Jarek

5-Minuten-Abstecher: Pech (Jarek / Mika)

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Eure Aufgabe ist es dafür zu Sorgen, dass ihm alles gelingt. In dieser Mission soll er der uneingeschränkte Held sein! Die Worte hallten in Jareks Kopf nach, als er sich den dröhnenden Schädel rieb. „Mist, wo …“ Der Schreck mit dem sich Jarek aufsetzte verursachte ein schmerzhaftes Donnern in seinem Kopf, so dass er abbrach und zurücksackte – in Mikas Schoß. Er sah ihr Gesicht über sich und ihr Schmunzeln. Sein Brummschädel beruhigte sich wieder und Jarek fragte: „Und wo sind wir jetzt?“
„Im Kerker.“
Jarek seufzte und setzte sich vorsichtiger auf. Der Schmerz raste im ersten Moment, aber er ließ nach, wenn er den Kopf ruhig hielt. Er sah eine massive Zellentür, eingelassen in Mauern und weit oben, direkt unter der Decke ein Gitter.
„Wie …?“
Mika zuckte nur mit den Schultern, doch die Erinnerung kam zurück. Sie hatten den ansässigen Grafen befragen wollen. Und er, dieser Möchtegern von Held, hatte dem Grafen gleich beschuldigt ein Dämonenbeschwörer zu sein und gefordert, dass er sich ohne Widerstand stellte. Der Graf hatte die Wachen geholt und in dem Gerangel hatte Jarek eins abbekommen; dabei hatte er sich bestenfalls zur Wehr gesetzt.
„Und wo ist Horen?“
Wieder zuckte Mika die Schultern. „Beim Verhör?“
„Na schön.“ Jarek stand ganz auf und ignorierte seinen Schädel. „Wir müssen hier raus. Unser Möchtegernheld wird sonst noch einen Kopf kürzer gemacht, selbst wenn der Graf nichts mit dem Ungeheuer zu tun hat.“

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Familienangelegenheiten (Mika / Jarek / Myco)

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Schritte hallten in dem langen Gang wider, hinter Mika flüsterten ihre Begleiter. Nur Jarek neben ihr war kaum zu vernehmen.
„Und ihr seid sicher, dass sich hier ein Drachen befindet?“, fragte Hendrik leise und doch schienen die Worte durch das ganze Haus zu hallen. Jarek blieb stehen und drehte sich zu dem Mann um; er war größer, als Jarek, doch das störte ihn nicht sonderlich. Myco blieb ebenfalls stehen und sah Mika fragend an, doch diese hob nur die Schultern.
„Hör zu Hendrik“, sagte Jarek in einem Tonfall, der ernster war, als gewöhnlich. „Du bist nur dabei, weil wir noch jemanden brauchten, der Kämpfen kann und weil du zufällig derjenige bist, der eine meiner Töchter heiraten möchte. Wir haben dir bereits erklärt, dass wir nicht nach einem ausgewachsenen Drachen suchen, sondern nach einem Drachenstein. Und ja, der soll hier sein.“
Hendrik sah aus, als wisse er nicht, wie er darauf reagieren sollte. Er antwortete etwas, doch Myco stupste Mika in den Moment an und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf ein verstaubtes Gemälde, das neben ihnen an der Wand hing. „Diese Baronin, die den Stein zuletzt gehabt haben soll; könnte sie das sein?“
Mika betrachtete sich das Gemälde. Es zeigte eine Frau mittleren Alters, mit wallenden braunen Haaren und dunklen Augen. Doch sie lächelte nicht und trug ein hochgeschlossenes Kleid sowie Handschuhe jedoch keinerlei Schmuck. Die Signatur des Malers darunter war nicht mehr zu lesen.
„Gehen wir weiter“, sagte Jarek hinter ihnen und stapfte an ihnen vorbei, gefolgt von einen sehr geknickt dreinschauenden Hendrik. Myco klopft dem jungen Mann wohlwollend auf die Schulter. „Ich bin zwar nur Wahl-Onkel, aber trotzdem: mach dir nichts draus, er tut nur so.“
„Tue ich nicht!“
„Oh doch“, beteuerte Myco und deutete dann auf Mika. „Vor ihr musst du dich in Acht nehmen. Sie kann zur richtigen Furie werden, wenn es um ihre Kinder geht.“
Hendrik schluckte und traf Mikas Blick. Diese schmunzelte, sagte jedoch nichts dazu und ging weiter.

Welche Musik sie wohl hören würden?

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Mit Musik als große Inspirationsquelle, bringe ich vieles von dem, was ich so höre, mit irgendjemandem oder irgendetwas in Verbindung. Dabei kam mir irgendwann der Gedanke, dass meine Charaktere natürlich auch selbst Musik hören und ganz unterschiedliche Musik mögen. Normalerweise steht bei meiner Musik im Vordergrund, ob sie eine meiner Figuren charakterisiert, ganz unabhängig davon, ob diese Musik ihnen denn auch gefallen würde.

Also stelle ich heute die Frage: Welche Musik mögen meine Charaktere? Und was würden sie wohl hören, wenn sie unsere Möglichkeiten an musikalischer Bandbreite hätten?
Zwar habe ich nicht alle durchschauen können, doch zumindest ein paar meiner Charaktere. Vielleicht folgen darauf ja noch weitere 🙂

Lailah ist eine der wenigen Kandidaten bei denen diese Frage einerseits ganz einfach zu beantworten ist, ich andererseits aber dennoch mit der Antwort so meine eigenen Probleme habe: sie liebt Rhythmus und schnulziges. Sie hört also gerne das, was allgemein wohl als „Latin“ bezeichnet wird – oder Bollywood-Musik. Meine Schwierigkeit bestand nun darin, etwas passendes zu finden, denn da ich mit solcher Musik nicht viel anfangen kann, höre ich sie eigentlich nicht.
Dank Wikipedia und YouTube denke ich aber etwas angemessenes gefunden zu haben: Aventura.

Lailahs Musikgeschmack zu kennen, bedeutet übrigenss auch, den von Marius zu kennen. Er orientiert sich dabei einfach an dem, was Lailah wohl mögen würde.

Die nächsten, die mir sofort einfallen, sind meine Barden. Klar, bei Barden macht man sich ja von Haus aus Gedanken zu Stimme, Instrumenten und Musik. Gerade bei Myco und dessen erster Schülerin Fajella fällt mir als erstes Mittelalter Rock oder Mittelalter Metal ein. Ich denke, sie wären mit Schandmaul und Lyriel gut bedient: Hier beide mit Wenn die Engel fallen

Meine „kleine“ Gauklerin Lincie ist ebenfalls ganz leicht zu durchschauen. Sie mag es poppig und – da sie nun einmal stumm ist und nicht singen kann – wohl auch am allerliebsten nur Instrumental. Also ist sie mit Vanessa Mae, Bond und Lindsey Sterling sicherlich gut bedient.
Meine Wahl fällt auf Schadows von Lindsey Sterling – denn so ein Video gefiele Lincie mit Sicherheit sehr gut 😉

Alena ist am ehesten klassischer Musik und Filmmusik zugeneigt. Sie spielt ja auch selbst Klavier. Ob Chopin oder ein schönes Orchester, sie kann sich da wohl gut aufgehoben fühlen.
The Heart Asks Pleasure First aus dem Film The Piano dürfte sie mit Sicherheit mögen.

Als Elf mag Silva vorallem schon mal sehr melodische Musik und sicherlich ist er eher für ein ruhiges dahinplätscher zu haben, als irgendetwas lautes. Also halte ich Enya für eine gute Idee.
Da fand ich Fairytale irgendwie passend.

Bei Mika denke ich als erstes zum einen an ruhige Musik, als auch an keltische. Ich muss auch nicht lange darüber nachdenken, was ihr wohl gefallen könnte. Ich denke, sie wäre unter anderem bei Loreena McKennitt sehr gut aufgehoben.
Hier Stolen Child

Etwas überrascht hat mich Jarek, der es nach Aussage meines Mannes auch lieber Rockig mag; aber rasant und melodisch, kein stupides Haudrauf. Die Wahl fiel hier auf Nightwish mit einem Lifeauftritt: Crimson Tight / Storytime

Sananka dürfte eigentlich in etwa das hören, was ich selbst favorisiere. Musik mit e-Gitarren und guten Sängern, die auch emotional etwas rüberbringen können. Sie wäre also bestimmt auch ein Fan von Musik, in die sie sich gut einfühlen kann; Within Temptation, Delain, Nightwish, Evanescence, Tarja.
Die Wahl eines Liedes fällt mir dabei nur extrem schwer. Also habe ich mich einfach für ein Lied entschieden, dass ich sehr gerne mag, das ich aber hier noch nicht anderweitig vorgestellt habe: Within Temptation mit Fire And Ice

Zumindest musikalisch einordnen kann ich Malachai bei Rock und Metal und wohl auch guter Anteil HippHopp. Da passt Linking Park sicherlich ganz gut. Hier: Numb

Lange gerübelt habe ich über Baienvy. Sie war ein richtig harter Brocken. Baienvy ist eigentlich ja gar kein Fan von Musik. Und genau da lag der Knackpunkt. Bei allem, was ich mir so angehört hatte – von Metal über Pop und Techno – gab es nichts, wo ich wirklich sagen konnte, ja, das hört sie. Letztlich gab es eigentlich nur einen Rückschluss: Baienvy hört einfach keine Musik. Sie ist wohl wirklich der einzige meiner Charatere, dem Musik rein garnichts bedeutet.

Charakterbilder im Manga-Style

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Ich habe mal wieder ein kleines Tool entdeckt, mit dem man Avatarbilder machen kann – oder wie in meinem Fall – Charakterbilder. Die Seite heißt www.faceyourmanga.com.
Mein Kopfkino findet zwar nicht als Manga oder Anime statt, aber dennoch finde ich die Bilder ganz passend.

faceyourmanga.com: Mika
faceyourmanga.com: Mika

Mika
faceyourmanga.com: Jarek
faceyourmanga.com: Jarek

Jarek
faceyourmanga.com: Alena
faceyourmanga.com: Alena

Alena
faceyourmanga.com: Silva
faceyourmanga.com: Silva

Silva
faceyourmanga.com: Sananka
faceyourmanga.com: Sananka

Sananka
faceyourmanga.com: Kyle
faceyourmanga.com: Kyle

Kyle
faceyourmanga.com: Lailah
faceyourmanga.com: Lailah

Lailah
faceyourmanga.com: Marius
faceyourmanga.com: Marius

Marius
faceyourmanga.com: Nuora
faceyourmanga.com: Nuora

Nuora
faceyourmanga.com: Winter
faceyourmanga.com: Winter

Winter
faceyourmanga.com: Liliana
faceyourmanga.com: Liliana

Liliana
faceyourmanga.com: Vyncent
faceyourmanga.com: Vyncent

Vyncent

Verdacht (Jarek / Mika / Lincie)

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​Auch wenn ich noch immer auf dem Trockenen sitze, was Laptop und WLAN angeht, habe ich mir trotzdem eine Schreibaufgabe von schreibaufgabe.de herausgesucht, die ich einfach mal umsetzen kann.
​Bei dieser Übung soll ein Dialog im Stiele von SMS, Chat oder Telefon verfassen werden. Transferiert auf meine Fantasywelt kommt mir da eine stumme Gauklerin sehr entgegen – mit Anlehnung an meine Texte Massaker und Ermittlungen 🙂

​Lincies Hände flogen so schnell durch die Luft, dass Jarek den Worten nicht folgen konnte. „Warte! Ich verstehe dich nicht, wenn du so zappelst“, versuchte er die Gauklerin zu besänftigen. „Weißt du, wer das getan hat?“
​Frustriert schüttelte Lincie den Kopf und forderte Jarek mit erhobener Hand auf, aufzupassen. Dann formte sie mit Ihren Händen ein paar Zeichen. „Ich. Nicht ich.“
​“Was soll das heißen?“ Verwirrt schüttelte jetzt Jarek den Kopf. „Hast du etwas gesehen?“
​Wieder hasteten ihre Hände durch Zeichen und Worte, ohne, dass Jarek den Sinn dahinter verstand. Lincie hielt inne, bedeutete Jarek zu warten, schloss kurz die Augen und sammelte sich wieder. „Ich vielleicht getötet. Kein Gedächtnis.“
​“Du?“ Jarek spürte, wie Wut und Abscheu in ihm aufstieg. Vampire waren doch alle gleich. Allein Mikas Hand auf seiner Schulter verhinderte, dass er sich umdrehte und einfach ging. Lincies Blick wanderte derweil hilfesuchend zu Mika. Wieder folgten Zeichen und ein wehmühtiger Gesichtsausdruck. „Nicht erinnern. Kleider viel Blut. Aufgewacht im Wagen.“
​Doch Mika schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich kann die Zeichen nicht.“
​Jetzt wanderte Lincies Blick zwischen beiden hin und her und ihre Mundwinkel sackten weit nach unten, als sie bittend die Hände faltete. Jarek atmete tief durch, sein Tonfall war jedoch selbst in seinen Ohren abweisend. „Sie sagt, sie war voller Blut, ist aber in ihrem Wagen aufgewacht. Sonst weiß sie nichts.“
​Lincie nickte bestätigend, doch Jarek bohrte nach: „Warst du in dem Haus?“
​Unschlüssig hob Lincie die Schultern.
​“Warst du in der Gegend?“
​“H-A-B-E-R-K-O-O-K“, buchstabierte sie langsam in der Luft.
​“Du warst im Haberkook?“
​Lincie nickte und Jarek schürzte die Lippen. „Das ist für einen von deiner Sorte trotzdem nur ein Katzensprung.“
​Darauf hob Lincie verzweifelt Schultern und Hände an. Die Botschaft war klar, sie wünschte, es wäre anders.
​“Ich glaube ihr“, sagte Mika unvermittelt neben ihm und Lincie seufzte erleichtert.
​“Wieso?“ Doch Mikas Blick hielt ihn davon ab, austzusprechen, was ihm auf der Zunge lag: Vampiren konnte man nicht trauen.
​“Es gibt viele Möglichleiten“, erklärte Mika knapp. „Doch wenn sie sich wirklich nicht erinnert, könnte sogar Beherrachungsmagie im Spiel sein.“
L​incie nickte eifrig, Jarek aber zweifelte daran. Dennoch brummte er: „Na schön, wir werden sehen.“

5-Minuten-Abstecher: Ermittlungen (Jarek)

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Als Jarek die Schenke betrat, saß sie auf der Theke, die Beine übereinander geschlagen, und spielte Flöte; die junge Frau mit den aschfarbenen Haaren, der dunklen Hose und dem farbenfrohen Hemd. Sie hatte die Augen geschlossen und wiegte sich leicht im Takt hin und her.
Jarek schob sich seinen Hut aus dem Gesicht und nahm am Tresen Platz, während Lincie ihrerseits von der Theke auf einen Hocker stieg und von dort ganz hinab. Sie tänzelte durch den Schankraum, zwinkerte hier und dort jemandem fröhlich zu und hob ein Bein in ungeahnte Höhen; alles, ohne die Flöte auch nur einmal abzusetzen. Zuletzt tanze sie mit mehreren Drehungen Jarek entgegen und ließ sich elegant erneut auf der Theke nieder. Kurz darauf endete die Melodie und die Gauklerin blieb einen Moment ruhig, während einige der Gäste applaudierten.
Lincie verneigte sich grinsend, ohne sich dabei noch einmal zu erheben und stupste Jarek fröhlich an.
„Ich wusste garnicht, dass du Flöte spielen kannst“, meinte dieser mit einem schiefen Grinsen. Obgleich er Lincie mochte, ihre Gegenwart machte ihn nervös. Wer wusste schon, ob nicht um die nächste Ecke ein weiterer Vampir lauerte; einer, der nicht so harmlos war, wie Lincie. Doch den Gedanken vertrieb er wieder. Kein Vampir war harmlos, so auch nicht diese arglose kleine Gauklerin.
Jarek räusperte sich. „Wir muss mit Feron reden. Mika wartet draußen, es ist dringend.“
Zwar runzelte Lincie zunächst die Stirn, doch dann hob sie die Schultern und rutschte vom Tresen herunter. Mit zwei Fingern im Mund pfiff sie, um auf sich Aufmerksam zu machen. Dem Wirt winkte sie, während ein kleiner brauner Hund an ihre Seite eilte, einen von Münzen klimpernden Hut in der Schnauze. Ohne weitere Umstände nahm Lincie den Hut, verstaute das Geld in ihrer Tasche und bedeutete Jarek, mitzukommen.

Anknüpfung an: Massaker (Jarek / Mika)

Inspiration:

Da ich die Art von Musik auch ganz gerne mag und sie in irgendeiner Vorschau benutzt wurde, dachte ich, ich schaue mal nach. Ich war ziemlich baff, als Lindsey Sterling zusätzlich die (fast) perfekte Lincie abgab 😀

Massaker (Jarek / Mika)

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Mika betrachtete das Ausmaß des Massakers mit Ausdrucksloser Miene. Sechs Tote, zwei davon kaum erwachsen. Das Zimmer war einmal gemütlich gewesen; eine Wohnstube mit dekorativen Teppichen, mehreren Sesseln vor dem Kamin und einen Sekretär daneben. Dieser lag umgeworfen am Boden, halb auf einem grauhaarigen Mann. Der Blutspur nach zu urteilen, hatte er noch versucht davon zu kriechen. Eine Frau des gleichen Alters hing mit aufgerissenem Hals und vor Angst erstarrten Augen über einem der Sessel, zu ihren Füßen ein junger Mann. Zwei weitere Frauen und ein Junge, dessen Wangen gerade den ersten Flaum eines Bartes krönten, waren auf den Teppichen gestorben. Allen war die Kehle herausgerissen worden – und all das konnte erst vor wenigen Stunden passiert sein.
Jarek trat neben Mika und legte ihr einen Arm um die Schultern. Ihm war übel und er war sich sicher, Mika ging es nicht anders. Sie war blass um die Nase. Sie hatten schon viele Tote gesehen, aber dieser Anblick, dieser Geruch nach Blut und Fäkalien, drehte ihm fast den Magen um.
„Versteht ihr jetzt, warum ich euch geholt habe?“
Sowohl Jarek als auch Mika drehten sich zu Baienvy um. „Wir sollen das Monster finden, dass das getan hat?“
Baienvy schnaufte. „Ein Mensch war das nicht.“ Während die Herzogin sprach, wandte sich Mika bereits den Leichen zu. „Der älteste Sohn hat sie gefunden, Jonnet Veisd.“, fuhr Baienvy fort und trat an Jarek vorbei. Fahrig deutete sie mit der Linken auf die beiden Ältesten. „Er wohnt nicht mehr hier, arbeitet aber für seinen Vater als Schreiber. Er wurde vorläufig festgenommen. Der Rest der Familie liegt hier. Das Haus wurde durchsucht, aber die Wachmänner haben nichts Bedeutendes gefunden.“ Einen Augenblick schwieg Baienvy, dann drehte sie sich zu Jarek um. Er konnte es in ihren violett-braunen Augen vor Hass blitzen sehen. „Findet heraus, was das war und spürt es auf. Erledigen werde ich es selbst!“
„Na schön“, entgegnete Jarek. Ihm war nicht danach den Schein zu wahren, dennoch grinste er. „Wir geben unser Bestes.“
Dafür hatte Baienvy nur ein knappes Nicken und einen entschlossenen Gesichtsausdruck übrig. Dann wandte sie sich zum Gehen. „Die Stadtgarde hat den Befehl, euch in jeder Hinsicht zu unterstützen. Wenn ihr es sagt, werden sie euch in Ruhe lassen. Ihr könnt stattdessen über meine Spezialtruppe verfügen“, verkündete sie noch, dann war Jarek mit Mika alleine.
„Spezialtruppe?“ Seufzend ging Jarek neben Mika in die Hocke. „Wenn wir nicht rausfinden, was es war, wird sie uns Lynchen“, scherzte er und erntete einen Vorwurfsvollen Blick von seiner Frau. „Ja, schon gut. Hast du schon eine Idee?“
„Ein Vampir.“ Mikas Worte waren so trocken, dass Jarek verdutzt schwieg.
„Ich habe so etwas bisher zwei Mal in meinem Leben gesehen“, fuhr sie fort, monoton, als versuche sie jegliche Gefühlsregung zu verdrängen. „Es war en Vampir.“ Sie erhob sich und wischte sich die Hände an ihrer Hose ab. Jarek stand ebenfalls auf. Er spürte, wie die alte Wut in ihm aufwallte; die Wut auf etwas, dass er nicht begreifen konnte. Er mochte Vampire nicht sonderlich, dennoch hatte er sich damals in einen verliebt.
„Wer?“, fragte er kurz angebunden.
Vorsichtig ging Mika zwischen den Leichen umher und schüttelte kaum merklich den Kopf. „Es muss einer gewesen sein, der lange nichts getrunken hat. Der Blutdurst hat ihn überwältigt.“ Sie betrachtete die blutbespritzten Wände, sogar an der Decke klebten rote Flecken. Noch mehr, als Jarek das Leuchten des Sterns auf Mikas Stirn sah, spürte er es. Erinnerungen und Gefühlte überspülten seine eigenen. Mika wusste, wovon sie sprach. Der Hunger eines Vampires bohrte sich nicht nur in den Magen, er durchlöcherte auch den Verstand. Je größer er war, je durchdringender Pochte jedes schlagende Herz in den Ohren, egal ob Ratte oder Mensch; je appetitlicher rauschte das Blut in den Adern jedes Lebewesens. Bald gab es nur noch den Instinkt, der nach Blut gierte und alles riss, was ihm in die Quere kam. Ein ausgezehrter Vampir brauchte mehrere solcher Mahlzeiten, ehe er wieder gänzlich zu Sinnen kam. Es gab nur die Pause des wohligen Rausches, bis zur nächsten Mahlzeit, ein oder zwei Tage später, bis der Verstand den Rausch danach besiegte.
Jarek schauderte ob dieser Erkenntnis und versuchte die Gefühlswallungen seiner Frau von den seinen abzugrenzen. Mika selbst blieb äußerlich völlig ruhig.
„Hier ist viel Blut, doch nicht genug für sechs erwachsene Menschen. Er hat genug getrunken, um satt zu werden“, führ Mika sachlich fort und blieb bei einer Frauenleiche stehen. Ihr hatte er fast den Kopf abgerissen. Eine Weile bewegte sich Mika gar nicht und schwieg, doch Jarek konnte förmlich sehen, wie es in ihrem Kopf arbeitete. Dann gab sie ihm endlich die Antwort, auf die er gewartet hatte: „Ich denke nicht, dass es einer von Ferons Schützlingen war.“
„Also ist ein Neuer in der Stadt“, schlussfolgerte Jarek.
„Oder ein sehr Alter.“