Schwärmereien (Florin / Sananka / Alena)

Es war so aufregend! Das Portal war genau vor ihr und Alena aktivierte es. Mitten in der Luft erschein ein durchscheinender Wirbel, durch den sie die verwitterten Reliefs an der Wand dahinter nur noch verschwommen erkennen konnte. So hatte sich Florin das Portal nicht vorgestellt. Sie hatte erwartet, es würde funkeln; so blau wie das Glitzern der Sonne auf der Meeresoberfläche nach einem Sturm.
„Läuft da was nicht nach deinen Vorstellungen?“, stichelte die Blonde in Blau neben ihr. Wie hieß sie noch? Sankria? Nein. Aber das war auch egal. Alena, die Frau in Weiß war der Mittelpunkt der Wächterlegenden. Und sie ließ rosafarbene Magie aus ihren Fingern in den Wirbel strömen und ihn größer werden.
Binnen weniger Sekunden war das Portal groß genug, dass sie hindurchschreiten konnten. Alena beendete den Zauber und lächelte freundlich. „Sananka, du gehst voran. Dann Florin.“
„Und Ihr?“, fragte Florin sofort.
„Sie geht als letztes, was hast du denn gedacht?“, maulte Sananka und verdrehte die Augen. Doch Florin ignorierte den stichelnden Unterton und zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hat sie ja noch etwas Wichtiges zu erledigen.“
Sananka winkte ab und schritt durch das Portal. Ihre Gestalt verschwamm zuerst, wurde in den Wirbeln verzogen. Dann war sie ganz verschwunden.
„Jetzt seid Ihr an der Reihe.“
Florin sah zu Alena auf. Nirgendwo war erwähnt, dass Alena sogar die meisten Männer überragte. Aber es war wohl nicht wichtig genug, um es in die Legenden einfließen zu lassen. Erst, als Alena einen auffordernden Wink zu dem Portal tat, erinnerte sich Florin, dass sie hineingehen sollte. Sie streckte zuerst eine Hand hinein. Es prickelte wie ein Sprudel frischen Wassers auf ihrer Haut. Es war fast sogar angenehm. Trotzdem schlug ihr Herz heftig gegen ihren Brustkorb, als sie den ersten Schritt hinein wagte und ein kühler Strudel sie umfing, ohne sie zu durchnässen. Sie sah nicht, wohin sie ging, sie spürte nur etwas Weiches und doch Festes unter den Füßen. Die festgetretene Erde und die vergilbten Steine des ehemigen Tempels wichen wirbelndem Blau, Schwarz und Weiß, durchzogen von Lichtern und rosafarbenen Blitzen. Nach drei Schritten veränderte sich der Boden unter ihr und Florin trat auf festen Stein. Mit einem weiteren Schritt war sie auf der anderen Seite. Sie war so aufgeregt! Ihre Knie zitterten, das Blut rauschte ihr in den Ohren. Die Halle, in der Florin nun stand war riesig, sie konnte die Decke nicht sehen. Oder lag es daran, dass sie wie der Boden tiefschwarz war?
„Geh beiseite!“ Noch während Sananka das sagte, zog sie Florin schon fort. Kurz darauf kam auch Alena durch das Portal und wie von Zauberhand schloss es sich hinter ihr; verschwand, wie das Flirren einer Luftspiegelung innerhalb eines Liedschlages, als sei es nie dort gewesen. Alena lächelte wieder. „Willkommen im Zeitschiff.“
Doch zu mehr war nicht die Zeit, schon hörte sie eilige Schritte, die sich aus einem türlosen Durchgang näherten. Zwei Männer kamen herein. Der eine ein Elf, noch größer als Alena, mit ungewöhnlich heller Haut, weißen Haaren und roten Augen. Das musste Alenas Beschützer sein. Der Andere war wiederum kleiner als Alena und … sah verdammt gut aus! Seine hellblonden Haare waren unregelmäßig geschnitten und wucherten ihm um den Kopf. Sein Gesicht wirkte ernst und scharfkantig, nur in seinen blauen Augen lag eine unverkennbare Wärme.
„Ah, da seid ihr endlich!“, begrüßte er sie und blieb mit dem Blick einen Moment an ihr hängen. Florins Herz setzte einen Schlag aus. Dann war der Moment vorbei und er wandte sich an Alena. „Alena, der Rat erwartet dich. Allem Anschein nach haben Sie den Grund ausfindig gemacht, weswegen wir nicht die Zeit wechseln können.“
Alena nickte. „Gut, Kyle …“ Mehr hörte Florin nicht mehr. Kyle! Vor ihr stand der Held aller Zeiten! Das Schwert an seiner Seite musste jenes sein, mit dem er so unendlich viele Heldentaten vollbracht hatte, dass Florin alle Mühe hatte, sich an jede einzelne zu erinnern. Nun sah er sie wieder an, doch alles, was Florin herausbrachte war ein zaghaftes „Oh …“ Hatte sie sich Alena anders vorgestellt, so war Kyle genau das, was sie erwartet hatte: athletisch gebaut, muskulös und mit einem Blick zum dahinschmelzen!
Ein Stoß gegen den Oberarm von Sananka brachte sie in die Gegenwart zurück. „Hey! Hast du nicht gehört? Du sollst mit Alena zum Hohen Rat gehen!“
Florin rieb sich die getroffene Stelle und sah die Blonde beleidigt an. Das würde einen blauen Fleck geben. „Ja, schon gut, ich gehe ja schon! Sei nicht immer so grantig!“ Bereitwillig folgte sie Alena aus der Halle hinaus. Der Elf begleitete sie, doch Kyle blieb zurück. Einen letzten Blick warf sie auf ihn und Sananka, als sie um die Ecke bog. Der Held aller Zeiten! Ihr Herz klopfte heftig und dieses Mal war es nicht nur die Aufregung.

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