najesa löste die Verschnürung des ersten Bandes und wickelte ein Stück ab, um es genauer zu betrachten. Auf die gleiche Weise begutachtete sie die anderen Borten und Sananka senkte den Blick. Da gab es noch eine Frage, die sie sich stellte. Wenn Najesa von der Toten wusste, vielleicht konnte sie ihr eine Antwort geben. „Wisst Ihr, wer die Frau war?“
Ohne Sananka anzusehen, antwortete sie: „Soweit meine Quellen sagen, war sie nur eine Namenlose.“
„Ein Mädchen von der Straße?“
Najesa nickte. „Niemanden, um den du dir Gedanken machen müsstest. Niemand, den irgendjemand vermisst.“
Deswegen hatte Najesa gefragt, sie wäre das perfekte Opfer gewesen. Doch Sananka ging das Bild nicht aus dem Kopf. Die Frau konnte noch nicht lange in der Irrenanstalt gewesen sein. Was Sananka gesehen hatte, war eine Frau, die auf ihr Äußeres geachtet haben musste. Sie hatte nicht so ausgehungert gewirkt wie so viele der Namenlosen, die in den Straßen der Stadt hausten.
„Wie lange war sie in der Anstalt?“, frage Sananka aus dieser Überlegung heraus.
„Ein paar Wochen.“
„Und wer hat sie dort hingebracht?“
Ruckartig drehte sich Najesa um und fixierte sie mit ihrem Blick. „Du solltest dich mehr mit den Lebenden des Sanatoriums beschäftigen denn mit den Toten.“
Sananka öffnete den Mund, schloss ihn jedoch wieder, ohne ein Wort zu sagen. Ausflüchte halfen nicht. Najesa war ihre Mentorin. Ihr musste klar sein, dass ihr etwas anderes auf dem Herzen lag als blanke Neugierde. Doch das wollte Sananka nicht beichten. Najesa hatte gesagt, sie müsse ihre Gefühle beherrschen lernen. Den Brocken, der ihr seit der letzten Nacht schwer im Magen lastete und sich nur durch Antworten langsam abtragen ließ, musste sie selbst verdauen. Aber sie war sich mittlerweile sicher, dass sie die Frau gekannt hatte. Sie erinnerte sich nur nicht woher.

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Autorenprobleme: Aber ich habe doch Urlaub!

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Aber ich habe doch Urlaub! Dieser Satz kam mit in den letzten drei Wochen so oft in den Sinn.
Als Schreiberling mit Brotjob sind es die wenigen Wochen Urlaub im Jahr, die mir einen längeren Zeitraum Ruhe vom Alltagschaos bieten sollten – ja, „sollten“. Nicht nur, wer Familie hat, kennt das Problem: Ist dann mal mehr freie Zeit da, muss alles mögliche andere erledigt werden. Darüber hinaus sind noch Ferien, es waren also beide Kinder zuhause.

Aber ich habe doch Urlaub!
Pustekuchen! Urlaub heißt nicht, sich um nichts zu kümmern. Urlaub heißt den Alltag anders zu organisieren und irgendwo darin vielleicht doch noch das Eckchen Zeit zum Schreiben einzubauen. Nach Möglichkeit auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem man weder zu müde noch zu gestresst ist. Aber im Urlaub wollen die Kinder beschäftigt werden, da will eine Wohnung auf Fordermann gebracht und Dinge erledigt werden, für die man sonst nie Zeit hat, da wollen Familie und Freunde auch etwas von meiner Unmenge Urlaubszeit ab haben und und und.
Kaum eine der Angelegenheiten ist eine völlig lästige Pflicht. Aber in all dem geht mein Wunsch nach Zeit zum Schreiben schlicht unter. Es gibt keine Regelmäßigkeit, es gibt nur die Gelegenheiten sich zwei, vielleicht drei mal die Woche hinzusetzten, den Laptop auszupacken und zu versuchen etwas vernünftiges zu Tippen.
Mir bleibt also in der letzten Urlaubswoche nur die Hoffnung, die Zeit zu finden umzusetzen, was ich möchte. Wenigstens eine einzige Szene will geschrieben werden, wenigstes eine! Denn: Ich habe doch Urlaub! Ich will schreiben!

Heimsuchung, Kapitel 1: Die Anstalt

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Sananka steckte den Dietrich zurück in die Tasche an ihrem Gürtel. Das Dachfenster quietschte leise, als sie es anhob. Alle anderen Fenster waren vergittert, nur diese einsame Luke nicht. Vorsichtig glitt Sananka hindurch und blieb auf dem Boden hocken. Sie lauschte auf Regungen in die Dunkelheit, Schritte, Stimmen. Doch außer ihrem eigenen Herzschlag und einem Schnarchen, das gedämpft durch die Dielen drang, konnte sie nichts vernehmen. Heute war die Nacht, in der sie sich ein Bild von der Anstalt machen würde. Wie alle Menschen der Stadt hatte sie eine Vorstellung: Angekettete Kranke, von Fäkalien bedeckte Dielen und mindestens ein Zimmer mit medizinischen Foltergeräten, die als angebliche Heilmittel eingesetzt wurden.
Das Licht des großen Silbermondes fiel hinter ihr durch das Fenster und tauchte alles dahinter in tiefe Schatten. Allmählich gewöhnten sich Sanankas Augen an die Schwärze der Dachkammer und sie erkannte Konturen von Möbeln. Doch der Anblick entsprach nicht dem Bild des Grauens, auf das sie sich eingestellt hatte. Die Kammer war weder staubig noch mit Stühlen vollgestellt, an denen Jemand festgeschnallt werden konnten während ihm der Schädel aufgesägt wurde. Sananka sah keine Eisenketten, keine Käfige und keine magischen Blitztrommeln. Stattdessen standen zwei gewöhnliche Betten nahe der einzigen Tür und dienten als Lager für ordentlich gefaltete Decken. Ein leerer Schrank hatte daneben seinen Platz und weitere abgedeckte Möbel verteilten sich im Raum. Neben der Tür, gegenüber der Betten, hing ein Regal mit Holzgeschirr jeglicher Art.
Verschaffe dir einen Überblick, hallten die Worte ihrer Mentorin nach. Behutsam erhob sich Sananka und schlich zur Tür. Sie fröstelte, als sie ihr Ohr an das Holz legte und lauschte. Das Schnarchen von unten hatte nachgelassen, jetzt vernahm sie nur noch ein Trippeln in der Wand. Oder war da noch etwas anders? Ein Flüstern? Auf den Straßen erzählte man beunruhigende Geschichten über die Anstalt. Die drei Heiler und auch die fünf Angestellten wurden in der Stadt respektiert – und gemieden. Sananka hatte sie in den letzten Tagen beobachtet. Alle, die in diesem Haus lebten, teilten das Schicksal, ob verrückt oder nicht.
Sananka schob eine ihrer blonden Locken zurück unter das Tuch über ihrem Kopf und zurrte den Knoten fester. Danach betrachtete sie das massive Schloss in der Tür und wählte einen passenden Dietrich. Langsam ließ sie ihn ins Schlüsselloch gleiten, drehte und schob mit viel Fingerspitzengefühl, genauso vorsichtig, als setze sie einen feinen Stich an einem Ballkleid. Sie wurde mit einem Klicken belohnt und das Schloss aufschnappte. Erneut lauschte sie. Drang da ein Schrei durch die Tür oder spielten ihr ihre Sinne einen Streich? Tief in ihr drin kicherte die Angst über dieses dürre Mädchen, das nach dem kleinsten Mauseloch suchte, um sich zu verkriechen. Der Schrecken der Anstalt lag offen vor ihr und Sananka atmete durch. Es gab größere Schrecken, sie hatte sie gesehen. Sie hatte diesen Weg gewählt, um sich nie wieder von der Angst in ein Mauseloch jagen zu lassen. Deswegen hatte Najesa sie für ihre Feuerprobe ausgerechnet hierher geschickt. Trotz der Zweifel ihrer Mentorin würde Sananka ihr beweisen, dass sie bereit war.
Die Tür knarrte, als Sananka sie einen Spalt aufschob, bis sie hindurchschlüpfen konnte. Schwaches Licht von unten enthüllte eine schmale Treppe, untermalt von den Schnarchgeräuschen. Staub bedeckte die Stufen dicht an der Wand, dort wo niemals jemand den Aufstieg in die Dachkammer betrat. Je weiter sie hinab schlich, desto deutlicher gesellte sich das Rascheln von strohgefüllten Matratzen und dumpfes Gemurmel zu dem Schnarchen. Eine einzelne Lampe ihr gegenüber, am anderen Ende eines Flurs, erleuchtete diesen notdürftig. Doch zusätzlich drang ein Flüstern zu ihr, Murmeln, dem sie keine Richtung zuordnen konnte. Es war, als bebe das Haus unter der Last seiner Insassen. Es war, als lauerten Pein und Verzweiflung unablässig in jedem Spalt, tränkten die Wände und durchfluteten das Gebäude. Auch hier, wo nur die Heiler und Angestellten schliefen.
Sananka schluckte. Tief in ihr wusste sie, dass sie dieses Wispern schon vernommen hatte, früher, zu einer Zeit, über die sie nicht nachdenken wollte. Oder war es doch nur die Angst, die sie flüsternd drängte, dieses Haus wieder zu verlassen? Sananka schloss die Augen und hob leise an zu summen. Ihre Stimme war ihr Schutz und ihr Geheimnis. Niemand nahm sie wahr, wenn sie sang. Sananka wusste nicht, weswegen die Blicke der Menschen dann von ihr abglitten. Eine sanfte, gleichmäßige Melodie erfüllte den Flur, dem Rhythmus ihres Herzschlags folgend.
Vorsichtig durchquerte Sananka den Flur, vorbei an Türen und Schränken. Ein Schrei drang von unten durch die Gänge ebenso, wie ein schwacher Geruch nach Fäkalien. Der Rhythmus geriet ins Taumeln, als ihr Herz einen Schlag aussetzte. Sananka drückte sich neben einem breiten Garderobenschrank an die Wand. Gleich darauf regte sich etwas. Eine Tür öffnete sich und eine dickliche Frau kam heraus. Lange, zerzauste Haare fielen ihr in den Nacken. Über ihr Nachtgewand hatte sie sich lediglich ein Schultertuch geworfen. Sie war die Leiterin der Anstalt. Behäbigen Schrittes ging sie an Sananka vorbei und Sanankas Stimme zitterte. Doch das alte Kinderlied, das Sananka sang, floss weiter durch den Flur und verscheuchte die Blicke. Direkt ihr gegenüber nahm die Leiterin einen Schlüsselbund von einem Haken und öffnete die Tür am anderen Ende des Ganges – und das Gitter direkt dahinter.
Zischen und Jammern drang von unten herauf, gefolgt von Wehklagen, das Sananka durch die Knochen drang und sie von innen her rüttelte. Der Gestank nach Schweiß, Fäulnis und Fäkalien stieg ihr in die Nase und streckte seine widerlichen Auswüchse nach ihrem Magen aus. Und über allem schwebte der verzweifelte Schrei einer Frau. Sananka starrte zur Treppe. Angst kroch an ihr hoch und legte ihre klammen Finger um ihre Kehle. Doch Sananka zwang sich weiter zu singen, jeden Ton klar hervorzubringen. Verzweiflung lag in dem Aufschrei, als versuche die Frau einem Grauen zu entkommen, das verborgen in ihrem Kopf seine Fänge nach ihr ausstreckte; als erwarte sie jemanden wie Sananka, die sie von ihren Dämonen rettete.
Dort unten waren sie also. Hinter diesem Gitter würde sie es finden. Sammle Informationen und entscheide dich für ein Opfer. Für mehr Informationen war sie hier. Sie musste das Haus erkunden, sich ein Bild von den Insassen verschaffen und ihre die Wahl treffen. Sie musste wählen, wer durch ihre Hand sterben sollte. Aber sie konnte sich nicht von der Stelle rühren. Der Gedanke hinunter zu gehen, lähmte ihre Glieder und ihre Stimme.
Dann erklangen weitere Jammerlaute und übertönten den Verzweiflungsschrei. Männer wie Frauen, jung wie alt kreischten und schrien aus voller Kehle. Sananka zuckte zusammen und verstummte. Wie viele mochten das sein? Zehn? Zwanzig? Um wie viele Insassen konnten sich drei Heilkundige kümmern?
„Wir haben einen Notfall!“, rief jemand. Gleich darauf stürmte ein Wachmann die Treppe hinauf, das Kreischen übertönten seine Schritte. Und plötzlich regte sich alles. Türen wurden aufgeschlagen, Menschen kamen aus ihren Zimmern und weitere Lampen hüllten den Flur in flackernde Schatten. Sananka drückte sich in die Dunkelheit des Schranks und verharrte bewegungslos. Die Verantwortlichen des Hauses gaben Befehle. Dann eilten sechs Leute durch den Korridor dicht an Sananka vorbei und ohne einen Blick nach links oder rechts zu werfen. Alle Heiler, zwei Bewaffnete und ein Hausangestellter rannten die Stufen hinunter.
Neben Sananka blieben nur die letzten beiden Angestellte im Gang zurück: eine blonde Frau und ein Junge von vielleicht zehn Jahren. Sie flüsterten miteinander. Sananka konnte die Worte nicht verstehen, doch die Blonde legte dem Kind die Hände auf die Schultern und sah ihn verständnisvoll an. In seinen Augen glitzerten Tränen. Dann nahm sie ihn bei der Hand und ging mit ihm ebenfalls hinab. Die Schritte des Jungen waren unsicher.
Sanankas Herz raste und erst jetzt bemerkte sie, dass sie die Luft angehalten hatte. Was war dort wohl geschehen? Was konnte ein solcher Notfall sein?
Sammle Informationen und wähle dein Opfer, rief sich Sananka ihren Auftrag ins Gedächtnis und verscheuchte die Neugierde. Sicherlich gab es in diesem Haus eine Schreibstube mit Papieren und Aufzeichnungen über die Insassen. Allerdings war hier im Obergeschoss keine Schreibstube zu sehen. Alle Türen im Flur standen offen und aus allen waren verschlafene Menschen gekommen. Sie musste weiter unten sein.
Was auch immer gerade passiert war, es war die perfekte Ablenkung. An diesen Gedanken klammerte sie sich, als sie vorsichtig folgte und die Stufen hinunterging. Die Schreie ebbten ab und Sananka betrat das Untergeschoss. Hier teilte sich der Flur in zwei Gänge und eine weitere Treppe führte in den Keller. Von unten vernahm sie aufgeregte Stimmen und Schluchzen. Ihr Blick glitt die Treppenstufen hinab. Da war es wieder, dieses Wispern. Wie ein leiser Hilferuf, der sie dazu drängte, nachzusehen – oder war es nur die Neugierde?
Die Angst trampelte auf ihrem Magen und Sananka wurde flau. Der Gestank biss ihr in die Nase, doch das Raunen trieb sie trotzdem in den Keller. Ein weit geöffnetes Gitter flankierte den Treppenabsatz, Sananka konnte das Licht am Ende des Gangs sehen. Sie hörte Wortfetzen. Die Leiterin der Anstalt erteile Befehle. Noch immer lärmten die Kranken, sie jammerten und klagten und einer lachten sogar. Das Flüstern allerdings übertönte alles, so leise es auch war. Es fehlte um Hilfe und prickelte auf ihrer Haut.
Sananka schlich an verschlossenen Zimmern vorbei, doch die Türen hatten alle vergitterte Sichtfenster. Im Dunkeln konnte sie nur Schemen in den Zellen ausmachen; eine zusammengekauerte Gestalt auf einem Bett, eine direkt vor dem Fenster. Rechts von ihr saß jemand ganz still, links rüttelten gleich zwei Insassen an ihren Türen. Vier Türen auf jeder Seite, also acht Kranke. Und sie waren nicht die Einzigen. Der Flur teilte sich am Ende erneut auf.
An der letzten Tür streckte jemand seine Hände durch die Gitter, als Sananka vorbeiging, und brabbelte unverständliches Zeug. Ein alter Mann mit zerzausten Haaren und wild aufgerissenen Augen sah sie durchdringend an und lachte leise. Bei diesem Lachen stellten sich Sananka alle Härchen auf. Es war das Lachen einer Bestie. Sie hatte es früher oft gehört. Ungewollt sah sie dem Mann ins Gesicht, doch sie konnte nur seinen gierigen Blick erkennen. Ihre Beine zitterten plötzlich. Das dürre Mädchen in ihrem Inneren, das eben noch dem Wispern hatte folgen wollen, wollte jetzt kreischen, wollte fliehen um dieses Lachen nicht mehr hören zu müssen. Sananka biss die Zähne zusammen. Nein, sie würde nicht laufen. Sie würde tun, weswegen sie hier war. Um es sich selbst zu beweisen, lauschte sie in sich hinein und sperrte das Lachen aus. Aber das Raunen war verstummt.
Ohne es zu wollen, ging sie schneller und schob sich um die Ecke. Der Gang gabelte sich. Rechts von ihr endete er in einer massiven Tür, links bot er Zugang zu weiteren Zellen. Dort endlich sah sie die Angestellten des Hauses. Der Junge drehte sich gerade um und lief ihr entgegen. Sananka wich an die Wand zurück und summte. Nur ein einziger Ton bewahrte sie davor entdeckt zu werden. Das Kind hastete direkt an ihr vorbei und verschwand durch die Tür am anderen Ende des Flurs. Sananka sang weiter, reihte Ton an Ton und versuchte damit ihr Herz zu beruhigen. Eine der Zellen war weit geöffnet. Die Heilkundigen und auch die Bewaffneten standen um eine Bahre. Eine Gestalt lag darauf, ihre Kleidung war blutig. Wo der Schädel sein sollte, sah Sananka nur Knochen, Blut und Haarfetzen. Allein ihre großen rehbraunen Augen starrten ins Leere. Die Leiterin ging in die Hocke und verschränkte die schlaffen Arme der Toten über deren Brust. Die Anderen hatten die Köpfe gesenkt. Sanankas konnte kaum atmen. Was sie sah, war real und doch kam es ihr vor wie eine Szene aus einem Albtraum, untermalt von ihrem Wiegenlied.
Ein Schluchzen drang aus einem der Zimmer und zerfetzte Sanankas Gedanken. Die Leiterin hatte sich erhoben und schimpfte mit den anderen. „Wie konnte das geschehen?!“, fuhr sie einen Heiler an.
„Ich habe sie fixiert, als ich zu Bett ging“, rechtfertigte sich der Heilkundige mit rauer Stimme. „Ich weiß nicht, wie sie sich befreien konnte. Sie hat …“ Der letzte Satz ging im Heulen eines Insassen unter.
Nun sah die Leiterin einen der Bewaffneten an. „Und Ihr? Wie konntet Ihr im Dienst einschlafen?!“
Der Mann murmelte etwas vor sich hin. Sananka verstand es nicht, aber seine schwerfälligen Bewegungen deuteten auf den Genuss von zu viel Wein und Bier hin.
Das Heulen neben Sananka wurde zu einem Zischen. Doch Sananka konnte den Blick nicht von der Toten abwenden. „Diese geschundene Seele hätte ohnehin keine Heilung erfahren“, sprach eine Frau, die andere Heilkundige der Anstalt. Verachtung lag in ihrer Stimme.
„Dennoch hätte sie sich nicht selbst richten dürfen!“, fuhr die Leiterin sie an.
Konnte das wirklich sein? Konnte es sein, dass sich diese Irre selbst so zugerichtet hatte? Wie verrückt musste jemand sein, um sich den Schädel einzuschlagen?
Die Blonde, die mit dem Kind hier herunter gegangen war, breitete ein Laken über dem Leichnam aus. Sananka blinzelte und wurde sich bewusst, dass sie gar nicht hier sein sollte. Hier unten gab es keine Schreibstube und sie hatte genug gehört. Bald würde die Stadtgarde hier erscheinen. Wo sonst sollten sie den Jungen hingeschickt haben? Sie musste später erledigen, wozu sie gekommen war. Es war an der Zeit, zu verschwinden.

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Ankündigung: Blogroman „Heimsuchung“

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Bereits im Laufe der letzten Woche habe ich es auf Twitter und Instagram angekündigt: nächsten Mittwoch, den 9. August 2017, startet mein Blogroman mit dem schönen Titel Heimsuchung.

Heimsuchung_BlogromanVonJuleReichert

Klappentext

Als Sananka den Auftrag für ihre Feuerprobe als Meuchlerin erhält, wähnt sie sich bereits am Ziel ihrer Bemühungen. Doch ein grausamer Todesfall im Sanatorium rüttelt nicht nur bei ihr Erinnerungen wach. Ihr alter Freund Kyle sieht sich als Gardeschüler nicht nur mit der Aufklärung sich häufenden Gewaltausbrüchen in der Stadt konfrontiert, sondern auch mit der gemeinsamen Vergangenheit. Unweigerlich stößt er bei den Ermittlungen auf Sananka, aber die schmiedet bereits ihre eigenen Pläne.

Nach fast einem Jahr arbeit, ist es nun so weit: Ab Mittwoch wird es wöchentlich ein Kapitel des Blogromans geben. Freut euch auf eine Protagonistin mit Knacks, eine düstere Atmosphäre und viel Spannung!

Ein ganz dickes Dankeschön geht an dieser Stelle ganz offiziell an meine Betaleser:

Vielen vielen Dank für Eure Mühe und Eure Hilfe bei dem Projekt! 🙂

Zusätzlich wird es zu verschiedenen Kapiteln musikalische Untermalung geben. Wer meinen Musikgeschmack kennt und schätzt, wird sich sicherlich auch an dieser Beigabe erfreuen. Unter anderem erwartet Euch Musik von Nightwish, Evanescence und Within Temptation.

Das Nornennetz

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Im Social Media führt oft eines zum anderen. So führte die Autorinnenzeit unter anderem zu den Nornen.

Die Erkenntnis, dass Autorinnen im Fantasy-Genre nicht nur unterrepräsentiert sind, sondern auch mit falschen Erwartungen betrachtet werden, brachte einige Fantasy-Autorinnen zusammen. Spontan gründeten sie ein Netzwerk: Die Nornen. Das Nornennetz hat klar zum Ziel, Autorinnen des phantastischen Genres im deutschsprachigen Raum zu fördern. Dazu zählen auch alle anderen Subgenre wie Steampunk, Sience Fiction, Horror und so weiter.

Auch wenn das Netzwerk noch ziemlich jung ist – oder gerade deswegen? – ist es unheimlich dynamisch. Im Netzwerk wird geplaudert, sich über alle möglichen buchrelevanten Themen ausgetauscht und werden bereits die ersten Projekte geplant. Jeder kann seinen kleinen Beitrag dazu leisten und die Autorinnen im Netzwerk unterstützen; mit all dem, was die Nornen zu bieten haben.

Noch wird das Nornennetz gewebt, doch schon jetzt haben sich viele Ideen verfangen, die umgesetzt werden wollen. In jedem Fall tut sich etwas bei den Nornen. Und ich bin stolz, bereits dabei zu sein!

Moechtegernautorin_dark

Und wer nun neugierig geworden ist, kann sich auf der Nornen-Website informieren – und vielleicht sogar gleich als Novizin bewerben 😉

 

Zwischenspiel: Balloras Song

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Eine anstrengende Woche, ein anstrengendes Wochenende und wieder keine Zeit für einen vernünftigen Blogbeitrag. Also gibt es etwas für die Ohren; diesmal sogar unüblicher Weise etwas popiges 😉

Dank dem Let’s-Play-Video-Wahn meiner Kinder bin ich auf einige Songs zu der Spielereihe „Fife Nights At Freddy’s“ gestoßen, genauer gesagt auf das Neueste: Sister Location. Balloras Song finde ich einfach besonders faszinierend.


Natürlich regen sich da auch Ideen in meinem Hinterkopf. Mechanische Dinge sind im Fantasy oft nicht sehr präsent, wenn man sich nicht gerade im Steampunk bewegt. Allerdings sollen sie bei mir trotzdem ihren Anteil haben. Meine Monsterjäger werden mit Mechanik aufwarten. Einen Geist also in eine mechanische Puppe zu stecken wäre eine schöne Idee für einen Grundplot.

 

 

Buchempfehlung: „The Stepsister Scheme“ von Jim C. Hines

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Sicher kennt ihr das: Habt ihr einen Autor gefunden, dessen Stil ihr toll findet, wollt ihr mehr von ihm lesen. Bei Jim C. Hines ist das bei mir der Fall 🙂 Und ich gebe zu, ich war sehr gespannt auf seine Märchenadaption, denn bei der Princesses-Reihe handelt es sich um eine solche. Den Auftakt zu der Reihe macht „The Stepsister Scheme“ (Drei Engel für Armand).
Protagonistin des Ganzen ist Danielle – auch bekannt als Cinderella. Nach ihrer Hochzeit mit dem Prinzen, wird dieser von ihren Stiefschwestern entführt und, nun ja, was bleibt ihr anderes übrig, als ihren Mann zu retten? Zusammen mit Talia und Snow, oder auch Dornröschen und Schneewittchen, bricht sie auf und folgt den Spuren nach Fairytown. Doch die Feen sind in dieser Welt hinterhältig und haben ihre eigenen Pläne.

Besonders gut gefallen haben mir genau diese drei Hauptfiguren, allen voran Talia und Snow. Denn die Hintergründe, und somit auch der Plot des Buches, basieren nicht etwa auf den abgeschwächten Märchenversionen, die heutzutage in Kinderbüchern zu finden sind. Während Talia eine phantastische Kämpferin ist, ist Snow eine hervorragende Zauberin. Allein Danielle, die eigentliche Hauptperson, kommt am Anfang etwas blass daher, doch die Entwicklung zum Ende hin ist deutlich erkennbar.
Am besten gefiel mir aber die Dynamik zwischen den drei Frauen 😉 Diskussionen und Neckererein, die auf kleine Charakterfehler hinweisen, liebe ich einfach; damit wird die Geschichte zum einen humorvoll und zum anderen echt. Und ja, genau daran möchte ich mir als Autorin ein Beispiel nehmen.

Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen. Wer gute Charaktere und Frauenpower mag, wird daran seine Freude haben. Und auch Märchenfans, die nicht auf das „happy ever after“ bestehen, gilt meine Empfehlung, denn die Story kommt durchaus düster daher.

The Stepsister Scheme / Drei Engel für Armand

Autor: Jim. C. Hines
Verlag: DAW BOOKS / Bastei Lübbe
ISBN: 978-0756405328 / 978-3404206070