Terry Pratchett

Blutgeld und Revolution – Gedanken um Fantasy und Konsum

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Über meinem Autorenforum hat Meara Finnegan die Blogreihe „Phantastische Realität“ ins Leben gerufen. Als ich von der Idee las, beschloss ich mich anzuschließen. Immerhin ist es genau diese Kritik, dieses Auseinandersetzen mit realen Dingen in Fantasy-Romanen, die mich reizt.

Mein eigener Beitrag rangt sich um einen der vielen Punkte, die in der Realität schief laufen: Unser Konsumdenken und Fantasy. Konsum und Fantasy sind für mich im Grunde zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Konsum bedeutet, immer mehr, immer schneller, immer neues und alles ohne Wertschätzung, für das Ding oder die Menschen, die dafür gearbeitet haben.

Fantasy hingegen ist der Zufluchtsort, in dem es genau darum nicht geht, in dem oft kleine Dinge ihren Wert haben, etwas bedeuten, und wo man eine Geschichte fernab des heutigen Konsumdenkens erleben kann.

Doch mittlerweile gibt so viele Unterarten der Fantasy, dass es dieses einfache Prinzip nicht mehr überall greift. Urban-Fantasy zum Beispiel spielt in der Gegenwart auf der Erde und für gewöhnlich in einem der Industrieländer. Steampunk beruht auf den Anfängen der Industrialisierung und Dystrophien spielen mit dem Gedanken, was aus unserer Konsumgesellschaft einmal werden kann. Das Genre Fantasy hat sich weiterentwickelt und hat wirklich viele Facetten.

Von kritische Gedanken

Am meisten Spaß machen mir die Romane, bei deren Lektüre ich unweigerlich beginne nachzudenken und Punkte zu finden, die kritisch beäugt werden. Auch unser Konsumverhalten spielt des Öfteren eine Rolle. Ein paar Beispiele gefällig?

Terry Pratchett: Trucker

Sehr kritisch in seinen Werken ist einer meiner Lieblingsautoren: Terry Pratchett. Das erste thematisch passende Buch, das mir in den Sinn kommt ist Trucker, der erste Roman der Nomen-Trilogie. Auch hier ist eines der Themen der ewige Konsum.
Die Nomen – oder auch Gnome – leben in einem Kaufhaus im Überfluss, denn von all dem, was die, in Nomenaugen wenig intelligenten, Menschen dort anbieten, kaufen und zurücklassen können sie wunderbar leben. Sie haben alles, bekommen alles und streiten natürlich auch um Dinge. Denn, auch wer im Grunde alles hat, findet noch etwas, das er trotzdem besitzen will. Und in diesem bequemen Leben meiden sie die Vorstellung, es könnte einmal anders gewesen sein oder sogar mehr geben, als das Kaufhaus. Sie glauben einfach nicht daran und leben, wie sie seit Generationen gelebt haben.

Michael Ende: Momo

Auch für die moderne zeitfressende Gesellschaft gibt es einen Roman, dessen Aussage ich nach wie vor sehr beeindruckend finde: Momo von Michael Ende.
Die Antagonisten der Geschichte sind die grauen Herren, die den Menschen die Zeit stehlen – und das durch Konsum. Nach und nach nehmen sie der kleinen Momo ihre Freunde. Weil deren Eltern keine Zeit mehr für sie haben, schicken sie ihre Kinder in Betreuungseinrichtungen. Auf der Straße herumlungern und dort spielen sollen sie nicht mehr. Und niemand außer Momo begreift den Wert von Zeit, von Ruhe und von Freude an kleinen Dingen. Prägend für den Gedanken dahinter ist meiner Meinung der Satz einer Puppe, die Momo von den grauen Herren als Ersatz für ihre Freunde geschenkt bekommt: „Ich will noch mehr Sachen haben!“, fordert diese immer wieder. Denn wenn Momo langweilig mit der Puppe wird, braucht sie nur neue Sachen für sie; kaufen macht schließlich glücklich.

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem

Ein etwas moderneres Beispiel ist die Reihe Die Tribute von Panem von Suzanne Collins. Für die „Hungerspiele“ werden jedes Jahr Kinder aus allen zwölf Distrikten Panems in eine Arena geschickt, um bis zum Tod gegeneinander zu kämpfen. Es gewinnt der letzte Überlebende. Die Hungerspiele wurden nach einer fehlgeschlagenen Revolution eingeführt, in dem sich der dreizehnten Distrikt gegen die Ausbeutung und Ungerechtigkeit auflehnte. Und sie werden als großes Event vermarktet. Die Menschen Panems schauen live zu, können ihre Favoriten mit Geld unterstützen oder anderweitig wetten. Dass dieses Spiel grausam ist, ist vielen Zuschauern durch die Aufmachung als Show nicht mehr bewusst. Sie lieben die Spannung und haben ihren Spaß an den blutigen Spielen.

Von Wirklichkeit und Fiktion

Diese Bücher haben wie so viele Fantasyromane etwas gemeinsam: am Ende geht alles gut aus. Die Nomen müssen das Kaufhaus verlassen und finden ein neues Zuhause. Momo besiegt die grauen Herren und gibt den Menschen ihre Zeit zurück. Und Katniss leitet eine Revolution ein, die das System stürzt und die Hungerspiele beendet.
Im Fantasy geht es oft um den Umbruch ganzer Welten. Sie zeigen, wie etwas, dass einfach nicht richtig ist, geändert werden kann. Der Konsum ist in allen Beispielen nicht das Hauptthema, aber ein Gedanke am Rande. Ein Gedanke, den ich für sehr wichtig halte und der sich auch ich meinen eigenen Geschichten widerspiegelt. Ich bin Anhängerin kleiner Heldentaten. Es muss nicht gleich die Rettung der Welt sein. Aber meine Ideen hängen oft mit dem zusammen, was mich in dieser Welt stört. Der ewige Konsum ist eines dieser Dinge.

Stellt euch ein Szenario in einem Buch vor, in dem die Helden einem Eingeborenenstamm helfen müssen, dem die strahlende große Stadt, die am Horizont so verheißungsvoll glänzt, das Wasser stielt. In einem Roman würden die Helden eine Lösung finden und den Eingeborenenstamm retten. Es ist das, was man lesen möchte; was ich lesen möchte.
Dem Leser geht es um Spannung, Lesevergnügen und nicht zuletzt um Gerechtigkeit. Welcher Leser würde es mit sich machen lassen, wenn die Helden der Geschichte nicht gegen die glänzende Stadt ankämen? Oder noch schlimmer: Selbst von ihr verschluckt würden und das, was sie wissen einfach ignorieren? Das wäre ein sehr kritisches Ende, jedoch eines, dass die Sprache der Realität spricht.

In der Realität stehlen große Konzerne Menschen ihr Wasser und füllen es in Flaschen, um es gewinnbringend bei uns in Europa zu verkaufen. Aber wer hilft diesen Menschen? Wer sind die Helden, die in der Realität etwas bewirken können? Hier gibt es keine Katniss, die in die Rolle der Befreierein gedrängt wird, keine Momo, die uns wachrüttelt und niemanden von „Draußen“, der die Dinge sieht, wie sie sind und nicht, wie wir sie gerne hätten. Hier gibt es nur uns, die wir es uns in all dem Konsum bequem machen und die Augen weiterhin verschließen. Wir wissen so viel über die Ungerechtigkeit dieser Welt und ignorieren sie trotzdem. Es muss uns nur ein hübsches glitzerndes Etwas angeboten werden, das uns blendet, und wir vergessen alles. Wir vergessen die in Armut lebenden Bauern der Entwicklungsländer, die für einen Hungerlohn unser Bedürfnis nach Waren stillen und die Menschen, deren Kinder bei der Ernste unseres Kaffees oder Kakaos helfe müssen, anstatt zur Schule zu gehen oder wenigstens ihre Kindheit genießen zu können. Wir vergessen die skandalösen Berichte über eingestürzte Fabriken in Bangladesh, über die Ausbeutung von so vielen Näherinnen durch namenhafte Modelables und dass in Afrika ganze Kriege um die raren Ressourcen der Erde entfacht werden, nur um uns letztlich mit einem neuen Handy glücklich zu machen.
All das vergessen wir, wenn der Konsum lockt. All das ist nicht mehr wichtig, wenn die wunderbar billige Jeans nur verheißungsvoll glitzert.

Aber wenn das Gedankengut der Realität Einzug in die Fantasy hält, was hält die Gedanken der Fantasy davon ab, in die Realität vorzudringen? Niemand wir in dieser Welt als Held die „bösen“ Konzerne stürzen, niemand wird ernsthaft einen Umsturz all dieser verzahnten Systeme auf dieser Erde herbeiführen können. Trotzdem kann jeder in seinen Möglichkeiten ein klein wenig mehr Gerechtigkeit in diese Welt bringen. Jeder kann sich entscheiden, dem Glitzer nicht nachzugeben. Wie bereits gesagt: Ich bin Anhängerin der kleinen Heldentaten.

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„Let’s Read“

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Es zieht sich weiter hin. Doch statt dass nur einer krank ist, sind wir es nun alle; eine ganze Familie von Erkälteten oder Grippeopfern – was davon oder ob es beides ist, ist noch nicht geklärt.
Also gebe ich hier nur kurz eine Erkenntnis aus den letzten Tagen wieder, die mich beim Stöbern auf Youtube einfach sehr fasziniert und positiv überrascht hat. »Let’s Play«-Videos kennt wahrscheinlich mittlerweile so gut wie jeder. Aber es gibt auch »Let’s Read«. Auf deutsch ist der Fundus zwar noch nicht so groß und englisch kann ich in meinem jetzigen Zustand leider nur bedingt, aber: Es ist schön, dass es so etwas gibt!

Als Beipiel einfach mal der Link zu einer Kurzgeschichte von Terry Pratchett, einem meiner Lieblingsautoren 🙂 Die Trollbrücke

Gedanken zu Terry Pratchett

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Letzte Woche ging die Nachricht von Terry Pratchetts Tod durch die Medien. Als ich es las, saß ich gerade mit meinen Smartphone im Wohnzimmer und gönnte mir eine Auszeit. Sohnemann war auch dabei und fragte gleich nach, warum er gestorben wäre und was er geschrieben hätte. Sohnemann kennt noch keines seiner Bücher, doch mich machte die Nachricht betroffen. Die Scheibenwelt-Romane haben mich seit meiner Schulzeit begleitet. Es sind welche der wenigen Bücher, die ich nicht nur ihres emotionalen Wertes wegen nicht mehr hergeben möchte. Es sind die wenigen Bücher, die ich mich nicht scheue immer wieder zu lesen, denn anders als bei meinen sonstigen emotionalen Lieblingsbüchern weiß ich genau, ich werde nicht enttäuscht sein; nicht vom Stil, nicht von der Geschichte und nicht von der Botschaft. Terry Pratchett ist einer der wenigen Autor, die ich seit mehr als 15 Jahren immer wieder gerne lese. Er war der Autor nach dessen Büchern ich in der Buchhandlung immer geschaut habe, um etwas zu entdecken, dass ich noch nicht kenne – und ich kenne noch lange nicht alle seine Bücher. Sein Humor war unübertroffen. Kein anderer Autor hat es so gut verstanden, mich während des Lesens zum Grinsen und Lachen zu bringen.

Mit ihm ging ein vorbildlicher Autor, der es wie kein anderer verstanden hat, Kritik in Humor zu verpacken.

Ich werde es vermissen, neue Bücher von ihm in der Buchhandlung finden. Doch eines steht fest: das nächste Vorlesebuch für Sohnemann wird eines seiner Jugendbücher sein! 🙂

Buchgedanken: „Das jüngste Gericht“ von Terry Pratchett

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„Das jüngste Gericht“ von Terry Pratchett, das lese ich gerade. Nach meinem vorherigen Fehlgriff an Buch (und eines der wenigen, die ich wirklich mittendrin abgebrochen habe) stand ich in der Buchhandlung vor dem Fantasy-Regal und sah … Terry Pratchett! Ein Blick auf den Klappentext: Zauberer der Unsichtbaren Universität, sogar eine Bibliothekarin – passt! Zumindest so lange, bis ich feststellte, dass es keiner der üblichen Scheibenwelt-Romane ist. Um ehrlich zu sein, ist der Anteil der Geschichte auf der Scheibenwelt sogar verschwindend gering. Anders, als erwartet ist das ganze Buch (wie wohl alle der Reihe „Die Wissenschaft der Scheibenwelt“) eine lange und ausschweifende Erörterung von Sinn und Unsinn diverser weltbewegender Fragen; unserer Frage, nicht etwas die der Scheibenwelt.
Das Buch hat nämlich noch zwei Co-Autoren, die sich mit den Wissenschaften beschäftigen. Das kam unerwartet, wenn auch nicht überraschend. Immerhin stecken in den Romanen von Terry Pratchett gut verpackt immer einige Kritikpunkte an diversen Themen unserer Welt. Ich lese also gerade ein Buch, das mehr eine wissenschaftliche Abhandlung, als ein Roman ist.

Eine schöne Idee. Ich bin immer sehr dafür, für jeden Menschen die geeignete Methode zu finden, ihm etwas Wissen zu vermitteln. Leider ist das für mich nicht die richtige Methode. Ich verstehe vieles. Naturwissenschaften fand ich schon immer sehr interessant (von physikalischen Fragen einmal abgesehen, denn Physik ist und bleibt mir einfach unverständlich), aber ich weiß jetzt schon, ich werde mir kaum etwas von dem Merken, was in dem Buch steht. Hängen bleiben werden bestenfalls einige der Anekdoten, die zur Veranschaulichung verwendet werden. Mein Gedächtnis funktioniert, so lange es um Geschichten geht. Manchmal weiß ich noch Jahre später, was ich in einem Buch gelesen habe; sofern es sich um eine Geschichte handelt. Noch besser merke ich mir Dinge, die ich selbst schon getan habe. Aber wissenschaftliche Fakten und Zusammenhänge? In meinem Leben habe ich die Naturwissenschaften schon zweimal fast komplett durchgenommen, trotzdem erinnere ich mich an kaum etwas. Es kommt nur ein „Stimmt“, wenn ich es erneut lese. Der Zufall wollte es, dass einer meiner Kopfschmerztage mit einem Thementag „Universum“ im Fernsehen und einer mehrteiligen BBC-Dokumentation einherging, ich bin also sogar noch besser gewappnet, als für gewöhnlich. Aber auch dann erinnere ich mich nur, das schon einmal gehört zu haben. Wiedergeben könnte ich es nicht.

Es ist sehr schade, dass ich mit solchen Büchern nicht viel anfangen kann. Klar, es ist faszinierend, aber wenn ich lese, dann möchte ich unterhalten werden. Hat die Geschichte dann noch eine gewisse Tiefgründigkeit, umso besser! Aber reines Wissen? Menschen, die sich zum Zeitvertreib Sachbücher genehmigen, habe ich noch nie verstanden.

Aber: ich halte tapfer durch! Ich werde das Buch bis zum Ende lesen, immerhin ist es trotz allem Terry Pratchett 🙂 Und ich weiß, wem ich dieses Buch demnächst schenken werde. Physiker habe ich schließlich genug in der Familie.


Bild: Amazon.com

Autoren: Terry Pratchett, Jack Cohen, Ian Stewart
Verlag: Piper Taschenbuch
ISBN-10: 349226946X
ISBN-13: 978-3492269469
Originaltitel: Science of Discworld. Judgement Day

Carpe Jugulum!

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Pratchett liegt voll im Trend! Carpe Jugulum (deutsch Ruhig Blut) hat nämlich alles, was das Vampir-Freunde-Herz begehrt. Da ist ein unbedarftes Mädchen, das viel weniger von sich hält, als sie wert ist und natürlich der Junge, einer der Vampire, der viel mehr in ihr sieht, als alle anderen – nur nicht Perdita.
In dem Roman nimmt Terry Pratchett sämtliche Klischees von den guten, alten, gruseligen und nicht ganz so handzahmen (oder sogar bösen) Vampiren und, nun ja, macht Scheibenwelt-Vampire daraus. Dabei kommen zum Beispiel Überlegungen auf, warum ein Pflock durch das Herz eigentlich einen Vampir entlarven soll; Tod sind danach auch stinknormale Menschen. Oder warum Vampire nicht modern denken sollten.
Unvergleichlich waren die Vampire, die aus ihnen unverständlichen Gründen statt nach Blut nach Tee lechzten. Oma Wetterwachs ist ebenso unvergleichlich. Und wer diese Frau noch nicht kennt, sollte sich schleunigst eines der Hexenbücher besorgen und sie kennen lernen 😉

Auch zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung ist das Buch noch wunderbar witzig und passt in den Vampir-Wahn hinein. Wer also Lust auf einen humorvollen Vampir-Roman hat, sollte sich das Buch zu gemühte führen. Mir war es nach dessen Erscheinung 1999 nun immerhin den zweiten Durchgang wert.

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Titel: Ruhig Blut (Eng. Carpe Jugulum)
Autor: Terry Pratchett
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 3442442338