Wortklaubereien: killen vs. töten

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Wir haben zwei Kater. Manchmal bringt einer von ihnen des Nachts eine Maus mit in die Wohnung. Doch der jüngere Kater, ich nenne ihn im Folgenden einfach Fusselfluff, ist schlau: Er wirft sie in die Badewanne und spielt dort mit ihr. Es gibt kein Entkommen für das arme Tier.

Es war einer der Morgende, an denen ich Blutspuren und einen Teil der Eingeweide* in der Badewanne fand, an dem mir die Kontroverse der beiden Worte auffiel. Im Gespräch mit Sohnemann merkte ich irgendwann an, der Fusselfluff habe wieder einmal eine Maus gekillt.
Gekillt … In diesem Kontext hörte sich das Wort sehr seltsam an. Von „gekillt“ spricht man in Computerspielen, bei virtuellen Gegnern. Sohnemann bestätigte mir das und erzählte von YouTubern und Freunden, die das Wort so benutzten. In der Computerwelt spricht niemand von „töten“. Dort wird „gekillt“.
Also überlegte ich, weswegen ich eine quasi verniedlichende Form eines Wortes verwendete, dessen Aussage im Grunde doch etwas ist, das niemals jemand tun sollte. Verniedlichung ist das Schlagwort. Ich mag unseren Fusselfluff; so gerne sogar, dass ich über diese Mäuseobsession hinwegsehe. Er ist nun einmal eine Katze und Katzen jagen Nagetiere und Vögel. Katzen sind niedlich. Wer kann es einem also verdenken, dass man das, was sie tun, auch verniedlicht? Trotzdem ändert es nichts an der Tatsache, dass er eine Maus getötet und gefressen hat.

Aber warum schwingt in unserem Sprachgebrauch in dem Wort „gekillt“ etwas spielerisches und verniedlichendes mit? Das Ursprungswort, das englische „to kill“ ist keineswegs spielerisch oder niedlich. Es bezeichnet genau das, was es eigentlich bedeutet: töten. Und töten ist in meinen Augen niemals lustig. Auch, wenn es nur eine Maus ist. Aber es ist ein eingedeutschtes Wort. Im Deutschen hat es meiner Meinung nach wirklich nicht diese harte Bedeutung. Im deutschen wird es bei Spielen angewendet. Und ich finde es gut, dass Kinder nicht brüllen müssen „Ich habe dich getötet!“ sondern sich mit einem „Ich habe dich gekillt!“ behelfen können. Allein das scheint mir zu differenzieren, was wirklich gemeint ist.
Sohnemann und ich beschlossen, die Worte in Zukunft klarer zu verwenden:

  • Sohnemann killt Monster in seinen Spielen.
  • Aber der Fusselfluff tötet Mäuse.

 

* Für alle nicht-Katzenbesitzer: Ja, leider ist es wirklich bei Freigängerkatzen so. Leichenteile findet man des Öfteren, vor Allem auf den Terassen, Balkonen oder vor der Haustür.

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Ein Kommentar zu „Wortklaubereien: killen vs. töten

    […] Wortklaubereien: killen vs. töten Jule alias die Möchtegernautorin denkt laut über die Unterschiede zwischen den Worten „Killen“ und „töten“ nach und präsentiert dabei interessante Gedankengänge. […]

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