Buchempfehlung: „Opfermond“ von Elea Brandt

Steht auf einem Buch schon „Fantasy Thriller“ drauf, ist das ein Muss für mich, es zu lesen – und natürlich auch eine Leseempfehlung zu geben, denn „Opfermond“ von Elea Brandt hat mit wirklich gut gefallen.

Als in Ghor-el-Chras‘ Hurenviertel der Sohn eines reichen Alchemisten ermordet aufgefunden wird, erhält der Assassine Varek den Auftrag, den Mord aufzuklären. Eine ihm willkommene Abwechslung. Doch das bleibt nicht der einzige ungewöhnliche Todesfall im Hurenviertel. Als es einen der wenigen Freunde der Hure Idra trifft und sie auf viele Zusammenhänge stößt, will sie dieses Wissen zu ihrem Vorteil nutzen. Doch die Tragweise dessen ist weder Varek boch Idra zu Anfang klar.

In „Opfermond“ ist genau das drin, was auch draufsteht: Es ist ein schmutziger Fantasy Thriller im besten Stil. Die beiden Hauptdarsteller sind so verschieden wie Tag und Nacht und doch beide in ihrer eigenen Art sehr glaubwürdig. Beide sind zwiegespalten und in ihrem Verhalten doch wieder sympatisch, dass ich sie einfach mögen musste.
Auch sprachlich war das Buch alles andere als eine Enttäuschung. Keine hochtrabenden lyrischen Anwandlungen, sondern klare Beschreibungen und eine teilweise harsche Wortwahl.
Allein das Ende kritisiere ich; allerdings nicht, weil es unpassend, schlecht aufgelöst oder zu sehr voraussehbar gewesen wäre. Nein, einfach weil ich es mir anders gewünscht hätte. Dennoch fand ich es sehr gelungen.

Mein Fazit also: Es lässt sich gut lesen, hält einen auch trotz unregelmäßiger Lesezeit bei der Stange und ist noch dazu spannend und gut aufgebaut. Auf das nächste Buch von Elea Brandt, dass in Ghor-el-Chras spielen wird, jedenfalls freue ich mich!

Buchempfehlung: „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“ von Alan Bradley

Irgendwie entsprach dieses Buch nicht meinen Erwartungen, eine Enttäuschung war es war es allerdings deswegen lange nicht. Ich erwarb es in meiner Lieblingsbuchhandlung, es stand dort in der Fantasy-Ecke. Von Fantasy ist daran allerdings nichts zu merken. Nein, es handelt sich um einen waschechten Krimi mit einer jungen aber sehr überzeugenden Protagonistin.

Flavia de Luce, die jüngste von drei Schwestern, lebt mit ihrer Familie etwas abgelegen auf einem alten Landsitz. Bis darauf, dass sich die drei Geschwister des Öfteren in die Wolle bekommen, scheint dort nicht viel zu passieren. Jede geht ihren eigenen Interessen nach. Flavias Leidenschaft ist die Chemie. Als sie nach einem Streit zwischen ihrem Vater und einem Unbekannten plötzlich eine Leiche im Gurkenbeet findet, beginnt sie sich ihr Interesse an analytischen Dingen zunutze zu machen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Herausragend an diesem Buch ist sicherlich die Protagonistin Flavia. Sie ist neugierig, analytisch und sehr intelligent und gerade mal elf Jahre alt. Durch die Ich-Perspektive wirkt sie jedoch sehr lebensecht. Auch ohne zu wissen, wo und wann der Roman spielt, hätte ich sicherlich schnell erraten, dass Flavia nur Britin sein kann.
Allerdings blieben durch die Perspektivwahl leider auch einige Fragen für mich als Leserin ungeklärt. Immerhin ging es um einen Mord. Und auch, wenn Flavia diesen lückenlos aufklärt, so gab es doch zumindest einige Stellen, an denen sich auch eine andere Sichtweise auf die Dinge interessiert hätte. Zum Beispiel die ihres Vaters oder des Inspektors.

Auf jeden Fall ist der Roman absolut lesenswert 😀 Der komplexe Fall ist gut durchdacht und beinhaltet sogar Spezialwissen, dass mir als Leserin näher gebracht wurde, ohne dass ich mich dabei langweilte – und nein, ich spreche nicht von der Chemie 😉 Da weiß ich offensichtlich noch mehr, als ich dachte.
Ich jedenfalls freue mich auf weitere Abenteuer mit Flavia, denn dies war nur der Auftakt zu einer ganzen Buchreihe!

Flavia de Luce 1 – Mord im Gurkenbeet

Bild: Amazon

Autor: Alan Bradley
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
ISBN: 3442376246

Leichenfund (Alena / Sananka / Lailah / Kyle)

»Macht platz«, forderte Kyle die Menschenmenge auf. Entschlossen schob er einige Schaulustige beiseite, damit Alena zum Fundort der Leiche vordringen konnte – auch wenn sie diese bereits von weitem sah. Die Gliedmaßen des Mannes hingen wie gebrochene Äste von dem Baum herab, in dessen Krone er lag. Eine Blutspur klebte wie Harz an der Rinde und sickerte in das trockene Gras.
Um den Stamm herum hielten sechs Wachmänner die Menschen davon ab, näher zu treten. Kyle und Alena erhielten bei ihnen freien Durchgang. »Schafft die Menschen hier weg und riegelt den Hof ab«, befahl Alena dem Hauptmann der Wache und wandte den Blick nach oben zu der Leiche. »Wer ist es?«
»Der Schuster von der Ecke«, rief jemand von hinten. Es folgte ein ärgerliches Brummen. »Hey, jetzt lasst uns doch mal durch!«
Alena erkannte die Sprecherin sofort und erspähte die Schneiderin einige Schritte entfernt. Ein Wachmann hielt sie am Arm fest, in der Meinung, sie sei nur eine weitere Schaulustige. »Scher dich weg, habe ich gesagt!«, fuhr die Wache sie an.
»Sananka!« Alena schmunzelte und legte dem Wachmann eine Hand auf die Schulter. »In Ordnung, sie darf durch und …« Ihr Blick fiel auf das Mädchen, das halb hinter Sananka stand; völlig unscheinbar, als sei sie sich selbst nicht sicher, ob sie hier sein durfte. »sie ebenfalls.«
Der Wächter nickte, ließ Sananka los und wandte sich anderen Schaulustigen zu, um sie vom Hof zu kommandieren. Sananka folgte Alena, ohne sich sich von der Leiche beeindruckt zu zeigen. »Malon Segbach heißt er«, berichtete die Schneiderin und deutete hinter sich auf das Mädchen. »Lailah hat mir vorhin gesagt, dass sie nen komisches Gefühl hatte, als sie ihn gestern in der Schenke gesehen hat. Naja, und jetzt hängt er tot hinter der Schenke im Baum.«
Weit empfindsamer, was Gräueltaten betraf, war Lailah bleich im Gesicht und starrte auf den Boden. Dennoch nickte sie. »Ich habe ihm gestern Abend gesagt, er soll vorsichtig sein. Ich … hab einfach gewusst, dass was passieren wird.«
Alena nickte und legte dem Mädchen wohlwollend eine Hand auf die Schulter. »Er hätte auf dich hören sollen. Du kannst mir später sagen, was du gespürt hast und was du weißt. Kyle«, wandte sie sich abrupt an den Schlossgardisten. »würdest du Lailah bitte in meine Räume begleiten? Ich komme nach, sobald ich mir hier ein Bild gemacht habe.«
Kyle nickte und Lailah seufzte erleichterte. Sie schien froh, als sie sich in seiner Begleitung von diesem Ort entfernen konnte. Dennoch blieb Kyles Blick einen Augenblick zu lange an Sananka hängen. Misstrauen, ging es Alena durch den Kopf. Er misstraut ihr. Aber weshalb?
Kopfschüttelnd schob sie den Gedanken beiseite. Das würde sie später herausfinden müssen. Mit einer auffordernden Bewegung winkte sie den Hauptmann herbei und deutete auf Sananka. »Hauptmann Jeghen, Frau Schneiderin kannte den Toten und wird uns nach Kräften unterstützen.«
Während der Hauptmann verwundert das Gesicht verzog, grinste Sananka zufrieden. »Tja, Zivon, jetzt musst du mich auch hier noch ertragen.«
Der Hauptmann murmelte etwas von Nervensäge, doch Alena ging nicht darauf ein. Es wunderte sie nicht, dass Sananka auch den Hauptmann kannte. Sananka kannte viele Menschen und wusste über jeden etwas zu berichten. Sie hatte gelernt Augen und Ohren offen zu halten, weswegen sollte Alena diesen Vorteil nicht nutzen?
Ihr Blick wanderte von einem zum anderen. »Was könnt ihr mir über Malon Segbach sagen?«, begann sie nun einfach ihre Ermittlungen.