Lailah

5-Minuten-Abstecher: Im Nebel (Lailah)

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Nebel zog durch die Gassen. Er kroch zwischen die Häuser, unter die Kleidung. Lailah fröstelte und zog sich die Jacke enger um die Schultern. Doch es half nichts. Sie spürte weiterhin die Kälte, die in ihren Nacken griff. Dann war sie da. Der Platz war weit, doch im Nebel konnte sie lediglich den Schemen des Gotteshauses ausmachen. Der Turm ragte vor ihr auf, die Spitze verschwand in den Tiefen des Nebels. Dann hörte sie es; ein Kratzen, wie von Krallen auf Stein. Dann Knurren. Als Laila sich umdrehte, sah sie allein die stechenden gelben Augen, die den Nebel durchdrangen.

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Tage wie dieser (Lailah)

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Es war spät, als Lailah endlich nach Hause gehen konnte. Manche Gäste waren einfach nicht aus der Schenke zu vertreiben und auch wenn Aryanna schließen wollte, war sie doch immer geneigt noch ein paar Münzen mehr einzustreichen und schenkte doch noch eine Runde Bier aus. Und wer musste bleiben, bis alle gegangen waren, um dir Wirtin zu unterstützen und die letzten Becher zu spülen? Lailah seufzte. Dafür, dass sie eigentlich nur Küchenmädchen war, spannte Aryanna sie ganz schön ein.
Auf dem Weg nach Hause wog ihr nun sogar die Reste des Eintopfs und das übrig gebliebene Brot schwer im Arm und ihr Magen verlangte danach, endlich etwas zu essen. Doch mitten in der Nacht auf den Straßen war das keine so gute Idee. Außerdem war das Essen für ihre Mutter bestimmt. Lailah würde sich nehmen, was übrig blieb.
Als sie das Haus erreichte, in dem sie die beiden Zimmer und einen Anteil der Küche gepachtet hatten, sah Lailah noch Licht in einerm der Fenster. Ein weiteres Mal seufzte sie, musste aber gleichzeitig Lächeln. Sie hatte ihrer Mutter gesagt, sie müsste nicht warten und dabei das teure Öl der Lampe verbrauchen. Dennoch tat sie es, jedes Mal. Wahrscheinlich saß sie noch am Spinnrad.
Doch als Lailah die Tür öffnete, verschwand ihr Lächeln. Nicht ihre Mutter saß dort, sondern ihr ältester Bruder, den Kopf des Jüngsten auf dem Schoß.
»Lailah! Endlich!«, sagte Leon und schob den Kopf seines Bruders beiseite, um aufzustehen. Dieser rieb sich did Augen.
»Wo is` Ma?«, wollte Lailah wissen und ahnte schon, dass es nichts gGutes zu bedeuten hatte. Leon hätte längst schlafen sollen.
»Sie is‹ beim Heiler.«
»Ma weg«, sagte Lars und fing plötzlich an zu schluchzen.
Lailah stellte den Tontopf mit dem Essen auf den nächsten Tisch und nahm Lars in den Arm. Mit seinen zwei Jahren hatte er am wenigsten Ahnung, was gerade passierte und warum seine Mutter nicht da war; mitten in der Nacht. Lars sah totmüde aus und fühlte sich sicherlich irgendwie alleine gelassen. Geschwister waren eben doch kein Ersatz für die Mutter, auch wenn Lailah nun ihr möglichstes tat, ihn zu trösten. »Was is`passiert?«, fragte sie über Lars` schluchzen hinweg, während sie ihn tröstend wiegte.
»Lacky hat Fieber bekommen heute, ganz hohes! Ma hat den ganzen Tag bei ihn gesessen und Tücher auf seine Stirn gelegt und so. Aber das hat nich` geholfen! Sie is` zum Heiler, als Lars eingeschlafen is`.«
»Warum hat sie dich keinen Heiler herholen lassen?«
Leon hob die Schultern. »Sie war ganz neben sich.«
»Ja, dass is‹ sie ja immer, wenn was sein tut«, seufzte Lailah. »Aber du hättest dran denken müssen, mir auch Bescheid zu geben.«
Lars beruhigte sich endlich und schniefte nur noch. Wahrend Lailah nach einem Tuch aus der Kommode neben dem Bett fischte, meldete sich etwas anderes zu Wort: Leons Magen.
»Sie hat auch vergessen, was zu essen zu besorgen?«
Auf Lailahs Frage antwortete Leon mit einem Nicken. Kein Wunder, dass Lars nicht richtig geschlafen hatte. Mit leerem Magen war das schwierig, selbst für einen Jungen, der sich nicht immer satt essen konnte. Aber Lailah hatte es immer geschafft, genug aufzutreiben, damit alle etwas hatten. Jetzt nickte sie in Richtung des Tontopfes. »Ich habe was mitgebracht. Hol` bitte Schüsseln für dich und Lars. Aber lasst Ma und Lacky was übrig!«
Während Leon zwei Schüsseln mit kalten Eintopfresten und etwas Brot füllte, beschwerte sich auch Lailahs Magen. Aber sie hatte heute Mittag etwas gegessen, sie konnte heute ohne Abendessen auskommen, wenn es nötig war. Und es schien nötig zu sein, denn sowohl Lars als auch Leon hatten einen guten Appetit. Morgen früh würde Lailah sich dann auf dem Markt eben ein paar Äpfel besorgen und essen, bevor sie sich dort an die Arbeit machte. Die Händler sortierten die angefaulten immer aus und Lailah bekam sie billiger.
 
 
Inspiration: Within Temptation – „One Of These Days“

 

Die Herrin der Untoten (Lailah)

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Eine Welle aus orangroter Magie fuhr über die Gräber. Sie durchtränkte den Erdboden, durchdrang jede Pflanze und tauchte die Dorfnekropole in ein schwaches rotes Leuchten. Nur die Steine, mit denen die Grabstätten markiert waren, ragten wie schwarze Säulen hervor.
Dann durchbrach die erste Hand die Erde. Knochenfinger reckten sich dem Nachthimmel entgegen, ein Schädel folgte. Belebt durch die rote Magie wanderten unzählige Leichen über den Friedhof und schlossen sich zu einer Horde zusammen, geführt von einer Frau. Ihr entgegen stellte sich eine einzelne Gestalt, eine Frau in Weiß, mit wehenden roten Haaren. Doch die Toten waren zu Viele, die Herrin der Untoten zu mächtig. Die Frau in Weiß wurde unter lebenden Leichen begraben und die Herrin der Untoten lachte. Ihre Augen starrten Lailah an, sie verhießen Tot und Leid und Trauer.

Verfolgt von diesen Augen wachte Lailah auf. Noch in der Dunkelheit sah sie diesen kalten Blick vor sich. Er lag schwer auf ihrer Brust, sie konnte kaum atmen. Ihr Magen zuckte und wand sich.
„Lailah?“, hörte sie Marius neben sich. Er zog sie an sich, doch Lailah entwand sich ihm, rutschte zum Bett und erbrach.
Besorgt rückte Marius neben sie und streichelte ihr über den Rücken. „Lailah, geht es dir gut? Bist du krank? Ist etwas passiert?“, wollte er wissen.
Lailah schüttelte den Kopf und schluckte. Den bitteren Geschmack aus ihrem Mund fühlte sie plötzlich auch tief in ihrem Inneren. „Nein, es wird was passieren. Ich muss Alena erreichen.“ Langsam schob sie sich vom Bett. Marius stützte sie. „Sie tut Hilfe brauchen. Die Herrin der Untoten kann sie nich‘ allein besiegen.“

5-Minuten-Abstecher: Feuerklinge (Sananka / Lailah)

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Sananka saß auf der Mauer, hoch über den Köpfen der anderen, die sich auf den Nordplatz drängten, um den Neuankömmling zu begutachten; einen Hünen von Mann, blond, muskulös und braungebrannt. Er war eine der wenigen Legenden, die es in diesem Land noch gab, immer unterwegs und immer auf der Suche nach Ungerechtigkeit, die es zu beseitigen galt. Klar, dass die meisten Frauen auf ihn flogen, obgleich seine Haare bereits ergrauten und tiefe Falten um seine Augen lagen. Was er hier wohl wollte?
„He, Sananka?“
Lailah stand auf der falschen Seite der Mauer und sah zu ihr hinauf. „Was tut denn da los sein?“
„Oh, die Feuerklinge ist angekommen.“
Würden Lailahs Augen noch größer, müssten sie ihr aus dem Kopf kullern. Sie schaute zum Tor, doch wenn sie versuchen wollte, sich durch dieses Gedränge zu quetschen, hätte sie ohne Marius schlechte Chancen. „Willst du rauf kommen?“
Lailah sah sie verständnislos an. „Was? Wie denn? Ich weiß nichtmal, wie du da überhaupt immer hoch kommst.“
„Äh, Übung“, gab Sananka zurück und grinste. Dann stand sie auf und sprang zu Lailah hinunter. „Komm, ich helfe dir. Weiter hinten an der Mauer haben ein paar Jungs das mit Kisten geschafft, also wird es auch gehen, wenn ich dir helfe. Außerdem: wer auf ein Pferd raufkommt, schafft es auch eine Mauer zu erklimmen.“
Die Skepsis in Lailahs Blick war offensichtlich, als sie Sanankas Vorschlag hörte. Und doch siegte ihre Neugierde. Sananka machte eine Räuberleiter, half Lailah auf ihre Schultern und stellte fest, dass das Mädchen doch weniger wog, als sie angenommen hatte. Das vereinfachte die Sache, als sie ihr half, sich ganz auf die Mauer hinaufzuziehen. Als Lailah festen Halt hatte, folgte Sananka, holte Anlauf und sprang. Mit den Händen bekam sie die obere Kannte zu fassen, mit den Füßen konnte sie sich abfedern. Einen Moment später saß sie neben Lailah auf der Mauer und sah zu, wie die Feuerklinge in die Stadt ritt.

Inspiration: Steelbraker von Van Canto

Wer isst was?

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Es ist wieder Ostern. Jedes Ostern muss ich mein Kopfkino in Zaum halten, wenn es ums Essen geht. Oft ist die Rede von traditionellem Osteressen, wozu etwas gehört, dass in mir richtig Ekel aufsteigen lässt: Lamm. Als Vegetarierin esse ich ohnehin kein Fleisch, doch allein die Vorstellung, ein Lämmchen zu essen finde ich einfach nur schauderhaft. Das ist es aber sicherlich nicht, was ich hier im Blog thematisieren möchte, denn hier geht es ja ums Schreiben. Und diesbezüglich kommt mir jedes Ostern die Erkenntnis, dass meine Charaktere was das Essen betrifft, lange nicht so pingelig sind, wie ich.
Also stelle ich einfach einmal die Frage nach dem Lieblingsessen 😉 Das ist allerdings nicht bei allen so einfach zu beantworten.

An sichersten bin ich mir, was das Lieblingsessen angeht, bei Lailah. In nicht gerade gut betuchten Verhältnissen aufgewachsen, war das größte für sie immer der Honigkuchen ihrer Mutter. Von daher dürfte ihr Lieblingsessen mit Sicherheit Honigkuchen sein.

Mika ist was das Essen angeht sehr praktisch veranlagt; sie nimmt, was da ist. Als Halbelfe, Heilerin und Waldläuferin ist das aber sicherlich nicht anders zu erwarten. Nur eines weiß ich bei Mika ganz sicher: Sie liebt Äpfel, frisch vom Baum.

Ich bin mir auch recht sicher, was Baienvy gerne isst. Sie ist definitiv ein Fleischfan, aber ich denke am allerliebsten mag sie Geflügel. Und als Herzogin sind sicherlich Spezialitäten wie Täubchen oder Wachteln angebracht.

Dummerweise ebenfalls in Richtung Fleisch dürfte Alena gehen. Sie isst gerne feine Sachen, also dürfte da ein feines Fleischgericht in Frage kommen. Da sich aber meine Kenntnisse über Fleischgerichte in Grenzen halten, wie ich nicht mehr, als dass sie gerne zartes Fleisch mag – ich fürchte ja, dass es etwas wie Lamm sein dürfte. Was genau kann ich aber sicherlich nicht sagen – und mag ich mir garnicht vorstellen.

Nuora liebt es süß, sehr süß. Datteln in Blätterteig mit Honig (wie immer so etwas auch heißen mag) sind sicherlich ganz nach ihrem Geschmack.

Wenn ich mich recht entsinne habe ich sogar in der Malerin der Toten das Lieblingsessen von Eske eingebracht: Flusskrebse mit Rübengemüse.

Ebenfalls sehr sicher bin ich mir bei Thrax, denn den habe ich in einem Gespräch nach seinem Lieblingsessen gefragt – zumindest zu seinen Lebzeiten. Seine Antwort: Hasenbraten.

Auch Winters Geschmack kann ich als einer der wenigen meiner Herren benennen: Räucherfisch. Ob kleine Sardinen oder gleich eine ganze Forelle dürfte wohl egal sein. Nur mit Lachs hat er es nicht so.

Wer seltsamerweise wirklich kein Lieblingsessen hat, ist Sananka. Dabei sagt Sananka niemals nein, wenn ihr etwas angeboten wird. Doch das ist wohl schlicht der Tatsache geschuldet, dass sie lange Zeit einfach nur froh war, wenn sie überhaupt etwas zu essen bekam. So isst sie einfach alles und überlegt sich hinterher, ob es schmackhaft ist oder nicht.

Bei allen anderen habe ich leider nichteinmal den Hauch einer Ahnung, in welche Richtung die Leinspeise gehen könnte 😉

Charaterbilder mit RPG Heroine Creator

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Urlaub.
Urlaub heißt, die ersten Tage ersteinmal völlig in den Seilen hängen, da ist vor allem abends, wenn die Kinder im Bett sind, oft nicht allzu viel mit mir anzufangen.
Es hat aber auch den Vorteil, dass ich sehr viel Zeit damit verbringen kann, meine Charaktere zu visualisieren. Bei Dolldevine habe ich vor einiger Zeit bereits ein Tool für Disney Prinzessinen ausprobiert. Dieses Mal bin ich auf RPG Heroine Creator gestoßen und muss sagen: So gut konnte ich bisher weder Mika, noch Sananka darstellen 😉 Ok, ich hätte es gerne noch etwas realistischer, aber trotzdem.
Einzig ein wirklich gutes Tool für meine Herren habe ich einfach noch nicht gefunden, dabei würde ich gerne auch meine mänlichen Charaktere visualisieren.

Mika
RPG Heroine: Mika
RPG Heroine: Mika

Sananka

RPG Heroine: Sananka
RPG Heroine: Sananka

Baienvy

RPG Heroine: Baienvy
RPG Heroine: Baienvy

Alena

RPG Heroine: Alena
RPG Heroine: Alena

Eske

RPG Heroine: Eske
RPG Heroine: Eske

Lailah

RPG Heroine: Lailah
RPG Heroine: Lailah

Lincie

RPG Heroine: Lincie
RPG Heroine: Lincie

Heldentat (Lailah)

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Staub schwebte über dem eingestürzten Gebäude, als Lailah es erreichte. Der Wald hatte sich das verlassene Gutshaus endgültig zurückgeholt; Wurzeln und Äste hatten sich tief in die Mauern gegraben und sie letztlich zu Fall gebracht.
Lailah stützte sich nur mit den Händen auf ihren Knien ab und atmete tief durch. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Brust, doch nicht nur wegen des Sprints aus der Stadt hier her. Jetzt erreichte auch Sananka die Ruine. Weit weniger außer Puste, als Lailah selbst, beäugte sie das Gemäuer und schüttelte den Kopf. „Mensch, und weswegen hattest du es nun so eilig her zu kommen?“
Doch Lailah schüttelte nur den Kopf, nahm dabei ihre Kappe ab und fuhr sich durch die Haare. Sie war sich sicher, jemand brauchte hier Hilfe. Und nun hatte sie auch eine Ahnung, weswegen.
Sananka stemmte die Hände in die Hüften, als Lailah nicht antwortete. „He! Ich war nicht diejenige, die es so eilig hatte her zu kommen!“, maulte sie.
„Bitte, tu einfach mal Still sein!“, gab Lailah zurück, steckte die Kappe in ihren Gürtel und lauschte. Da! Da war ein husten und ein leises Wimmern. „Ich muss da rein.“
Noch während Sananka ein erstauntes „Was?!“ von sich gab, stieg Lailah bereits über einige Brocken der Mauer und zwängte sich zwischen zwei Balten hindurch. Von oben rieselte Sand herab, als sie über den Schutt kletterte, zu dem der größte Teil des Hauses zusammengebrochen war.
„Lailah!“, hörte sie Sanankas Protest, doch die Schneiderin hütete sich, ihr in das zusammengebrochene Gemäuer zu folgen. „Bist du verrückt geworden? Das ist gefährlich da drin!“
„Ich weiß.“ Lailah kletterte über zerschmettertes Holz hinweg. Die Bruchstücke zersplitterten das Licht. Wo das dichte Blätterdach des Waldes über der Ruine mit zusammengebrochen war, blockierten nun Trümmer und ein halbes Dache das Tageslicht. Große Fenster waren zu winzigen Scharten geschrumpft, daneben klafften Löcher in ungewisses Dunkel. Es wurde immer düsterer, Lailah war sich nicht einmal sicher, ob sie soeben über einen Baum hinwegkletterte oder ob es ein Teil einer Holzverkleidung von Decke oder Wänden war. Das Husten kam näher, doch das Wimmern hatte aufgehört. „He, is‘ da jemand?“, fragte Lailah ins Ungewisse. Sie erhielt keine Antwort. Sie rief ein weiteres Mal und sackte plötzlich mit dem Fuß ein. Geröll löste sich unter ihr und rutsche weg. Erschrocken klammerte sie sich irgendwo fest, während sich unter ihr ein schwarzes Loch auftat. Aus weiter Ferne hörte sie Sanankas Rufen, doch sie antwortete nicht. Mühselig suchte sie sich festen Halt und zog sich wieder hinauf. Und plötzlich war das Husten direkt neben ihr. „He, wo bist du?“, fragte sie in die Dunkelheit und endlich bekam sie Antwort: „Wir sind hier!“, kreischte eine Kinderstimme, verzerrt durch Schluchzen und Husten.
„Is‘ gut, ich hole euch raus.“ Lailah bemühte sich um Ruhe, auch wenn die Angst anschwoll, je länger sie hier drin steckte. Die Luft war voller Staub, sie konnte kaum Atmen und es war drückend warm, als klettere sie in der Holzkohle eines Heizofens. „Rede weiter, damit ich euch finden tu.“
Das Kind sagte nichts, sondern brach in herzzerreißendes Weinen aus. Lailah sprach weiter auf sie ein, versuchte sie zu beruhigen und kletterte weiter. Einige Meter stieg sie nach unten, dann klammerte sich etwas an ihr Bein. Dort waren sie! Im Dunkeln konnte Lailah zwei kleine Gestalten ausmachen, zwei Kinder; das weinende Mädchen und ein kleineres Kind, das zusammengekrümmt auf dem Boden lag.
„Er sagt nichts mehr!“, schluchzte das Mädchen und klammerte sich an sie, als Lailah in die Hocke ging. „Er sagt nichts mehr! Er ist bestimmt tot!“
„Nein, nein, das is‘ er nicht“, versuchte Lailah das Mädchen zu beruhigen. Sie schob sich neben den Jungen und schüttelte ihn. Al er nicht reagierte, sagte sie: „Wird alles wieder gut, ganz bestimmt.“ Vorsichtig schob sie die Hände unter den Kleinen Körper und versuchte ihn anzuheben. Er war schlaff, doch er war nirgendwo eingeklemmt.
„Kletter auf meinen Rücken.“ Das Mädchen gehorchte erst bei der dritten Aufforderung und klammerte sich so fest um Lailahs Hals, dass sie glaubte, es wolle sie erwürgen. Den kleinen Jungen legte sie sich über Schulter und Arm, presste ihn an ihre Seite. Mit nur einer freien Hand war der Weg hinaus schwerer, viel schwerer. Lailah rutschte mehrmals ab, ehe sie aus dem Loch wieder hinausgeklettert war. Dann knackte es über ihr verdächtig. Plötzlich hämmerte ihr Herz nicht mehr, sondern stand still, dann ließ alle Vorsicht beiseite und stürmte voran, während hinter ihr Holz und Steine niedergingen und den Weg verschütteten, den sie eben genommen hatte.
Außer Puste und verschmutzt sprang sie über den letzten Mauerrest, hielt das Mädchen mit der zweiten Hand fest. Mehrere Meter brachte sie zwischen sich und die Ruine, bevor sie sich auf die Knie fallen ließ. Sie konnte nicht mehr stehen, ihre Beine zitterten. Jemand nahm ihr das weinende Mädchen vom Rücken und versuchte auch den Jungen aus ihrer Umklammerung zu lösen. Doch erst nach und nach registrierte sie die plötzlich vielen Menschen um sie herum. Sananka hatte Hilfe geholt.
Lailah atmete tief aus und hob den Blick. Marli saß neben dem Jungen und tastete ihn fachmännisch ab. Alena hockte daneben und hatte das immer noch weinende Mädchen im Arm. Marlis Bruder und ein weiterer Mann von der Stadtwache standen daneben und schräg dahinter Marius und Sananka. Während Sananka grummelnd die Arme verschränkt hatte, wirkte Marius verloren. Als sich ihre Blicke trafen, wusste Lailah weswegen. Er wusste nicht, was er tun sollte. Mühsam stand sie wieder auf, sofort half er ihr. Trotzdem sah er sie verzweifelt an. „Wie soll ich auf dich aufpassen, wenn du einfach davonrennst?“
„‘Tschuldige.“ Lailah versuchte es mit einem Lächeln. „Die konnten halt nicht warten.“