Buchempfehlung: „Opfermond“ von Elea Brandt

Steht auf einem Buch schon „Fantasy Thriller“ drauf, ist das ein Muss für mich, es zu lesen – und natürlich auch eine Leseempfehlung zu geben, denn „Opfermond“ von Elea Brandt hat mit wirklich gut gefallen.

Als in Ghor-el-Chras‘ Hurenviertel der Sohn eines reichen Alchemisten ermordet aufgefunden wird, erhält der Assassine Varek den Auftrag, den Mord aufzuklären. Eine ihm willkommene Abwechslung. Doch das bleibt nicht der einzige ungewöhnliche Todesfall im Hurenviertel. Als es einen der wenigen Freunde der Hure Idra trifft und sie auf viele Zusammenhänge stößt, will sie dieses Wissen zu ihrem Vorteil nutzen. Doch die Tragweise dessen ist weder Varek boch Idra zu Anfang klar.

In „Opfermond“ ist genau das drin, was auch draufsteht: Es ist ein schmutziger Fantasy Thriller im besten Stil. Die beiden Hauptdarsteller sind so verschieden wie Tag und Nacht und doch beide in ihrer eigenen Art sehr glaubwürdig. Beide sind zwiegespalten und in ihrem Verhalten doch wieder sympatisch, dass ich sie einfach mögen musste.
Auch sprachlich war das Buch alles andere als eine Enttäuschung. Keine hochtrabenden lyrischen Anwandlungen, sondern klare Beschreibungen und eine teilweise harsche Wortwahl.
Allein das Ende kritisiere ich; allerdings nicht, weil es unpassend, schlecht aufgelöst oder zu sehr voraussehbar gewesen wäre. Nein, einfach weil ich es mir anders gewünscht hätte. Dennoch fand ich es sehr gelungen.

Mein Fazit also: Es lässt sich gut lesen, hält einen auch trotz unregelmäßiger Lesezeit bei der Stange und ist noch dazu spannend und gut aufgebaut. Auf das nächste Buch von Elea Brandt, dass in Ghor-el-Chras spielen wird, jedenfalls freue ich mich!

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Über menschliche Ignoranz und tadelnswerte Unwissenheit

Ende April fand das PAN-Branchentreffen der Phantastik statt. Als Fantasy-Autorin bin ich daran natürlich durchaus interessiert und verfolgte zumindest den Hashtag #pan18 über Twitter.

Durch einen Programmpunkt regte sich plötzlich viel Unmut: Die Panneldiskussion „Rassismus – Sexismus – Homophobie – welche Verantwortung hat die Phantastik?“. Auf Twitter ging es plötzlich um Benachteiligung von weiblichen Autoren in der Phantastik, um Protagonistinnen und überhaupt die Darstellung des Weiblichen. All das könnt ihr bei Tor Online nachlesen, bei Lena Falkenhagen und natürlich auch bei Fried Phoenix, denn Guddy war als Bloggerin zur Gesprächsrunde geladen. Sicherlich gibt es mittlerweile noch diverse andere Beiträge dazu.

Während ich selbst wie gewöhnlich mit meinem Brotjob beschäftigt war, mich um meine Kinder gekümmert und einen für mich sehr wichtigen Schritt in Richtung Freiheit getan habe, kochte damit ein Thema hoch, das im Grunde mit Ignoranz zu tun hat. Etwas, dass mich zu diesem Zeitpunkt emotional ebenfalls sehr reizte, denn auch mein Schritt gen Freiheit hatte mit Geschlechterrollen und Ignoranz zu tun.

Und warum spreche ich von Ignoranz?
Der Duden sagt, Ignoranz sei „tadelnswerte Unwissenheit, Kenntnislosigkeit in Bezug auf jemanden, etwas“.

Es geht also darum, etwas zu ignorieren, sich nicht bewusst zu machen – oder machen zu wollen – dass wirklich ein Problem existiert. Es hat mich fehlenden Einfühlungsvermögen zu tun, mit Bequemlichkeit und dem fehlenden Blick über den berühmten Tellerrand.

Jeder Mensch ist anders. Das sollte man sich immer vor Augen halten. Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung, fühlt sich durch andere Dinge angegriffen und jeden Menschen kann man auf andere Art verletzen.
Ignoranz ist eine Art jemanden zu verletzen. Dabei mag das nicht mal böswillig sein, denn sie basiert auf Unwissenheit. Vielleicht spielt auch Gedankenlosigkeit eine Rolle, die jemanden ignorant werden lässt. Vielleicht entsteht Ignoranz auch dadurch, dass sich derjenigen selbst angegriffen fühlen, aus ihrer Position heraus. Manchmal mag der Vorwurf der Ignoranz sogar ungerechtfertigt sein.
Doch im Umgang mit Menschen gibt es einige Dinge, die zählen. Dazu gehört auch, dem Gegenüber zuzuhören, zu verstehen und sein eigenes Handeln daraufhin zu überdenken. Reflektieren hilft, die eigene Ignoranz zu überwinden. Sich die Fragen stellen: Warum denke ich so? Warum halte ich das nicht für so schlimm? Werde ich, so wie ich bin, mit meinem Geschlecht, meinem Beruf, meinem Äußeren, meinem Auftreten, vielleicht anders wahrgenommen, als mein Gegenüber?
Stellt euch genau diese Fragen.

Warum schreibe ich das? Sollte das nicht eigentlich selbstverständlich sein? Ja, sollte es. Aber das ist es nicht. Es ist unbestreitbar: es sollte essenzieller Teil einer Gesellschaft sein. Aber es beginnt bereits im Kleinen, in der Familie, wenn die Wünsche, die Sorgen und auch die Bitten eines Partners ignoriert werden, wenn Tochter und Sohn aufgrund der „Norm“ eines Geschlechts unterschiedlich behandelt werden und sie dadurch bereits durch die Eltern, Erzieher, Lehrer, Freunde einen Stempel aufgedrückt bekommen. Ignoranz zieht sich durch alle Bereiche bis hin zu Weltpolitik.
Gebt den Menschen logische Argumente, sachliche Argumente. Wer keine Ignoranz pflegt, wird sie überdenken und mit gesundem Menschenverstand und ein wenig Einfühlungsvermögen zu den richtigen Schlüssen kommen und hoffentlich darüber dikutieren. Und erst dann, wenn gar nicht mehr darüber Diskutiert werden muss, nicht mehr Hervorgehoben werden muss, dass die Protagonistin eines Romans vielleicht dunkelhäutig, der Protagonist homosexuell ist oder auch ob das Werk von einem Autor oder einer Autorin geschrieben wurde, erst dann sind wir am Ziel. Denn an solchen Diskussionen spiegelt sich die Gesellschaft dahinter wider.

 

 

Ein Ja zum Autorenarbeitsplatz!

 

Immer und immer liest man, wie wichtig ein eigener Arbeitsplatz für das Schreiben sei. Bisher kam ich ganz gute ohne aus – zumindest, als die Kinder noch klein waren, als es noch andere Rückzugsmöglichkeiten gab.
Doch irgendwann änderte sich das.

Meinen letzten eigenen Schreibtisch hatte ich zu meinen Studienzeiten. Das ist mittlerweile fast fünfzahen Jahre her. Doch mein Schreibtisch blieb bei dem ersten Umzug nach Ende meines Studiums auf der Strecke – und danach war nie wieder wirklich Platz für einen. Stattdessen besetzte ich mit meinem Laptop diverse andere Tische, breitete mich etwas aus und stellte irgendwann doch fest: Es ist lästig keinen eigenen Platz zu haben. Und hinderlich noch dazu. Es fehlte wirklich eine adequate Rückzugsmöglichkeit, die einem auch ein Arbeiten ermöglichte. Und auch das Gefühl vermittelt, dort wirklich wichtige Dinge erledigen zu können.
Mein letzter Versuch waren Klapptisch und Klappstuhl. Doch beide zusammen ist nicht besonders bequem und entsprechend lümmelte ich mich zum Schreiben doch Lieder auf meinen schönen Sessel im Wohnzimmer – sehr zur Freude der Kinder, denn wenn Mama präsent ist, kann man ja schließlich auch mit ihr reden.
Letztlich litt darunter nicht nur meine eigene Ruhezeit sondern natürlich auch die Konzentration für meine Schreibzeit zuhause. In den letzten Monaten beschränkte sie sich sogar fast nur auf Schreiben im Zug.

Eigentlich aus beruflich-organisatorischen Gründen habe ich mir nun einen Schreibtscih angeschafft. Auch er steht im Wohnzimmer, wie auch mein Sessel. Trotzdem ist es ein ganz anderes Gefühl, an einem Schreibtsch zu sitzen und seine Sachen erledigen zu können. Ein bequemer Stuhl, eine schöne Arbeitsarmosphäre und alles in Reichweite, was man so brauchen könnte.
Es ist eine Art Lebensqualität, die ich völlig vergessen hatte. Und ja: Es hilft auch beim Schreiben. Sitze ich an meinem Schreibtisch, wissen die Kinder: Mama arbeitet.

Buchempfehlung: Nora Bendzko – „Wolfssucht“

Nach meinem Durchhänger habe ich noch einiges an Bogpost nachzuholen, die ich die ganze Zeit im Hinterkopf hatte. Einer davon ist meine Empfehlung von Nora Bendzkos Galgenmärchen „Wolfsucht“. Eine Empfehlung an Freunde von realistischen Darstellungen sehr düsterer Märchen, bei denen wirklich kein Blatt vor den Mund genommen wird.

Es ist das Märchen von Rotkäppchen, mittem im Dreißigjährigen Krieg. Das bisher verschonte Heimatdorf Irinas wird überfallen. Sie flieht mit ihrer Schwester und ihren Eltern in den Wald, zum Dorf der Großmutter. Doch noch während der Flucht tritt das erste Mal der Wolfsmensch in Erscheinung, der das versteckte Dorf seit Jahren in Angst und Schrecken versetzt, und töten Irinas Schwester.
Von da an ist es die Geschichte eines traumatisierten Mädchens.

Ich finde es sehr faszinierend, was man aus den verharmlosten Märchen herausholen kann, wenn man diese realistisch angeht. Märchen sind zwar alte Geschichten, doch in der Neuzeit werden sie oft verklärt – den Brüdern Grimm und Disney sei Dank.
Nora Benszko schafft es jedenfalls, die andere Seite an Märchen sehr mitreißend zu zeigen. Und an manchen Stellen musste ich wirklich schlucken. Dennoch hat mir das Buch gefallen. Es lässt einen sehr nachdenklich zurück. Und das ist gut. Ich mag es, wenn Bücher einen zum Nachdenken anregen und aufrütteln.
Es steht also fest: Ich werde auch weitere Galgenmärchen lesen.

 

Wolfssucht

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Autor: Nora Bendzko

Verlag: epubli

ISBN: 978-3741895784

Buchempfehlung: „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch

Buch: Feuerstimmen von Christoph Hardebusch

Auf diesen Roman war ich sehr gespannt. Obwohl ich eine kleine Büchernärrin bin, stieß ich doch zuerst auf das Album „Voices of Fire“ von Van Canto, einer meiner Lieblingsbands. Und ja, ich war ziemlich überrascht, als ich erfuhr, dass das Album in Zusammenarbeit mit Christoph Hardebusch und den Roman „Feuerstimmen“ entstanden war.
Wenn ich eines liebe, dann die Kombination aus Musik und Büchern. Und da fand sich sogar noch Fantasy mit Metal zusammen, was will man mehr? Also Grund genug, den Roman zu lesen.

Die Welt gerät aus den Fugen, die Harmonie ist zerstört. Während die Barden Aidan und Revus es an der Küste mit einer ganz neuen Bedrohung, den Seeteufeln, zu tun bekommen und ein ganzes Dorf vor diesen schützen müssen, fallen die Königreiche der gesegneten Inseln in völliges Chaos. Die junge Königin Elena flieht zusammen mit ihrer Leibwächterin um auf dem Festland Hilfe und Rat zu suchen und stößt dabei auf die verbliebenen Dorfbewohner – und die Barden. Zusammen bringen sie die Menschen in Sicherheit und stehen vor der Frage, wie sie das Unheil abwenden können, dass die Welt zu überfallen droht.

Besonders überzeugt hat mich Aidan als Charakter – ja, ok, ein kaputter und zynischer Typ. Das sind ja sowieso meine Lieblinge. Auch seine Wandlung im Laufe des Romans hat mir gefallen und auch seine Sicht auf Elena. Diese kam nämlich als Perspektivträgernin leider etwas blass daher. Sicher hatte ich klischee-mäßig bereits von Anfang an eine eher unterkühlte Königin vor Augen, allerdings kommt sie in ihrer eigenen Perspektive zuweilen hitzig rüber. Erst die Gegensicht Aidans auf Elena bestätigt das Klischeebild, dass sich erst zum Ende hin auflöste.
Die Story an sich war – in Anbetracht dessen, dass ich die Musik vorher bereits kannte – wenig überraschend. Auch, wenn die Erklärung für all die Geschehnisse erst sehr spät im Roman eröffnet wurde, ich war ja ohnehin im Bilde 😉

Schriftstellerisch muss ich sagen: mir gefällt der Stil von Christoph Hardebusch. Er schreib klar und wenig missverständlich und wartet sogar hin und wieder mit meinen geliebten Metaphern auf. Charakterbedingt natürlich mehr in Aidans Perspektive, als in Elenas. Dennoch liebe ich solche Untermalungen nun einmal. Und auch das Geplänkel der Charaktere fand ich immer sehr amüsant.
Ja, so muss das sein.

Mein Fazit: Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert. Vorallem auch mit musikalischer Unterstützung. Zugegebenen, die Musik von Van Canto hat etwas gespoilert, dennoch kann ich behaupten durch die Musik das Buch etwas besser verstanden zu haben – und durch die Musik auch das Buch. Für mich war das durchaus eine gelungene Kombination!

Buch: Feuerstimmen von Christoph Hardebusch
Buch: Feuerstimmen von Christoph Hardebusch

Autor: Christoph Hardebusch
Verlag: Piper Taschenbuch
ISBN: 978-3492281201

Das Nornennetz

Im Social Media führt oft eines zum anderen. So führte die Autorinnenzeit unter anderem zu den Nornen.

Die Erkenntnis, dass Autorinnen im Fantasy-Genre nicht nur unterrepräsentiert sind, sondern auch mit falschen Erwartungen betrachtet werden, brachte einige Fantasy-Autorinnen zusammen. Spontan gründeten sie ein Netzwerk: Die Nornen. Das Nornennetz hat klar zum Ziel, Autorinnen des phantastischen Genres im deutschsprachigen Raum zu fördern. Dazu zählen auch alle anderen Subgenre wie Steampunk, Sience Fiction, Horror und so weiter.

Auch wenn das Netzwerk noch ziemlich jung ist – oder gerade deswegen? – ist es unheimlich dynamisch. Im Netzwerk wird geplaudert, sich über alle möglichen buchrelevanten Themen ausgetauscht und werden bereits die ersten Projekte geplant. Jeder kann seinen kleinen Beitrag dazu leisten und die Autorinnen im Netzwerk unterstützen; mit all dem, was die Nornen zu bieten haben.

Noch wird das Nornennetz gewebt, doch schon jetzt haben sich viele Ideen verfangen, die umgesetzt werden wollen. In jedem Fall tut sich etwas bei den Nornen. Und ich bin stolz, bereits dabei zu sein!

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Und wer nun neugierig geworden ist, kann sich auf der Nornen-Website informieren – und vielleicht sogar gleich als Novizin bewerben 😉

 

Buchempfehlung: „The Stepsister Scheme“ von Jim C. Hines

Sicher kennt ihr das: Habt ihr einen Autor gefunden, dessen Stil ihr toll findet, wollt ihr mehr von ihm lesen. Bei Jim C. Hines ist das bei mir der Fall 🙂 Und ich gebe zu, ich war sehr gespannt auf seine Märchenadaption, denn bei der Princesses-Reihe handelt es sich um eine solche. Den Auftakt zu der Reihe macht „The Stepsister Scheme“ (Drei Engel für Armand).
Protagonistin des Ganzen ist Danielle – auch bekannt als Cinderella. Nach ihrer Hochzeit mit dem Prinzen, wird dieser von ihren Stiefschwestern entführt und, nun ja, was bleibt ihr anderes übrig, als ihren Mann zu retten? Zusammen mit Talia und Snow, oder auch Dornröschen und Schneewittchen, bricht sie auf und folgt den Spuren nach Fairytown. Doch die Feen sind in dieser Welt hinterhältig und haben ihre eigenen Pläne.

Besonders gut gefallen haben mir genau diese drei Hauptfiguren, allen voran Talia und Snow. Denn die Hintergründe, und somit auch der Plot des Buches, basieren nicht etwa auf den abgeschwächten Märchenversionen, die heutzutage in Kinderbüchern zu finden sind. Während Talia eine phantastische Kämpferin ist, ist Snow eine hervorragende Zauberin. Allein Danielle, die eigentliche Hauptperson, kommt am Anfang etwas blass daher, doch die Entwicklung zum Ende hin ist deutlich erkennbar.
Am besten gefiel mir aber die Dynamik zwischen den drei Frauen 😉 Diskussionen und Neckererein, die auf kleine Charakterfehler hinweisen, liebe ich einfach; damit wird die Geschichte zum einen humorvoll und zum anderen echt. Und ja, genau daran möchte ich mir als Autorin ein Beispiel nehmen.

Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen. Wer gute Charaktere und Frauenpower mag, wird daran seine Freude haben. Und auch Märchenfans, die nicht auf das „happy ever after“ bestehen, gilt meine Empfehlung, denn die Story kommt durchaus düster daher.

The Stepsister Scheme / Drei Engel für Armand

Autor: Jim. C. Hines
Verlag: DAW BOOKS / Bastei Lübbe
ISBN: 978-0756405328 / 978-3404206070