Die Sturheit steht dem Wandel im Weg

Ich lese Fantasy. Ich schreibe Fantasy. Das ist kein Geheimnis, doch ich rede nicht gerne darüber. Mündliche Diskussionen fallen mir ohnehin oft schwer und noch schwerer wird es, wenn ich anfangen muss, mich und mein Interesse zu verteidigen – denn das tue ich bereits seit meiner Jugend; seit ich ganz tief in diverse Fantasywelten eingetaucht bin. Denn Menschen, die sich mit phantastischen Elementen beschäftigen, gelten bei vielen leider noch immer als „weltfremd“.

Obgleich ich mein Genre liebe, hat die Nachfrage, was ich denn schreibe, immer einen bitteren Beigeschmack. Meine Erfahrung zeigt, dass viele Menschen, besonders die, die sich für intellektuell halten, alles, was mit Phantastik zu tun hat, nur von oben herab beäugen. Fantasy ist eben noch immer keine „richtige“ Literatur. Vor ein paar Wochen klang diese Herablassung sogar durch meine sehr phantastikliebende Internetbubble. Und diese kam daher wie ein Rundumschlag gegen fast alles, was mir wichtig ist: Gegen Phantastik, gegen Gleichberechtigung, gegen die Stärkung von Minderheiten.
Die „Normalos“ dieser Welt sind eben noch immer „alte weiße Männer“ (*) und die wollen immer noch entscheiden, was wichtig und richtig ist. Und am wichtigsten sind sie sich selbst.

Das beginnt mit der Uneinsichtigkeit, dass Sprache wandel- und veränderbar ist, über die Sturheit nur das eigene Wichtigkeitsempfinden gelten zu lassen bis hin zum Empören darüber, dass auch andere Menschen ihren Teil der Aufmerksamkeit und der Gleichberechtigung haben wollen, weil diese leider immer noch nicht alle Menschen gleich gemacht hat.

Alles ist im Wandel …

… und die Menschen, die bisher nahezu uneingeschränkt privilegiert waren, sollen diese Uneingeschränktheit plötzlich mit anderen Teilen. Es ist die Mentalität: Es war gut, wie es bisher war, und so soll es auch bleiben! Aber das ist das Gegenteil von Wandel. Der beginnt vielleicht mit Kleinigkeiten, die sich unbemerkt einschleichen, endet aber damit, dass sich am Ende grundlegend vieles ändert. Manchmal von hier auf jetzt, meistens aber schleichend. Der Wandel endet nie. Es gibt nur Menschen, die das nicht sehen wollen und sich lieber in ihrer Bequemlichkeit suhlen.
Weswegen ist es zum Beispiel so schwer, die Wandelbarkeit der Sprache zu akzeptieren? Liest man heute Briefe, die vor hundert Jahren geschrieben wurden, haben selbst diese eine ganz andere Sprache. Früher mussten Kinder ihre Eltern Siezen, früher wurde zwischen Frau und Fräulein unterschieden, je nachdem ob Frau verheiratet war oder nicht, früher hätte niemand von einer „Arschkarte“ gesprochen, denn diese Redewendung geht auf Fußball zurück.

Auch ich musste meine Meinung dahingehend ändern.
Ich bin es gewohnt, mich angesprochen zu fühlen, wenn die männliche Form verwendet wird. Meine kluge Tochter hingegen fühlt sich nicht angesprochen. Und sie hat recht. Durch diese Akzeptanz suggeriert die Sprache, was in unserer Gesellschaft schon lange überholt sein sollte: Frauen sind nur Teil des Mannes. Durch die Akzeptanz von uns Frauen, dass wir „mit gemeint“ sind, halten wir uns selbst unsichtbar, obgleich wir genauso Menschen sind, wie Männer.
Im technischen Bereich haben wir uns damit sogar selbst ein Bein gestellt. Suchalgorithmen richten sich nach der männlichen Form. Sogar im bibliothekarischen Bereich wird in den meist nicht gegendert, dabei sind Bibliothekare in vielen Dingen eher überkorrekt. Die Auswirkungen dessen wird in dem Artikel Der Google-Algorithmus ist frauenfeindlich und die deutsche Sprache hat daran Schuld sehr schön beschrieben.

Die Blockade der Sturheit

Ich erspare es mir an dieser Stelle, die Farce um #wikifueralle noch einmal breitzutreten. Die einschlägigen Artikel dazu verlinke ich am Ende des Beitrags. Denn das die deutsche Wikipedia von “alten weißen Männern“ dominiert wird und einige von diesen frauenfeindlich sind, wurde im Zuge dessen offensichtlich. Im Fokus des ganzen stand Theresa Hannig und deren Aktivitäten, Frauen sichtbarer zu machen. Involviert war die Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen, das Nornennetz und zuletzt sogar PAN e.V..
Mit den Befindlichkeiten einiger Wikipedianer hatte Theresa Hanning sicherlich nicht gerechnet. Ich zugegebener Maßen auch nicht. Als Bibliothekarin bin ich Verfechterin von frei zugänglichem Wissen. Das ist es, was Wikipedia leisten sollte, unabhängig des Themas. Denn auch die verschiedenen Schneckenarten im Schwarzwald sind für bestimmte Menschen sehr interessant, vielleicht sogar für ein paar Neugierige. Wer Kinder hat weiß, was die für Fragen stellen können und welches Elternteil ist nicht froh, kurz auf Wikipedia nachlesen zu können, um sie zu beantworten? Doch die Annahme, jedes Wissen sei wichtig, gilt in der deutschen Wikipedia schlichtweg nicht. Viel mehr scheint sie auf dem Grundsatz „Ich und mein Empfinden für Wichtigkeit“ aufzusetzen. Und die Menschen, die andere dafür rügen, sie sollen nicht so empfindlich sein, die „Normalos“ und „alten weißen Männer“, zeigen plötzlich ihre eigenen Befindlichkeiten – und fühlen sich angegriffen.
Und warum? Weil sie sich plötzlich übergangen fühlen? Weil gegen ihre Einstellung mobilisiert wurde und Menschen sich einmischten, denen die Themen sehr wohl wichtig sind? Weil wir Phantastikautor*innen Teil des Kulturlebens und Zeitgeistes sind und man uns nicht einfach als unwichtig deklarieren kann? Weil uns Frauen nicht ausreicht, was uns die Feministinnen dieser Welt bereits erkämpft haben? Weil wir echte Gleichberechtigung wollen? Weil wir auch gesehen werden wollen?

Und das Spiel lässt sich noch ausweiten, den auch zur Gleichberechtigung gehört nicht nur, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte haben. Das beinhaltet auch menschliche Vielfalt, in der trotzdem jeder auf der gleichen Ebene steht. Das Schlagwort dazu heißt Diversität. Ich möchte als Mutter, dass meine Kinder sein können, wie sie sind ohne den Zwang sich anpassen zu müssen. Ich möchte, dass meine Kinder sich selbst definieren können, ohne in eine Schublade gesteckt und gemobbt zu werden. Ich möchte, dass sie nicht die Einzigen sind, die mit Menschen mit Behinderung ganz normal umgehen und ich möchte, dass allen Kindern Haut- und Haarfarbe der Klassenkameraden einfach egal sind. Ich möchte als Autorin wahrgenommen werden und ich möchte, dass andere Autorinnen gesehen und gelesen werden, obwohl sie Frauen sind.
In einer diversen Gesellschaft hat Rassismus, Misogynie, Homophobie und all das, was Vorurteile und Hass schürt, keinen Platz. Menschen sind Menschen und Menschen sind verschieden. Es gibt immer Idioten. Doch Idioten definieren sich durch ihre Einstellung, nicht durch ihr Aussehen, ihr Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung.

(*) Anmerkung meinerseits: Ich verwende den Begriff „alte weiße Männer“ nicht gerne, denn er schert mir zu viele unterschiedliche Menschen – bzw. in dem Fall Männer – über einen Kamm. Aber er ist leider bereits eine aussagekräftige Redewendung geworden. In dem Sinne: Bitte entschuldigt, all ihr jung gebliebenen „alten weißen Männer“! Ihr seid damit nicht gemeint 😉

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Buchempfehlung: „Die Supermamas“ von Tina Skupin

Leider noch langsamer, als ich derueit lese, schreibe ich meine Rezensionen hinterher. Aber auch wenn es länger dauert, erinnere ich mich auch nach über einem Jahr noch an den Inhalt der „Supermamas“, ist das doch sehr positiv. Diese Bücher kann ich also getrost als  lesens- und empfehlenswert einstufen.

„Die Supermamas“ von Tina Skupin beginnt mit einem uneinsichtigen Chef, uneinsichtigen Studenten und sehr wenig Feingefühl für eine Hochschwangere. Arbeit geht eben vor. Der Meinung sind zumindest alle in Mairas Umgebung, die als Dozentin an der Humbolduniversität in Berlin arbeitet – so lange, bis ihr Kind frühzeitig das Licht der Welt erblicken möchte – und sie danach plötzlich fliegen kann.

Alles in allem ist das Buch eine gelungene Kombination aus Superhelden- und Mutterroman. Von letzteren habe ich nicht einmal eine Handvoll gelesen, denn als Mutter kenne ich diese ganzen Aspekte, die einem um die Ohren fliegen. Für gewöhnlich erspare ich es mir dann auch noch darüber zu lesen. In dieser phantastischen Kombination allerdings finde ich es einfach genial. Zumal schon ganz zu Anfang allein durch das leichte Augenzwinkern, mit dem alles geschrieben ist, sicher war: da wird kein Kind irgendwelchen Situationen ausgesetzt, die es nicht verkraften kann. Vor allem nicht völlig unnötig – denn das ist in der Fantasy leider öfter der Fall und hat schon dazu geführt, dass ich Romane nicht weitergelesen habe.

Doch „Die Supermamas“ ist einfach ein leichtes Buch für zwischendurch, ohne tiefgreifende emotionale Einschnitte*, das Spaß macht, weil es nerdig ist und mit Erklärungen aufwartet, die verdeutlichen, warum so manche Mutter so viel leisten kann.

Ich kann das Buch wirklich nur weiterempfehlen – auch, wenn ich sicherlich nicht die einzige Mutter bin, die sich während des Lesens fragt, wo ihre Superkräfte eigentlich geblieben sind.

Die Supermamas

„Die Supermamas“ von Tina Skupin
  • Autorin: Tina Skupin
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
  • ISBN-13: 978-1975697235

* Ich gebe zu, ich saß an einer Stelle heulend im Zug, doch die Autorin gab mir zuvor freundlicher Weise auch eine Triggerwarnung. So manches bleibt eben doch hängen, wenn man ein Frühchen bekommen hat.

Alltagsschreibintegration (Beitrag zur Blogparade #SchrebenüberdasSchreiben)

Autor_innenfrühstück: Kaffee, Obst und Netbook.

Schreiben über das Schreiben.
Wenn ich mir die Phrase durch den Kopf gehen lasse, dann muss ich sagen: Ja, habe ich schon vielfach gemacht. Unter anderem ja auch hier. Aber da der Blog ja nun lange brach lag, dachte ich, es ist doch zumindest ein guter Einstieg. Und ein passemdes Thema, nachdem ich mir Gedanken gemacht habe, wie mein Blogkonzept in Zukunft aussehen soll. Denn Autorenleben bedeutet Schreiben. Da kommt mir die Blogparade von Stephanie Müller also gerade recht.

Schreiben im Autorinnendasein

Mit meiner neuen Lebenssituation hat sich mein Schreiballtag eigentlich kaum geändert. Eigentlich hat sich mein ganzer Alltag kaum geändert – bis darauf, dass ich mehr Energie für meine Kinder habe und obendrein noch mehr Ruhezeit bekomme.

Mittlerweile habe ich in meinem Möchtegernautorenleben schon einiges an Konzepten ausprobiert, die zumindest immer eine Weile funktioniert haben. Ich habe versucht abends zu schreiben, bin morgens früher aufgestanden und habe vor der Hunderunde geschrieben oder auch danach nochmal – teilweise mit meinem Töchterchen auf dem Schoß. Ich habe meine Mittagspausen im Brotjob ausgenutzt oder meinen Kindern gesagt, sie sollen mich jetzt mal eine halbe Stunde alleine lassen.
Und bei all dem habe ich zwei essenzielle Dinge festgestellt:

  • Ich bin Lärche. Sobald ich aufstehe, bin ich wach. Meine Wahlzeit für konzentriertes Arbeiten ist also morgens.
  • Alle wichtigen Dinge müssen dafür erledigt sein, damit ich auch die innere Ruhe habe, mich von meinen Ideen mitnehmen zu lassen. Das umfasst im Alltag also die Morgenroutine. Der Hund muss spazieren gewesen und die Kinder müssen in der Schule angekommen sein.

Sind diese Voraussetzungen gegeben, kann ich mich gut auf das Schreiben – und alles, was damit zusammenhängt – konzentrieren. Und ja, es bedeutet, ich schreibe noch immer viel im Zug auf dem Weg zum Brotjob.

Aber das sind nur meine Idealbedingungen. Fällt bei den Kindern etwas an, wie Krankheit, Ausflüge oder gar Ferien, gestaltet sich das ganze schon wieder schwieriger. Da bin ich dann Rabenmutter und versuche zumindest ein wenig die Medienzeit der Kinder zu nutzen; wenn schon alle vor Bildschirmen sitzen, dann darf ich das immerhin auch.
Auch beim Brotjob können Dinge aufschlagen, die mir meine Schreibzeit nehmen – und sei es nur ein Termin außerhalb meines Büros.

Und was schreibe ich so?

Wer mir im Social Media schon begegnet ist und mich vielleicht ein bisschen „verfolgt“, wird sicherlich schon festgestellt haben: Ich bin Fantasyautorin. Selbst mein Hang zu Krimis drückt sich letztlich in einer Fantasyumgebung aus. Ich liebe dieses Gerne einfach, in (fast) all seinen Ausprägungen! Es bietet die Möglichkeit, Dinge auf andere Art darzustellen und sich über einen anderen Hintergrund mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen.
Wer nun genauer wissen möchte, wovon ich spreche, darf sich gerne in meiner Rubrik Gedankengut umschauen

Anders allerdings die Texte in meinem Brotjob, denn zumindest ein Teil davon hat tatsächlich ebenfalls mit Schreiben zu tun. In diesem Fall „Schreiben im Internet“. Sie müssen schnörkellos und verständlich sein, knapp und aussagekräftig. So gerne ich auch schreibe, manche davon sind ein notwendiges Übel, denn Geschichten schreiben macht viel mehr Spaß.

Fazit

Hat das Schreiben wirklich ein Fazit? Ich weiß es nicht. Ich schreibe gerne und das wird sich nie ändern. Ich liebe es so sehr, dass es in meinem Alltag seinen unumstößlichen Platz gefunden hat, zwischen Familie, Job und Haushalt. Und das ist die wichtigste Erkenntnis des ganzen Beitrags.

PS: Das mit dem Taggen verkneife ich mir nun 😉 Einfach weil ich diesen Beitrag nun wieder kurz vor knapp schreibe.

Noch zwei interessante Beiträge zur Blogparade

  • Den eigentlichen Prozess und wie man sich im Schreiben verlieren kan, hat hat Krumpelkram in seinem „Last Minute“-Beitrag sehr schön beschrieben.
  • Wie das ist, sich selbst beim Schreiben zuzuhören, erfahrt ihr in dem Beitrag Schreiben über das Schreiben bei Traumspruch.

Mein untoter* Blog – oder: Re-Organisation die xte …

Dem ein oder anderen mag es vielleicht aufgefallen sein: Während meiner letzten, lang andauernden Re-Organisation habe ich es nicht geschafft, meinen Blog wirklich zu pflegen. Es fehlten Ideen und vor allem Zeit und der Kopf mir über Autorenthemen tiefere Gedanken zu machen, die einen Blogbeitrag rechtfertigen würden.
Überlegungen, wie es hier weiter geht, habe ich erst vor einigen Wochen aufnehmen können. Und ich denke, ich habe einen groben Plan: mit Büchern, Lesen, Schreiben und alle tiefergehenden Themen rund um das Autor*innendasein wird es weitergehen. Allerdings wird es einige Dinge nicht mehr geben. Meine Gedankenfetzen und kleinen Charakterszenen (Geschreibsel) zum Beispiel. Natürlich werde ich auch noch von meinen Charaktere berichten, die sind mir ja immerhin sehr wichtig. Aber das, was hier bisher der Hirnstab war, fällt weg. Richtige Szenen wird es nur noch im Rahmen meines Archivs der verlorenen Szenen geben – nicht zu verwechselt mit der Kurzgeschichte „Das Archiv der gerettet Seelen“ in der Anthologie Entzünde den Funken 😉

In welchem Turnus ich es jedoch schaffen werde, hier zu schreiben, muss sich noch herausstellen. Mein derzetiger Plan geht von einmal im Monat aus. Auf den nächsten Beitrag solltet ihr euch also im Juli freuen können. Dazu kommen aber sicher noch Beiträge im Rahmen von Aktionen diverser Autor*innen, die sich so im Netz herumtreiben und die meinen Nerv treffen.

Für alle, die es noch nicht wissen: präsenter bin ich auf Twitter und Instagram. Twitter nutze ich privat, da werdet ihr also mit allem konfrontiert, was mein Hirn in 240 Zeichen an Gedankensprüngen zu bieten hat. Auf Instagram gibt es vornehmlich auch Buchcontent in diverser Form – und Blümchen!

Kaffeetasse
Kaffee!

* „untot“ im Sinne von wiederbelebt 😉

Veröffentlichung: „Das Archiv der geretteten Seelen“

Jetzt ist sie da, meine erste Veröffentlichung und sogar noch so schnell, dass ich die Vorankündigung versäumt habe …
Also kurz zurück auf Anfang.

Im Frühsommer dieses Jahres, als bei mir gerade noch alles drunter und drüber ging, kam Siiri Saunders auf mich zu. Sie hatte ein Projekt gestartet und suche noch Autoren, die eine Geschichte spendeten. Ja, spenden. Denn das Projekt, das ihr vorschwebte, sollte ein Hilfsprojekt werden, eine Benefiz-Anthologie. Alle Einnahmen sollten in ein ausgewähltes soziales Projekt fließen.
So war auch der thematische Kontext, in den die Geschichte passen sollte „Hilfsbereitschaft und/oder Selbsthilfe“.

Dunkel erinnerte ich mich an meine Bibliotheksgeschichte, die ich während meiner letzten, spärlichen Elternzeit geschrieben hatte und die noch keinen Abnehmer gefunden hatte. Nach nochmaligem Lesen stellte ich fest: Der Gedanke dahinter war passend.
Die Wochen darauf folgte ein paar Umarbeitungen, Korrekturen und tadaa – die Geschichte war drin.

Während ich mich nur mit meiner Geschichte beschäftigen musste, hat Siiri zusammen mit ihrem Partner Adrian R. Stiller für die Anthologie „Entzünde den Funken – Lesen für den guten Zweck“ viele Beiträge von vielen unterschiedlichen Autoren und Autorinnen erhalten, gelesen, korrigiert, lektoriert und am Ende in einem wirklich schönen Buch zusammengestellt. Lesenswert ist es auf jeden Fall, denn es gibt einige schöne Geschichten darin.
Und die Spenden? Ja, die gehen an ein Helferhundeprojekt 😉

Entzünde den Funken – Lesen für den guten Zweck

Cover_Entzuende-den-Funken


Herausgeber: Siiri Saunders, Adrian R. Stiller
Umfang: 380 Seiten, Paperback
ISBN: 9783740751159
Verlag: TWENTYSIX
Erscheinungsdatum: 23.11.2018

Von offensichtlichen Hintergedanken, verborgenen Gewalttaten und unsichtbaren Verletzungen (#Blogparade: Fantasy und Gewalt – #Nornennetz)

Heute vor genau einem Jahr habe ich das erste Kapitel meines Blogromans Heimsuchung veröffentlicht. Wer ihn gelesen hat, ahnt vielleicht, weswegen ich gerade die Blogparade „Fantasy und Gewalt“ des Nornenennetzes nutze, um noch einmal darauf einzugehen. Gewalt in Fantasy mag nicht ungewöhnlich sein. Doch im Grunde baut die ganze Geschichte auf einem Hintergrund auf, der durch Gewalt geprägt wurde.
Einen kleinen Einblick meiner eigenen Motivation dahinter möchte ich mit diesem Artikel geben.

 

Fantasy und Gewalt

Durch den oft herangezogenen Kampf zwischen Gut und Böse beinhalten Geschichten im Genre Fantasy meistens Gewalt. Wie oft liest man in Büchern von Schwerthieben, die (gerne realitätsferne) tiefe Wunden reißen? Es fließt Blut, es werden Schlachten geschlagen, Menschen ermordet. Oft sind die Welten des Genres rau und brutal. Doch Fantasy hat viele Facetten – genauso wie Gewalt.
Der oben benannte Aspekt bezieht sich für gewöhnlich auf körperliche Gewalt. Über Sinn und Zweck dieser kann man sich streiten. Manchmal ist sie ein Spannungspunkt, manchmal notwendig, um die Skrupellosigkeit einer Figur oder eines Regimes zu verdeutlichen, und manchmal ist sie einfach nur unnötig.
Es existieren aber noch andere Arten von Gewalt. Laut Wikipedia definiert die Weltgesundheitsorganisation „Gewalt“ folgendermaßen:

Gewalt ist der tatsächliche oder angedrohte absichtliche Gebrauch von physischer oder psychologischer Kraft oder Macht, die gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft gerichtet ist und die tatsächlich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt.

Eine der in der heutigen Zeit bekanntesten Formen psychischer Gewalt dürfte Mobbing sein. Es wird emotionaler Druck aufgebaut, der Menschen verletzt. Und auch solche Wunden hinterlassen ihre Spuren. Und diese Spuren wiederum prägen Menschen.

 

Laienpsychologie für Figurenentwicklung

Als jemand, die sich gerne mit Charakteren beschäftigt und gut ausgearbeitete Figuren liebt, können schon kleine Bemerkungen oder Verhaltensweisen zu einschneidend Überlegungen führen. Ich bin weit davon entfernt, Expertin für Psychologie zu sein oder allem, was damit zusammenhängt. Doch ich schaue mir Menschen an, höre ihre Aussagen und frage mich, was wohl in ihren Köpfen vorgehen muss um ihr Verhalten hervorzurufen; mit Logik und (hoffentlich) ohne Vorurteile. Auch wenn ich es nicht verstehe, ich versuche Motive nachzuvollziehen. Vor allem auf emotionaler Ebene. Und so entwickle ich auch meine Charaktere. Ich entdecke deren Hintergrund – und diese hängen oft mit Dingen zusammen, die mich selbst stark beschäftigen.
Als ich meinen Blogroman schrieb, stand der Hintergrund der Protagonistin schon lange fest. Sananka entstand im Chat-Rollenspiel, zeigte dabei neue Facetten und festigte gleichzeitig die Idee dahinter – und wurde eine meiner liebsten Figuren. Ihr Hintergrund basierte auf Ereignissen, die mir zur Zeit ihrer Erschaffung schwer zu schaffen machten. Es war die Zeit, als ich frischgebackene Mutter war – und eine Welle an Nachrichten über Kindesmisshandlungen und Leichenfunden von Kleinkindern durch die Presse gingen. Und auch musikalisch wurde dieses Thema in der Zeit häufig aufgegriffen. Sananka war mein Weg, mich damit zu auseinanderzusetzen.
Doch es war auch die Zeit, in der für mich selbst der Druck zuzunehmend anstieg. Mit Kind, Job und Haushalt hatte ich viel zu stemmen. Das Rollenspiel schlief ein, ich fand weder die Zeit noch die Lust. Sananka aber lebte weiter in meinen Schreibereien.

Mit meiner Entscheidung, mich mehr auf mein Autorendasein zu konzentrieren, juckte es mir in den Fingen, über Sananka zu schreiben. Sie ist noch immer eine meiner liebsten Figuren und erst jetzt fühlte ich mich soweit, mich nicht nur den Auswirkungen ihres Hintergrunds zu stellen.

 

Reflektionsmöglichkeiten in phantasievoll

Egal, ob es sich um Gesellschaftskritik, Geschlechterrollen oder politische Statements handelt, Fantasy bietet die Möglichkeit, sich in einem erfundenen Kontext mit all diesen Dingen auseinanderzusetzen. Wegen des erfundenen Kontext wird Fantasy in all ihren Ausprägungen oft als reine Unterhaltungsliteratur angesehen. Doch in so vielen Büchern steckt mehr, als nur die simple Realitätsflucht. Im Gegenteil: Man kann sich Aspekten der Realität stellen. Das gilt für das Lesen ebenso, wie für das Schreiben.
So widme ich mich Themen, die mich bewegen und aufwühlen. Dinge, die ich versuchen will nachzuvollziehen, die ich auswalze, um festzustellen, was eine Situation aus einem Menschen machen kann. Als Mutter hat mir allein der Gedanke von Gewalt an Kindern, psychisch wie physisch, emotional immer sehr zugesetzt. Um so wichtiger war es mir, Sanankas Hintergrund in eine Geschichte zu bringen. Denn ihre Kindheit beinhaltet beides.

Mit Sananka ging ich der Frage nach, wie sich solche Ereignisse auf ein Kind auswirken können. Doch nicht auf dem üblichen Weg. Allzu oft wird leichtfertig mit Schlägen und Vergewaltigungen als Hintergrund in Geschichten um sich geschmissen. Es ist ein einfacher Weg, eine dramatische Vorgeschichte zu erfinden. Nein, ich ging es anders an – und entwickelte daraus einen Charakter, der mit vielen psychischem Problemen zu kämpfen hat. Sie kämpft mit Ängsten, einem falschen Selbstbild und einer Gefühlswelt, die zu weiten Höhenflügen und tiefen Abstürzen führen kann, geprägt durch eine Kindheit in Unsicherheit, Verachtung und einer falschen weißen Weste.
Was mir das Genre Fantasy jedoch bietet, ist eine Möglichkeit, Sanankas Selbstschutz ebenso ungewöhnlich zu gestalten und all das in eine Geschichte zu verpacken, die dem Leser vielleicht auch noch Spaß und Spannung bietet. Denn dann werden Geschichten gelesen. Und dann bleiben Fetzen des eigentlichen Themas am besten Hängen und können neue Gedanken hervorbringen, die in der Realität verwurzelt sind.

Und wer nun neugierig ist und meinen Blogroman noch nicht gelesen hat, kann das gerne nachholen 😉

Buchempfehlung: „Opfermond“ von Elea Brandt

Steht auf einem Buch schon „Fantasy Thriller“ drauf, ist das ein Muss für mich, es zu lesen – und natürlich auch eine Leseempfehlung zu geben, denn „Opfermond“ von Elea Brandt hat mit wirklich gut gefallen.

Als in Ghor-el-Chras‘ Hurenviertel der Sohn eines reichen Alchemisten ermordet aufgefunden wird, erhält der Assassine Varek den Auftrag, den Mord aufzuklären. Eine ihm willkommene Abwechslung. Doch das bleibt nicht der einzige ungewöhnliche Todesfall im Hurenviertel. Als es einen der wenigen Freunde der Hure Idra trifft und sie auf viele Zusammenhänge stößt, will sie dieses Wissen zu ihrem Vorteil nutzen. Doch die Tragweise dessen ist weder Varek boch Idra zu Anfang klar.

In „Opfermond“ ist genau das drin, was auch draufsteht: Es ist ein schmutziger Fantasy Thriller im besten Stil. Die beiden Hauptdarsteller sind so verschieden wie Tag und Nacht und doch beide in ihrer eigenen Art sehr glaubwürdig. Beide sind zwiegespalten und in ihrem Verhalten doch wieder sympatisch, dass ich sie einfach mögen musste.
Auch sprachlich war das Buch alles andere als eine Enttäuschung. Keine hochtrabenden lyrischen Anwandlungen, sondern klare Beschreibungen und eine teilweise harsche Wortwahl.
Allein das Ende kritisiere ich; allerdings nicht, weil es unpassend, schlecht aufgelöst oder zu sehr voraussehbar gewesen wäre. Nein, einfach weil ich es mir anders gewünscht hätte. Dennoch fand ich es sehr gelungen.

Mein Fazit also: Es lässt sich gut lesen, hält einen auch trotz unregelmäßiger Lesezeit bei der Stange und ist noch dazu spannend und gut aufgebaut. Auf das nächste Buch von Elea Brandt, dass in Ghor-el-Chras spielen wird, jedenfalls freue ich mich!