Von offensichtlichen Hintergedanken, verborgenen Gewalttaten und unsichtbaren Verletzungen (#Blogparade: Fantasy und Gewalt – #Nornennetz)

Heute vor genau einem Jahr habe ich das erste Kapitel meines Blogromans Heimsuchung veröffentlicht. Wer ihn gelesen hat, ahnt vielleicht, weswegen ich gerade die Blogparade „Fantasy und Gewalt“ des Nornenennetzes nutze, um noch einmal darauf einzugehen. Gewalt in Fantasy mag nicht ungewöhnlich sein. Doch im Grunde baut die ganze Geschichte auf einem Hintergrund auf, der durch Gewalt geprägt wurde.
Einen kleinen Einblick meiner eigenen Motivation dahinter möchte ich mit diesem Artikel geben.

 

Fantasy und Gewalt

Durch den oft herangezogenen Kampf zwischen Gut und Böse beinhalten Geschichten im Genre Fantasy meistens Gewalt. Wie oft liest man in Büchern von Schwerthieben, die (gerne realitätsferne) tiefe Wunden reißen? Es fließt Blut, es werden Schlachten geschlagen, Menschen ermordet. Oft sind die Welten des Genres rau und brutal. Doch Fantasy hat viele Facetten – genauso wie Gewalt.
Der oben benannte Aspekt bezieht sich für gewöhnlich auf körperliche Gewalt. Über Sinn und Zweck dieser kann man sich streiten. Manchmal ist sie ein Spannungspunkt, manchmal notwendig, um die Skrupellosigkeit einer Figur oder eines Regimes zu verdeutlichen, und manchmal ist sie einfach nur unnötig.
Es existieren aber noch andere Arten von Gewalt. Laut Wikipedia definiert die Weltgesundheitsorganisation „Gewalt“ folgendermaßen:

Gewalt ist der tatsächliche oder angedrohte absichtliche Gebrauch von physischer oder psychologischer Kraft oder Macht, die gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft gerichtet ist und die tatsächlich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt.

Eine der in der heutigen Zeit bekanntesten Formen psychischer Gewalt dürfte Mobbing sein. Es wird emotionaler Druck aufgebaut, der Menschen verletzt. Und auch solche Wunden hinterlassen ihre Spuren. Und diese Spuren wiederum prägen Menschen.

 

Laienpsychologie für Figurenentwicklung

Als jemand, die sich gerne mit Charakteren beschäftigt und gut ausgearbeitete Figuren liebt, können schon kleine Bemerkungen oder Verhaltensweisen zu einschneidend Überlegungen führen. Ich bin weit davon entfernt, Expertin für Psychologie zu sein oder allem, was damit zusammenhängt. Doch ich schaue mir Menschen an, höre ihre Aussagen und frage mich, was wohl in ihren Köpfen vorgehen muss um ihr Verhalten hervorzurufen; mit Logik und (hoffentlich) ohne Vorurteile. Auch wenn ich es nicht verstehe, ich versuche Motive nachzuvollziehen. Vor allem auf emotionaler Ebene. Und so entwickle ich auch meine Charaktere. Ich entdecke deren Hintergrund – und diese hängen oft mit Dingen zusammen, die mich selbst stark beschäftigen.
Als ich meinen Blogroman schrieb, stand der Hintergrund der Protagonistin schon lange fest. Sananka entstand im Chat-Rollenspiel, zeigte dabei neue Facetten und festigte gleichzeitig die Idee dahinter – und wurde eine meiner liebsten Figuren. Ihr Hintergrund basierte auf Ereignissen, die mir zur Zeit ihrer Erschaffung schwer zu schaffen machten. Es war die Zeit, als ich frischgebackene Mutter war – und eine Welle an Nachrichten über Kindesmisshandlungen und Leichenfunden von Kleinkindern durch die Presse gingen. Und auch musikalisch wurde dieses Thema in der Zeit häufig aufgegriffen. Sananka war mein Weg, mich damit zu auseinanderzusetzen.
Doch es war auch die Zeit, in der für mich selbst der Druck zuzunehmend anstieg. Mit Kind, Job und Haushalt hatte ich viel zu stemmen. Das Rollenspiel schlief ein, ich fand weder die Zeit noch die Lust. Sananka aber lebte weiter in meinen Schreibereien.

Mit meiner Entscheidung, mich mehr auf mein Autorendasein zu konzentrieren, juckte es mir in den Fingen, über Sananka zu schreiben. Sie ist noch immer eine meiner liebsten Figuren und erst jetzt fühlte ich mich soweit, mich nicht nur den Auswirkungen ihres Hintergrunds zu stellen.

 

Reflektionsmöglichkeiten in phantasievoll

Egal, ob es sich um Gesellschaftskritik, Geschlechterrollen oder politische Statements handelt, Fantasy bietet die Möglichkeit, sich in einem erfundenen Kontext mit all diesen Dingen auseinanderzusetzen. Wegen des erfundenen Kontext wird Fantasy in all ihren Ausprägungen oft als reine Unterhaltungsliteratur angesehen. Doch in so vielen Büchern steckt mehr, als nur die simple Realitätsflucht. Im Gegenteil: Man kann sich Aspekten der Realität stellen. Das gilt für das Lesen ebenso, wie für das Schreiben.
So widme ich mich Themen, die mich bewegen und aufwühlen. Dinge, die ich versuchen will nachzuvollziehen, die ich auswalze, um festzustellen, was eine Situation aus einem Menschen machen kann. Als Mutter hat mir allein der Gedanke von Gewalt an Kindern, psychisch wie physisch, emotional immer sehr zugesetzt. Um so wichtiger war es mir, Sanankas Hintergrund in eine Geschichte zu bringen. Denn ihre Kindheit beinhaltet beides.

Mit Sananka ging ich der Frage nach, wie sich solche Ereignisse auf ein Kind auswirken können. Doch nicht auf dem üblichen Weg. Allzu oft wird leichtfertig mit Schlägen und Vergewaltigungen als Hintergrund in Geschichten um sich geschmissen. Es ist ein einfacher Weg, eine dramatische Vorgeschichte zu erfinden. Nein, ich ging es anders an – und entwickelte daraus einen Charakter, der mit vielen psychischem Problemen zu kämpfen hat. Sie kämpft mit Ängsten, einem falschen Selbstbild und einer Gefühlswelt, die zu weiten Höhenflügen und tiefen Abstürzen führen kann, geprägt durch eine Kindheit in Unsicherheit, Verachtung und einer falschen weißen Weste.
Was mir das Genre Fantasy jedoch bietet, ist eine Möglichkeit, Sanankas Selbstschutz ebenso ungewöhnlich zu gestalten und all das in eine Geschichte zu verpacken, die dem Leser vielleicht auch noch Spaß und Spannung bietet. Denn dann werden Geschichten gelesen. Und dann bleiben Fetzen des eigentlichen Themas am besten Hängen und können neue Gedanken hervorbringen, die in der Realität verwurzelt sind.

Und wer nun neugierig ist und meinen Blogroman noch nicht gelesen hat, kann das gerne nachholen 😉

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Halloween 2017 im Nornennetz

Es ist Fasching. Kinder verkleiden sich, Erwachsene auch. Den Kindern gönne ich Fasching, aber meine Begeisterung als Erwachsene hält sich deutlich in Grenzen. Ich kann mit dieser aufgesetzten Heiterkeit nichts anfangen. In meinem Kopf verbinde ich Fasching mit Clowns, schlechten Witzen und ätzender Musik. Nein, da nehme ich doch lieber die amerikanische Variante: Halloween 😉

Und weil ich Ende letzten Jahres viel zu eingespannt und fertig war, nutze ich jetzt endlich die Gelegenheit und weise euch nochmal auf die schöne Halloweenaktion des Nornenetzes hin:

Totentanz mit den Nornen

 

Über den 30.10 und 1.11. gab es über den Tag verteilt jede Menge kurze Texte aus der Feder der Nornen. Und ja, ich hatte auch eine Geschrieben: Monster. Sie gehört zum Hintergrund meiner Monsterjäger-Protagonistin Maezaye.

 

Ich lade also alle Faschingsmeider und Gruselfans ein, sich in der unbequemen Faschingszeit einfach mit gruseligen Geschichten zu beschäftigen 😉

Unheimlich gut gefallen haben mir die Geschichten von:

#WirschreibenDemokratie – ein paar Gedanken

 

#WirSchreibenDemokratie. Wir schreiben. Ich bin Autorin. Wenn ich denke, etwas zu können, dann schreiben. Ich kann schreiben und ich habe sogar eine eigene Meinung. Also kann ich auch meine Meinung auch äußern.

Die Idee des Hashtags kommt aus dem Nornennetz als Reaktion auf die Ergebnisse der Bundestagswahl.

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Wieder einmal eröffnete mir das Ergebnis: Filterblasen sind schön. Filterblasen gaukeln einem vor, dass sich schon alles in die richtige Richtung wendet. Schließlich sind doch so viele Menschen, mit denen ich kontakt habe, der gleichen Meinung wie ich.

Aber da sich wirklich durchweg (zu) viele Menschen in ganz Deutschland entschieden haben, eine Partei zu wählen, deren Einstellung ich wirklich nur als menschenverachtend und damit auch „assozial“ bezeichnen kann, stehe ich da und verstehe es nicht.

Ich kann die Intention der Protestwähler verstehen, wirklich. Auch ich habe mich schwer damit getan, mich dafür zu entscheiden, welcher der links angesiedelten Parteien ich denn nun meine Stimme geben soll. Die letzten Jahre war Politik ein großer Einheitsbrei – und ich habe nicht das Gefühl, dass irgendwer das umsetzt, was er zuvor zur Wahl behauptet hatte. Trotzdem. Was ich nicht verstehe, ist, wie man deswegen Menschen seine Stimme geben kann, die so offensichtlich Hetze gegen andere Menschen betreiben – und die sicherlich nicht die Meinung von all denen vertreten, die sie gewählt haben. Das zumindest hoffe ich inständig. Und ich hoffe gerne, denn auch wenn ich ständig enttäuscht werde, ich bin einfach gutgläubig.
Eine Freundin sagte mir, die AfD sei die einzigen, die die Ängste der Menschen thematisieren, die durch die vielen Geflüchteten in Deutschland und die Terroranschläge aufkamen. Das mag sein, aber Angst ist ein schlechter Entscheidungsträger.

Was also tun? Sich mit diesen beängstigenden Dingen, diesem verqueren Denken beschäftigen? Ja, ganz genau! Und zwar nicht auf einer Ebene, die jemandem einen langen Aufsatz vorsetzt, mit vielen Fachworten und Thesen gespickt. Nein, das geht viel einfacher: Zum Beispiel mit Humor, wie viele Satiriker zeigen. Es geht aber auch mit Geschichten.
Aus Geschichten kann man lernen. Auch aus Fantasy-Geschichten, wie die Blogreihe Phantastische Realität Anfang des Jahres auch wunderbar aufgezeigt hat. Geschichten können dafür sorgen, dass sich die Menschen, die sie lesen, mit Gedanken auseinandersetzen müssen, an die sie sonst keine verschwenden. Rassissmuss, Ausbäutung, Sexismus und vieles andere; all das findet sich in Geschichten wieder. Es ist die Art, wie ein Autor seine Meinung äußern kann. Es ist die Art, wie ein Autor Menschen vielleicht doch zum Nachdenken und Reflektieren animieren kann.
Es gibt so viele kluge Menschen da draußen, die versuchen andere Menschen zum Denken anzuregen. Denn genau das braucht es doch: selbstständiges Denken, statt Mitläufertum. Ein Auseinandersetzen mit Thematiken, statt festgefahrene Einstellungen.

Das Wahlergebnis mag erschreckend gewesen sein, doch noch haben diese Menschen mit diesem verqueren Denken nicht gewonnen. Da sind noch andere. Und es werden mehr. Selbstständiges Denken kann man nämlich lernen. Vielleicht werde ich dieses Mal ja nicht enttäuscht. Und wenn doch, tue ich das, was ich immer tue: weiter machen und weiter auf den Menschenverstand pochen.

In dem Sinne schließe ich mit einem meiner Lieblingslieder: Schandmaul – Bunt und nicht braun.

 

Weitere sehr interessante Beiträge

 

#Nornennetzchallange

Irgendwann Anfang des Jahres habe ich sowohl Instagram als auch die Challanges dort für mich entdeckt. Ich fotografiere gerne und schreibe auch gerne mal meine Gedankengänge zu bestimmten Dingen in die Welt hinaus.
Vom 1. bis zum 15. Oktober wird es die nächste Challange geben 😉 Im Nornennetzwerk haben wir eine Fantasy-Challange auf die Beine gestellt, die #Nornennetzshallange. Und ich freue mich darauf; nicht nur, weil mitmachen viel Spaß bringen wird, sondern auch, weil ich daran mitgearbeitet habe und sehr gespannt auf sämtliche Beiträge bin.
Und: es gibt auch für alle Nicht-Nornen die Chance etwas zu gewinnen! 😉

Nornenchallenge

Eine genaue Beschreibung der einzelnen Punkte, findet ihr auf der Nornen-Website 😉

Das Nornennetz

Im Social Media führt oft eines zum anderen. So führte die Autorinnenzeit unter anderem zu den Nornen.

Die Erkenntnis, dass Autorinnen im Fantasy-Genre nicht nur unterrepräsentiert sind, sondern auch mit falschen Erwartungen betrachtet werden, brachte einige Fantasy-Autorinnen zusammen. Spontan gründeten sie ein Netzwerk: Die Nornen. Das Nornennetz hat klar zum Ziel, Autorinnen des phantastischen Genres im deutschsprachigen Raum zu fördern. Dazu zählen auch alle anderen Subgenre wie Steampunk, Sience Fiction, Horror und so weiter.

Auch wenn das Netzwerk noch ziemlich jung ist – oder gerade deswegen? – ist es unheimlich dynamisch. Im Netzwerk wird geplaudert, sich über alle möglichen buchrelevanten Themen ausgetauscht und werden bereits die ersten Projekte geplant. Jeder kann seinen kleinen Beitrag dazu leisten und die Autorinnen im Netzwerk unterstützen; mit all dem, was die Nornen zu bieten haben.

Noch wird das Nornennetz gewebt, doch schon jetzt haben sich viele Ideen verfangen, die umgesetzt werden wollen. In jedem Fall tut sich etwas bei den Nornen. Und ich bin stolz, bereits dabei zu sein!

Moechtegernautorin_dark

Und wer nun neugierig geworden ist, kann sich auf der Nornen-Website informieren – und vielleicht sogar gleich als Novizin bewerben 😉