Yjili

Archiv der verlorenen Szenen: Schüler und Lehrer

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In meine Welten-Saga musste ein zusätzliches Kapitel hinein. Dies ist der Einstieg, den ich am Anfang ziemlich gut fand, der sich dann aber als üerflüssig erwiesen hat. Also kommt er in mein Archiv 🙂

Nachdem Jona mit Mo über Yjilis verborgenes Talent gesprochen hatte, geschah erst einmal gar nichts. Nach drei Tagen entschied Jona, zusammen mit Yjili deswegen zu Skji zu gehen. Sie fanden sie in ihrem Büro, die Tür stand wie immer offen. Skji hatte aus einer langen Reihe von Regalen eine Stelle ausgeräumt. Die Bücher lagen in Stapeln um sie herum. In einem weiteren blätterte sie und klappte es dann ungeduldig zu.
Noch bevor Jona an den Türrahmen klopfen konnte, um sich bemerkbar zu machen, sah Skji sie auffordernd über eine Brille mit runden Gläsern hinweg an. „Was wollt ihr beide?“
Jona wechselte einen Blick mit Yjili, dann trat sie mit entschuldigend gefalteten Händen ein. „Wir bitten vielmals um Verzeihung für die Störung, werte Skji, aber Jonathan sagte, er habe mir Euch gesprochen.“ Io hing mit riesigen runden Augen an ihrer Schulter und schien die Entschuldigung noch zu unterstreichen.
„Ich habe mit Mo gesprochen“, korrigierte Jona und stellte sich neben Yjili. Mel nahm neben ihm Platz. „Wegen Yjilis, äh, neuem Talent.“
„Wo ist der alte Wirrkopf? Solltet ihr nicht bei ihm Unterricht haben?“
„Hatten wir“, sagte Yjili. „Er hat ihn eben beendet und ist gegangen.“
„Hmm“, machte Skji und nahm die Brille ab. „Warum denkst ihr bei Yjili ein weiteres Talent entdeckt zu haben?“
„Naja, als wir das letzte Mal unterwegs waren, in diesem Fluttunnel …“
„Um Ahadog zu retten“, unterbrach ihn Yjili.
Jona nickt. „Ja, um Ahadog zu retten. Das Klettern fiel mir da so leicht. Ich habe es zuhause ausprobiert, das ging lange nicht so einfach.“
„Könnte es an Ahjens Fähigkeit der Gewandtheit gelegen haben?“ Skji sah sie forschend an, sogar die Schatten maß sie mit einem abschätzenden Blick.
Doch während Jona bei dieser Frage nur ratlos war, schüttelte sich Mel und stand auf. „Nicht in dem Maße“, sagte er.
Skji nickte. „Na schön. Gebt mir ein paar Tage Zeit. Ich werde einen Test vorbereiten – und mit Mo ein ernstes Wörtchen reden!“ Sie setzte sich die Brille wieder auf die Nase und legte das Buch auf einen der Stapel. Als sie das nächste aus dem Regal nahm, sah sie noch einmal zu ihnen. „Gibt es noch etwas?“
Jona und Yjili schüttelten gleichzeitig den Kopf.
„Dann geht euch ausruhen.“

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Die Herde (Yjili)

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Die Herde geriet in Panik. Die massiven Hufer stoben auseinander, teilten sich zuerst in kleinen Grüppchen, die sich schnell wieder zu einem großen Pulk zusammenfanden – und flohen.
Um Yjili herum schrien zwei Frauen auf, eine davon ließ ihre Lederarbeit liegen und rannte in das Lager hinein. Die zweite, Kinina, die Schwester ihrer Mutter, griff Yjilis Arm und zog sie auf die Beine. „Die Herde kommt!“, rief sie und zog Yjili mit sich.
„Aber ich will zuschauen!“, wehrte sich Yjili und entwand sich des Griffs. Kinina sah sie einen Moment überlegend an, dann nickte sie und legte ihr zuerst beide Hände auf die Schultern, dann auf den Kopf. Yjilis Herz machte einen Sprung; sie durfte den Wächtern zuschauen! „Beherrsche deine Neugierde! Und bleibe nahe der Dornenbüsche!“, mahnte sie noch einmal, dann half sie den anderen Frauen und Männern die wichtigsten Habseligkeiten einzusammeln und die Kinder auf den beiden Felsen innerhalb des Lagers in Sicherheit zu bringen, während die Wächter sich am Rand des Lagers verteilten.
Yjili hockte sich dicht eben einen Busch und beobachtete die Wächter. Die Wächter des Stammes, Männer wie Frauen, trugen jeweils einen langen Stab aus geflochtenem Steppengras bei sich. Sie waren barfuß, um die Erde unter sich spüren zu können. Ein Mann, jener, der der Herde am nächsten war, stampfte auf. Die anderen taten es im Gleich, bis nach wenigen Herzschlägen rund um das Lager ein rhythmisches Stampfen zu hören war, dass sogar den Lärm der Huferherde übertönte. Einmal stampften alle zusammen auf, ein zweites Mal, ein drittes. Dann hoben alle die Stäbe und stießen sie auf den Boden. Eine Staubwolke stieg empor, wurde von einem unsichtbaren Wind getragen und begann zu glitzern, wie Wassertropfen in der Sonne. Ein glitzernder Bogen wuchs aus dem Boden und überspannte schon bald das Lager. Die Wächter blieben wo sie waren, beide Hände fest um die Stäbe gelegt, und hatten die Augen geschlossen. Sie konzentrierten sich, das wusste Yjili.
Neugierig rutschte sie etwas zur Seite, um die Herde sehen zu können. Sie waren nicht mehr weit entfernt. Schon rannten die ersten Tiere auf die Wächter zu. Sie schnauften vor Austrengung, Yjili konnte die Panik in ihnen Augen sehen. Doch wie erwünscht spürten sie die Barriere und drehten ab. Keine zehn Schritte von Yjili entfernt preschten die Tiere vorbei, umrundeten das Lager, wie sie jedes Hindernis umrundeten, dass sie nicht niedertrampeln konnten.
Die Gefahr war gebannt, das Lager war sicher.